Ex-Stabhochspringer

Nach dem Krebs: Tim Lobinger hat neue Pläne im Profifußball - doch die Klubs zögern

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Tim Lobinger, ehemaliger Stabhochspringer, ist schwer erkrankt.

Ex-Stabhochsprung-Star Tim Lobinger ist nach einer Leukämie-Erkrankung wieder gesund. Nun möchte er erneut im Profifußball arbeiten. Doch es gibt ein Problem.

Update vom 4. Februar 2019: Der ehemalige Stabhochspringer Tim Lobinger will zwei Jahre nach seiner Leukämie-Erkrankung wieder als Athletiktrainer im Profi-Fußball arbeiten. "Ich stelle jetzt die Weichen für eine ganz normale Zukunft - egal ob die nun zwei, fünf oder zehn Jahre dauert", sagte der 46 Jahre alte frühere Hallen-Weltmeister im Playboy-Interview. Lobinger litt seit 2017 an einer schweren Form von Blutkrebs.

"Ich bin gesund, und ich kann jungen wie älteren Spielern was vermitteln", sagte Lobinger: "Respekt haben die meisten Spieler vor mir allein durch die Tatsache, was ich schon durchgemacht habe." Vor seiner Erkrankung hatte Lobinger vier Jahre als Fitnesscoach beim heutigen Fußball-Bundesligisten RB Leipzig gearbeitet.

Trotz seiner Genesung und der Tatsache, dass er wieder voll im Berufsleben stehen möchte, spürt Lobinger aktuell ein Zögern der Klubs. Lobinger vermutet, dass das Risiko einer erneuten Krebs-Erkrankung ein Grund für den vorsichtigen Umgang von potenziellen Arbeitgebern mit ihm sein könnte.

In seinem Arbeitsbereich sieht Lobinger in der Bundesliga noch großes Steigerungspotenzial. "Es ist leider so: Fußball-Deutschland ist in der athletischen Betreuung ein Entwicklungsland", sagte er: "Zurzeit gibt es nur wenige Vereine, die systematisch und auf hohem Niveau Athletik trainieren - eigentlich sind das nur Leipzig, Hoffenheim und Dortmund."

Auch interessant: So emotional spricht Tim Lobinger bei Markus Lanz über seinen Krebs-Rückfall

Erstmeldung: Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger ist schwer erkrankt

Der frühere Weltklasse-Stabhochspringer Tim Lobinger kämpft gegen Leukämie. Der 44 Jahre einstige Leichtathletik-Star unterzieht sich derzeit in seiner Wahlheimat München einer Chemotherapie gegen die Blutkrebserkrankung. „Bisher reagiert Tim positiv auf die äußerst aggressive Behandlung, was ihn und die behandelnden Münchner Ärzte vorsichtig optimistisch stimmt. Dennoch wird der Heilungserfolg von vielen Faktoren abhängen“, heißt es in der Erklärung seines Managements vom Donnerstag an die Deutsche Presse-Agentur.

Tim Lobinger

Lobinger war 1997 der erste deutsche Stabartist, der im Freien die Sechs-Meter-Marke überwand. 2003 gewann er in Birmingham Gold bei den Hallen-Weltmeisterschaften. Über viele Jahre hinweg war der extrovertierte Athlet einer der prägenden Figuren seiner Sportart: Der einstige Teamsprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) galt auch als streitbarer Geist und legte sich schon mal mit den Funktionären an.

Auch für eine Show war das Vermarktungstalent zu seiner aktiven Zeit oft zu haben. Bei seinem Triumph beim Weltcup-Finale 2003 in Monaco zeigte er im Überschwang der Gefühle gar seinen nackten Hintern und wurde dafür mit einer Geldstrafe vom Weltverband IAAF belegt. Lobinger nahm's locker. „Ich habe so eine dicke Haut, ich vertrage so viel Kritik“, sagte er damals.

Lobinger arbeitete bei RB Leipzig

Nach seiner Karriere arbeitete er vier Jahre lang als Athletiktrainer bei den Fußballern von RB Leipzig. 2016 kehrte er aus privaten Gründen mit seiner Familie nach München zurück. Dort baut Lobinger derzeit ein funktionelles Trainingszentrum auf und hat sich als Athletiktrainer für Spitzensportler spezialisiert.

Ende des vergangenen Jahres meldete sich Lobinger noch voller Tatendrang. Einige Wochen später verschob der viermalige Olympia-Teilnehmer und 15-malige deutsche Meister ein Telefon-Interview, weil er mit Fieber im Bett lag. „Unmittelbar nach der Diagnose der Krankheit im März wurde die stationäre Behandlung eingeleitet, die mehrere Chemotherapien und eine kommende Stammzelltransplantation umfasst“, ließ Lobinger nun mitteilen. Zu weiteren Details will er sich nicht äußern. Genauso wenig möchte er, dass über seine Krankheit spekuliert wird. Deshalb machte er sie nun öffentlich.

2011: Ehrung mit dem Rudolf-Harbig-Preis

Bei Freiluft-Europameisterschaften hat Lobinger, der in Rheinbach geboren ist und unter anderem für Bayer Leverkusen, den ASV Köln und die Stadtwerke München startete, drei Medaillen gewonnen: Silber 1998 in Budapest und 2006 in Göteborg sowie Bronze 2002 in München. 1997 sprang er in Köln-Müngersdorf deutschen Rekord mit 6,00 Metern. Erst 2012 hatte der Olympia-Zweite Björn Otto diese Marke um einen Zentimeter übertroffen. Verwehrt blieb Lobinger eine Medaille bei Olympischen Spielen und Freiluft-Weltmeisterschaften.

2011 ehrte der DLV den Stabhochspringer bei den nationalen Titelkämpfe in Kassel mit dem Rudolf-Harbig-Preis. Seitdem trieb er seine berufliche Karriere weiter voran. Sein Kampfgeist und seine Physis als langjähriger Leistungssportler, das hofft Lobinger, wird ihm auch in der nun so schwierigen Situation helfen.

dpa/SID/fn

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