Die tz zeigt sein Umfeld

Sörgel: "Keine Überraschung, wenn Nibali gedopt wäre"

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­Vizenco Nibali wurde noch nie ­positiv ­getestet.

Paris - In diesem Jahr ist Vizenco Nibali auf dem besten Weg, sich am Sonntag zum König der Tour de France zu krönen. Doch es bestehen Zweifel. Die tz zeigt sein Umfeld.

Lance Armstrong, Alberto Contador, Floyd Landis: Vielen Tour-de-France-Siegern der jüngeren Vergangenheit wurden ihre Titel wegen Dopings nachträglich aberkannt. In diesem Jahr ist Vizenco Nibali auf dem besten Weg, sich am Sonntag in Paris auf den Champs-­Élysées zum König zu krönen. Dass ihn jemand aufhält, ist unwahrscheinlich – zu souverän präsentierte sich der 29-Jährige bisher. Weniger cool ist Nibali beim Thema Doping. „Das ist ein Thema der Vergangenheit“, sagte der Italiener vor ein paar Tagen. Am selben Tag verkündete die UCI (Internationaler Radsport-Verband) die Sperre des Sky-Fahrers Jonathan Tiernan-Locke wegen unregelmäßiger Blutwerte. Auch der Italiener Diego Ulissi (Salbutamol) und der Südafrikaner Daryl Impey (Verschleierungsmittel) wurden jüngst erwischt. Nibali wurde noch nie positiv getestet, das Umfeld des Strahlemanns weist aber dunkle Schatten auf. „Die alten Gesichter und Verbindungen sind nach wie vor im Spiel. Ein Neuanfang dauert, die Szene kann nicht von heute auf morgen sauber sein“, sagt der Pharmakologe Fritz Sörgel der tz. Auf einen ehrlichen Toursieger hofft er noch nicht. „Eine Überraschung wäre es nicht, wenn Nibali gedopt wäre, sondern nur ein Beleg, dass man zu optimistisch war“, so Sörgel. Die tz zeigt Nibalis Umfeld:

Ivano Fanini (63): Der italienische Teamchef behauptete 2009, er habe Nibali und dessen damaligen Teamkollegen Franco Pellizotti beim Training mit Doping-Doc Michele Ferrari gesehen. Doch der wehrte sich vor Gericht, Fanini zog seine Aussagen letztendlich zurück. Nibali bestritt jüngst erneut den Kontakt zum Dottore Epo: „Ich habe Ferrari nie persönlich getroffen.“ Pellizotti wurde 2011 wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt.

Alexander Winokurow (40): Der heutige Teamchef von Nibalis Astana-Mannschaft wurde 2007 für ein Jahr gesperrt, da ihm Fremdblutdoping nachgewiesen wurde. Winokurow trat daraufhin zurück, schaffte 2009 aber ein Comeback. 2010 gewann er den Klassiker Lüttich–Bastogne–Lüttich. In der Folge wurde ihm vorgeworfen, den Sieg für 150 000 € gekauft zu haben. 2012 ging er als „Olympiasieger, den niemand braucht“ in die Geschichte ein.

Guiseppe Martinelli (59): Der Italiener ist Sportlicher Leiter bei Astana. Nibali brachte ihn höchstpersönlich mit ins Team. Martinelli führte bereits die Dopingsünder Marco Pantani und Stefano Garzelli zu Siegen.

Michele Scarponi (34): Nibalis Edelhelfer bei dieser Tour war bereits 2008 und 2012 wegen Dopings gesperrt. Er war Kunde des spanischen Dopingdoktors Eufemiano Fuentes und arbeitete mit Michele Ferrari zusammen.

Roman Kreuziger (28): Der Tscheche fuhr früher mit Nibali bei Liquigas. 2013 gab er zu, 2006 und 2007 mit Ferrari gearbeitet zu haben. Um Doping soll es sich nicht gehandelt haben. In diesem Jahr wurde Kreuziger wegen auffälliger Werte im Blutpass kurzfristig aus dem Tour-Aufgebot gestrichen.

Johan Bruyneel (49): Der Belgier wurde im April 2014 wegen seiner Rolle in der Arm­strong-Affäre für zehn Jahre gesperrt. Bis 2010 war er Winokurows Vorgänger beim Team Astana.

Mathias Müller

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