Auslöser waren Äußerungen über Naomi Osaka

„Dein Ernst?“: Teresa Enke fassungslos nach Boris Beckers Aussagen über Depressionen

Der ehemalige Tennis-Star Boris Becker äußerte sich plump und unqualifiziert über Depressionen.
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Der ehemalige Tennis-Star Boris Becker äußerte sich plump und unqualifiziert über Depressionen.

Boris Becker äußerte sich abwertend über die Depressionen von Tennis-Star Naomi Osaka. Teresa Enke, Frau des verstorbenen Nationaltorwarts Robert Enke, zeigte sich entsetzt.

Hannover - Ende Juni gab Boris Becker der britischen Times ein Interview, in dem er bedenkliche Aussagen über die Depressionen von Tennis-Superstar Naomi Osaka tätigte. Daraufhin kritisierte ihn nun Teresa Enke, Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, scharf und kam dem 53-Jährigen sogar mit einem Angebot entgegen.

Depression: Boris Becker kritisiert Naomi Osaka und stellt einen fragwürdigen Vergleich auf

Kurz vor Beginn der French Open kündigte Osaka einen Medien-Boykott an, um auf die psychische Gesundheit der Athleten aufmerksam zu machen und sich zu schützen. Doch die Verantwortlichen des Turniers drohten der Japanerin mit den Ausschluss, woraufhin diese nicht mehr antrat. Stattdessen sprach die Weltranglistenzweite offen über ihre Probleme mit Depressionen. Seit ihrem US-Open-Triumph 2018 leidet die 23-Jährige immer wieder unter der seelischen Erkrankung.

Becker reagierte mit fraglichen Äußerungen im Times-Interview, in dem er Osaka sogar für ihre Entscheidung anging. „Ist das wirklich Druck, den sie hat? Ist es nicht eher Druck, wenn man kein Essen auf dem Teller hat, wenn man ohne Job eine Familie versorgen müsste? Die Tour ist nun mal nicht möglich ohne die Medien, man hat es nicht immer gerne - aber man muss sich damit einfach arrangieren und klarkommen“, meinte der sechsfache Grand-Slam-Sieger gegenüber dem Blatt.

Depression: Teresa Enke fassungslos über Becker-Aussagen - Ehefrau des verstorbenen Keepers bietet ihre Hilfe an

Teresa Enke reagierte mit scharfer Kritik auf die Behauptung des deutschen Tennis-Idols. „Lieber Boris Becker, Dein Ernst? Naomi Osaka ist nicht gesund! Depression ist keine Frage von Geld, Erfolg oder Luxus - Depression ist eine Krankheit, die leider jeden erwischen kann“, antwortete sie in einer Pressemitteilung auf die unsachliche Aussagen.

Becker verkenne zudem, „dass es unter andrem zum Krankheitsbild der Depression gehören kann, Ruhe und eben keinen Druck für die Genesung zu brauchen. Boris Becker würde wohl kaum einer Tennis-Spielerin vorwerfen, nicht Tennis zu spielen, wenn sich diese das Handgelenk gebrochen hat“, so Enke, die dem Olympiasieger sogar noch einen konstruktiven Vorschlag machte.

„Es ist ein Thema, das über eine leichtfertig getroffene Aussage hinaus geht. Melde Dich gerne bei uns, für Aufklärung stehen wir als Robert-Enke-Stiftung jederzeit zur Verfügung“, so das Nachhilfe-Angebot der 45-Jährigen an den heutigen TV-Experten.

Depression: Teresa Enke mit eindringlichem Appell - „Psychische Erkrankung kann jeden treffen“

Die Ehefrau des ehemaligen deutschen Nationaltorwarts Robert Enke, der sich im November 2009 selbst das Leben nahm, gründete 2010 die Stiftung, die sich für einen vorurteilsfreien Umgang mit Depressionen einsetzt. „Psychische Erkrankung kann jeden treffen, unabhängig von Lebensumständen. Wichtig ist es, dass Betroffene ernst genommen werden und die Erkrankung frühzeitig behandelt wird“, machte die Witwe noch einmal deutlich.

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de. (ajr)

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