Startschuss für die 3. Liga

+
Bastian Bischoff und Gregg Berhalter im Vorbereitungspiel SpVgg Unterhaching gegen TSV 1860 München. Unterhaching wird als Aufsteiger gehandelt.

München - Es ist der Beginn einer neuen Ära. Am Freitagabend um 20.30 Uhr startet die neugegründete Dritte Liga mit dem Ostderby Rot-Weiß Erfurt – Dynamo Dresden in ihre erste Saison.

Wo geht die Reise hin, was muss der Fan wissen? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen Spielklasse.

Wie setzt sich die Dritte Liga zusammen? Die 20 Klubs rekrutieren sich aus den vier Absteigern aus der Zweiten Bundesliga und jeweils acht Vereinen aus den ehemaligen Regionalligen Nord und Süd. Maximal vier „Reserveteams“ (zwei Nord, zwei Süd) durften sich qualifizieren, mit Bayern II, Stuttgart II und Bremen II schafften es nur drei. Dortmunds zweite Mannschaft blieb auf der Strecke und spielt nun in der viertklassigen Regionalliga West.

Wie sind die Modalitäten in Sachen Auf- und Abstieg? Die beiden Erstplatzierten steigen direkt in die Zweite Liga auf, der dritte Aufsteiger wird in zwei Relegationsspielen ermittelt. Die drei schlechtplatziertesten Teams steigen in die dreigeteilte Regionalliga ab und werden durch deren jeweilige Staffelsieger ersetzt. Ab der Saison 2009/10 gibt es hier keine Aufstiegsbeschränkungen mehr für Reserveteams. Die Entwicklung will der DFB allerdings genau beobachten.

Wie berichtet das Fernsehen über die neue Liga? In der ARD-Samstags-Sportschau gibt es jede Woche Zusammenfassungen von drei Spielen. Dazu kommen Beiträge und Live-Spiele in den dritten Programmen und eine Spiel-Zusammenfassung in der Sonntags-Sportschau und der ZDF-Sportreportage. Das heutige Saisoneröffnungsspiel Erfurt gegenDresden wird live im MDR übertragen.

Wie viel Geld bekommen die Klubs vom Fernsehen?Statt wie bisher rund 375 000 Euro kassieren die drittklassigen Klubs künftig jeweils rund 588 000 Euro. Die drei Profi-Reserveteams bekommen nichts. Insgesamt bezahlt der Rechtevermarkter SportA gemäß dem bis 2009 geschlossenen Vertrag mit ARD und ZDF zehn Millionen Euro.

Warum sind viele Traditionsklubs trotzdem unzufrieden?Weil die Mehrkosten enorm sind. Zum einen schlagen die weiteren Reisen zu Buche, Joachim Cast, der Manager der Stuttgarter Kickers kalkuliert hier mit einer Verfünffachung (!); zum anderen stellt der DFB hohe Anforderungen an die Klubs. Jedes Stadion muss eine Kapazizät von 10 000 Zuschauern haben, davon 2000 Sitzplätze. Ein Drittel der Tribünen muss zudem überdacht sein. Und ab der Saison 2010/11 müssen alle Drittligisten zur Erteilung der Lizenz über ein eigenes Nachwuchsleistungszentrum verfügen. Christian Beeck, Sportdirektor von Union Berlin, sagt über die TV-Gelder: „625 000 Euro sind zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.“ Aalen-Trainer Edgar Schmitt empfindet den Betrag als „lächerlich. So können schwächere Vereine nicht überleben.“

Auf welche Änderungen müssen sich die Fans einstellen?Ganz banal gesagt: auf weniger Derbys und weitere Reisen. Die sportliche Qualität dürfte dagegen steigen. „Die Dritte Liga wird eine unglaublich interessante Sache“, verspricht Helmut Sandrock, der zuständige DFB-Direktor. Brisant wird’s beim Thema Sicherheit. „Die Zeit der beschaulichen Familienausflüge ist vorbei. Wir starten mit drei Extremspielen: gegen Union Berlin, Dynamo Dresden und Carl Zeiss Jena. Plötzlich kommen Tausende. Viele werden gewaltbereit sein“, sagte FC-Bayern-Sicherheitschef Alfred Ziegler – und löste damit eine Welle der Empörung aus. Beim DFB reagiert man gelassen. Der Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn rechnet mit „keinerlei Problemen“.

Wer sind die Favoriten auf den Aufstieg? Bei 189 Neuzugängen und 235 Spielerabgängen sind Prognosen schwierig. Geht es nach dem Etat, ist Braunschweig mit 7,5 Millionen Euro Favorit. Die vier Zweitliga-Absteiger Paderborn werden von den Trainern am häufigsten genannt. Karsten Baumann, Ex-Profi in Köln und Dortmund und jetzt Trainer bei Erfurt rechnet auch mit Unterhaching: „Die sind nicht zu unterschätzen. Sie haben in der letzten Saison der Regionalliga Süd eine starke Rückserie gespielt.“ Öffentliche Aufstiegsambitionen formulieren nur zwei Klubvertreter. Aue-Präsident Uwe Leonhardt („Wir kommen von oben und wir geben die Richtung vor!“) und Düsseldorfs Manager Wolf Werner. „Wo sonst, wenn nicht hier, kann man denn in die Zweite Liga aufsteigen?“, fragt der Ex-Trainer. Mutig, mutig…

lk

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Michael Jordan "einfach wütend" über Ereignisse in den USA
Michael Jordan "einfach wütend" über Ereignisse in den USA
Favoriten, Hygiene und TV - Das Quarantäne-Turnier der BBL
Favoriten, Hygiene und TV - Das Quarantäne-Turnier der BBL
Peiffer: Geisterrennen in Oberhof und Ruhpolding schwierig
Peiffer: Geisterrennen in Oberhof und Ruhpolding schwierig
Roßkopf erfindet Turnier für Tischtennis-Stars
Roßkopf erfindet Turnier für Tischtennis-Stars

Kommentare