Tennislegende Becker im tz-Interview

Boris, wie kommt der Erfolg zurück?

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Boris Becker, ehemalige Nummer eins der Welt.

München - Boris Becker ist der erfolgreichste deutsche Tennisspieler – und auch er war selbst einmal Teamchef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft, Ende der 90er-Jahre. Seit Dezember 2013 ist er der Cheftrainer von Novak Djokovic. Das tz-Interview:

Herr Becker, am Wochenende spielt Deutschland in der ersten Runde gegen Frankreich. Die Schlagzeilen wurden aber vom Abgang von Ex-Teamchef Carsten Arriens beherrscht.

Becker: Man könnte auch sagen: Nichts Neues im deutschen Tennis. Ich bin zwar nicht mehr über jedes Detail informiert, aber was ich so höre, unterscheidet sich leider wenig von Vorgängen in der Vergangenheit. Man beschäftigt sich mit sich selbst – und nicht mit dem Sport. Und das kann sich das deutsche Tennis heute noch viel weniger leisten als jemals zuvor.

Was genau meinen Sie damit?

Becker: Wir müssen doch nur auf die Ranglisten schauen. Wie viele Deutsche stehen unter den Top 50, wie viele spielen in der zweiten Woche eines Grand Slams? Und vor allem: Wo sind die jungen deutschen Spieler, die eine Perspektive haben – Mischa Zverev müssen wir ja noch Zeit geben, ich meine die Spieler um die 20 bis 22 Jahre. Gefordert ist jetzt eine große gemeinsame Initiative, um das deutsche Herrentennis wieder auf die Erfolgsschiene zu bringen, um in zehn, fünfzehn Jahren wieder ein paar echte Spitzenleute zu haben. Was keiner braucht, sind diese Streitigkeiten von Funktionären.

Warum produziert Deutschland keine Spitzenspieler mehr?

Becker: Ich habe mich immer für mehr Zentralismus eingesetzt. Es ist nicht entscheidend, ob ein Topmann aus Bayern, Württemberg, Baden oder Hessen kommt. Wir müssten seit vielen, vielen Jahren über diese Kleinstaaterei hinweg sein, über dieses eigensinnige Denken. Das oberste Prinzip ist: Die Kräfte müssen gebündelt werden.

Die Verbände schmücken sich gern mit dem Lorbeer, wenn einer mit 16, 17 oder 18 Jahren Jugendturniere gewinnt.

Becker: Nur: Das ist nicht mehr relevant im modernen Tennis. Das einzig Entscheidende ist, dass es ein deutscher Spieler mit 21 Jahren in die Top 100 oder besser geschafft hat – und von dort eine Plattform hat für seine weitere Karriere.

Erfolge im Juniorenalter sind weniger wichtig?

Becker: Ja, das ist so. Es geht nicht zwingend darum, die besten Jugendspieler, sondern die richtigen Jugendspieler zu fördern, die es dann auch im Herrentennis schaffen können. Das ist ein großer Unterschied, glauben Sie mir. Generell ist immer auch ein Blick über den eigenen Tellerrand zu empfehlen: Wie machen das andere Länder, erfolgreiche Länder?

Ihr Name war auch im Spiel, als es um die Arriens-Nachfolge ging.

Becker: Dagegen kann ich mich nicht wehren, die Anfrage ist ja auch legitim. Aber ich habe keine einzige Sekunde ernsthaft erwogen, diesen Job jetzt zu übernehmen. Wer sich ein bisschen in der Materie auskennt, weiß, dass man nicht Trainer der Nummer 1 der Welt und gleichzeitig Davis-Cup-Teamchef sein kann.

Würden Sie ausschließen, noch mal als Teamchef zurückzukehren?

Becker: Nein, das würde ich nicht. Nur ist es nicht heute, morgen oder übermorgen ein Thema.

Sie waren Führungsspieler der Nationalmannschaft, sie waren selbst Teamchef. Wie ist eigentlich die Macht verteilt in diesem Davis Cup-Mikrokosmos?

Becker: Eins vorweg: Der Verband und der Teamchef müssen alles tun, um die Nummer 1 des Landes an den Start zu bringen. Deshalb war es, wenn wir von Deutschland reden, auch richtig, Philipp Kohlschreiber wieder zu nominieren. Ohne Kohlschreiber hat man keine Erfolgsperspektive, das muss man ganz pragmatisch sehen.

Das heißt: Der Teamchef spielt nur eine untergeordnete Rolle?

Becker: Nein, aber er muss sich zurücknehmen und die Bedürfnisse seines Spitzenspielers erkennen. Es ist nun einmal so, dass um die Nummer 1 das Team aufgebaut wird – und dass so ein Spieler auch Vertrauenspersonen um sich herum braucht.

Wie bewerten Sie die Rückkehr von Niki Pilic als Berater des Teams?

Becker: Ich freue mich, dass Niki die Zeit und die Muße hat, um Deutschland zu helfen. Es gibt keinen Trainer auf der Welt, der mehr Erfolge im Davis Cup vorzuweisen hat – und der mehr Erfahrung mitbringt.

Roger Federer hat den jährlichen Austragungsmodus kritisiert.

Becker: Er hat alles Recht der Welt, das zu sagen. Er ist die Legende schlechthin in unserem Sport, und er sollte auch gehört werden. Tatsächlich ist der Davis Cup in der jetzigen Form überholt, er passt speziell für die vielbeanspruchten Spitzenspieler nicht mehr in den Kalender hinein. Es muss ein Kompromiss gefunden werden, eine andere Frequenz für den Wettbewerb. Denn Davis Cup bis zum Ende durchzuspielen, das bedeutet, acht Wochen der Saison dafür zu opfern. Das ist eine Menge.

Und doch tritt Novak Djokovic wieder für Serbien an.

Becker: Der Trainer Becker sieht das nicht gern, das sage ich Ihnen ganz offen. Denn von so einer Davis-Cup-Partie musst du dich ja auch noch richtig erholen. Besonders, wenn du drei Tage am Stück spielst. Aber Serbien will in diesem Jahr unbedingt noch mal gewinnen mit dieser Mannschaft.

Interview: Jörg Allmeroth

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