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Start der European Championships: Gute Laune trotz aller Weltpolitik

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Von: Günter Klein

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Eröffnung
Zuschauer verfolgen im Olympiapark die Eröffnung der European Championships 2022. © Soeren Stache/dpa

München feiert sich mit den European Championships und erwartet „tolle Tage“. Am 10. August wurde die EM feierlich eröffnet.

München – Die Bilder, die München von den European Championships produziert, werden gut sein. Zum Beispiel die von der Radsportvariante BMX. Auf dem Parcours auf dem Olympiaberg wurde am Mittwoch vor der Eröffnungsfeier trainiert, die behelmten Akrobaten flogen vor einer Kulisse aus lokalen Kirchenlandschaften und Alpenkette durch die Lüfte. Der Wetterbericht lässt keine Veränderung der Lage erahnen. „Wir werden“, prognostizert Sportbürgermeisterin Verena Dietl, die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Olympiapark GmbH ist, „elf tolle Tage erleben“.

Die Honoratioren aus der Politik standen am Mittwoch vor der offiziellen Eröffnung auf dem Olympiaberg unweit der BMX-Anlage, auf der der fette Bass, der das Training begleitete, respektvoll heruntergeregelt wurde. Dass es losgehen konnte in München mit dem „größten Multisportevent seit den Olympischen Spielen 1972“, war ein Anlass zur Freude, denn es ist einiges geschehen, was diese Veranstaltung hätte kippen können. Seit München für seine Bewerbung um die Austragung von neun Europameisterschaften mit 177 Entscheidungen den Zuschlag erhielt, nahm eine Pandemie die Gesellschaft in Haft und mussten zwei Olympische Spiele (Tokio, Sommer 2021, Peking, Winter 2022) in unwürdigem Ambiente ohne oder mit stark reduzierter Zuschauerzahl abgehalten werden. Marion Schöne, die die Geschäfte führt im Olympiapark, beschrieb ihre Zweifel, „ob das Event stattfinden kann und wann wir mit Werbung rausgehen können“.

Zu Corona kam dann im Februar noch „der russische Angriffskrieg“. Damit verbunden die Frage: „Wie reagiert man darauf? Man habe sich, so Marion Schöne, den Vorgaben von Deutschem Olympischen Sport-Bund und Internationalem Olympischen Komitee an- und russische wie belarussische Sportlerinnen und Sportler ausgeschlossen. „Spaß macht das nicht.“ Doch froh stimmt ein Blick auf die Startlisten: „In nahezu allen Disziplinen ist die Ukraine vertreten.“

München ist entschlossen, sich die Laune von der Weltpolitik nicht verderben zu lassen. Vor allem will es sich für sein Konzept der Nachhaltigkeit feiern, dafür, dass die olympischen Sportstätten von 1972 wieder mit Leben erfüllt werden. Den Geist von damals sollen auch die spüren, die Olympia nicht miterlebt haben – wie Bürgermeisterin Dietl, die rechnet: „Da war ich minus acht.“

Auf die Aktiven entfaltet das olympische Ensemble jedenfalls seine Wirkung. Sprinterin (und Bob-Anschieberin) Alexandra Burghardt war als Kind aus Mühldorf, 50 Autominuten entfernt, „bei einem Leichtathletik-Europacup im Olympiastadion“ und hat sich „in dunkleren Zeiten der Karriere vorgestellt, dass ich hier einen Einzelstart habe“. Wird sie haben, dazu greift sie mit der WM-Bronze-Staffel nach EM-Gold. Vor allem freut sie sich, dass ihr Freundeskreis sie mal live sehen kann. Wenn sie wie zuletzt in Eugene ihrem Sport nachging, versprachen ihr alle, „dass sie um drei Uhr aufstehen. Aber ich hab’s nicht geglaubt.“

Kletterer Yannick Flohé kennt das Olympiastadion von früheren Boulder-Weltcups und war „überrascht, dass wir am Königsplatz sind“. Aber soll ihm recht sein. Cooles Ambiente, findet er, „wenn man gerade abhängt“ (und meint darin nicht in der Wand). Seine Hoffnung: Dass Laufkundschaft sich für seinen Sport begeistere. Aber es gibt Konkurrenz: BMX etwa.

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