„Der Eisbach ist extrem cool “

Surf-Ikone Robby Naish: „Der Eisbach ist schwierig für mich!“

Surf-Legende Naish erzählt über seine Erfahrungen mit der Eisbachwelle in München, seine Mission und seine erste Verletzung.

München - Windsurf-Legende, 24-facher Weltmeister und SUP-Pionier – klar, dass Robby Naish (55) in Flip-Flops zum Interview erscheint.

Herr Naish, sind Sie eine Legende?

Naish: Schwer zu sagen, ich höre das überall. Das hat sich früher wirklich komisch angefühlt, weil ich noch nicht tot bin. (lacht) Jetzt ist es cool: Ich werde für das, was ich erreicht habe, wertgeschätzt, aber auch noch nicht als irrelevant wahrgenommen. Legende ist ein großes Wort, aber ich kann es genießen.

Was hat sich im Surfsport seit den 70ern verändert?

Naish: Grundsätzlich bringen alle Surfsportarten immer mehr Leute aufs Wasser – das ist positiv. Doch die Ausrüstung hat sich so stark verändert, dass wir 90 Prozent aller Windsurfer vertrieben haben: Die Bretter wurden immer kleiner und schwieriger zu benutzen. Außerdem brauchte es dazu immer mehr Wind – das ging so weit, dass der Sport heute ziemlich exklusiv ist. Windsurfen hat sich selbst gekillt. Ich versuche aber, das zu ändern.

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Sind Sie auf einer Mission?

Naish: Windsurfen ist in meinem Herzen. Ich produziere mit meiner Firma Surfboards, die auch bei wenig Wind gut fahrbar sind. Damit kann ich viele Menschen begeistern, hoffentlich vor allem ältere.

Sie wurden im April 55 Jahre alt, sind aber ein Geburtstags-Muffel. Haben Sie gefeiert?

Naish: (lacht) Nein, das ist komplett unter dem Radar verlaufen. Kein Geburtstagskuchen, nichts. Ich habe Geburtstage noch nie gemocht. Wenn man mir ein Geburtstagslied singt, ist das superpeinlich und ich möchte einfach verschwinden. Ich mag es auch überhaupt nicht, Geschenke zu bekommen.

Robbie Naish (l.) mit Reporter Max Kramer.

Damit dürften Sie weltweit einer der Einzigen sein.

Naish: Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind nicht wollte, dass meine Eltern Geld ausgeben, um mir Geschenke zu kaufen. Wir hatten nicht viel Geld damals, das hat wohl Schuldgefühle geweckt, die ich bis heute nicht loswerde.

Sie wirken immer noch jugendlich– was hält Sie jung?

Naish: Hauptsächlich das Glück, dass mein Sport mein Leben definiert. Dazu kommt ein gewisser Lifestyle: Ich trainiere so oft ich kann, aber nie ohne Spaß. Irgendwie werde ich fürs Spielen bezahlt. Der Sport ist Spiel für mich – das hält mich fit.

2016 erlitten Sie einen Becken-, 2017 einen Fußbruch – die ersten Verletzungen Ihrer Karriere. Wie war diese Erfahrung?

Naish: Ein absoluter Horror! Das hat brutal genervt, aber wahrscheinlich war das die gute Lehre, dass im Leben alles Gute auch sein Schlechtes haben kann – ich bin froh, dass ich bis 53 warten musste. Wäre ich BMX- oder Motocross-Fahrer, könnte ich wohl nicht mehr gehen.

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Naish mit OB Reiter und Eisbach-Ikone Tao Schirrmacher am Eisbach.

Die Verletzung wäre Ihnen an der Münchner Eisbachwelle wohl nicht passiert?

Naish: Der Eisbach ist extrem cool und eine absolute Bereicherung für München. Es macht viel Spaß dort – es sollte mehr davon geben! Aber ganz ehrlich? Für mich ist die Eisbachwelle schwierig zu reiten, denn ich muss mich an ihr Verhalten gewöhnen. Das ist wie Skateboarden auf einem Laufband – das Prinzip ist dasselbe, aber die erforderliche Technik unterscheidet sich. Da hatte ich schon ein paar peinliche Momente!

Max Kramer

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