1. tz
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Tischtennis-Gott Boll als „Wundertüte“ - aber mit großem Ziel: Noch einmal die Zeit zurückdrehen

Erstellt:

Von: Nico-Marius Schmitz

Kommentare

Gelingt ihm noch mal ein großer Auftritt? Tischtennis-Legende Timo Boll. München wird sicherlich einer der letzten internationalen Auftritte meiner Karriere vor meinen heimischen Fans Timo Boll
Gelingt ihm noch mal ein großer Auftritt? Tischtennis-Legende Timo Boll. München wird sicherlich einer der letzten internationalen Auftritte meiner Karriere vor meinen heimischen Fans Timo Boll © dpa

Er hat im Tischtennis fast alles gewonnen. Der 41-jährige Titelverteidiger Timo Boll gilt bei der EM aber dennoch als Wundertüte.

München – Eigentlich müsste für Timo Boll der Hollywood-Klassiker „... und täglich grüßt das Murmeltier“ zu seinen Lieblingsfilmen gehören. Denn wie beim Ritual in der kultigen Meteorologen-Komödie geraten alle Jahre wieder für den deutschen Tischtennis-Star Teilnahmen an Großereignissen wegen mal mehr und mal weniger ernsten Verletzungen zur Zitterpartie. Vor seinem Einstieg in die Münchner EM gilt der Titelverteidiger durch Spätfolgen seines Rippenbruchs einmal mehr als „Wundertüte“.

Unter diesen Vorzeichen – Boll gab erst vergangenen Donnerstag nach einem Härtetest grünes Licht – wirkt die typische Zurückhaltung des 20-fachen (!) EM-Champions bei der Formulierung von Zielen wenig überraschend. „Formtechnisch“, sagte Boll vor seinem ersten Match am Mittwoch nach dem ersten Training in der EM-Halle, „formtechnisch bin ich nicht da, wo ich sein will. Ich hoffe aber, dass ich mich noch steigern kann.“

Nach 17 EM-Teilnahmen des Rekordtitelgewinners in 24 Jahren dürfen sich seine Rivalen von solchen Tönen eher gewarnt als beruhigt fühlen. Erst vor Jahresfrist verblüffte Boll die kontinentale Konkurrenz nach gerade auskurierter Nervenentzündung im Rücken mit einem Feuerwerk an Spielfreude und holte sich seinen achten Einzeltitel. Ende 2021 gewann der ehemalige Weltranglistenerste mit einem Bauchmuskelanriss sogar WM-Bronze.

Dennoch wirkt Bolls Understatement vor dem EM-Heimspiel glaubhafter als zu manch früherer Gelegenheit. Sein vielleicht härtester Gegner nämlich erscheint zunehmend schwieriger zu bezwingen: Mit 41 Jahren muss Boll immer öfter die Zeit zurückdrehen.

Boll, im deutschen EM-Team inzwischen formal nur noch die Nummer vier, spürt das natürlich. Weil der „Herr der Bälle“ allerdings niemandem mehr etwas beweisen muss, hat der Düsseldorfer auch weichere Faktoren als die harte Medaillen-Währung in den Fokus genommen.

Großveranstaltungen wie die EM an der Isar, meint der gebürtige Odenwälder, „gibt es in Deutschland nicht so viel. Das ist ein Grund mehr, warum ich es versuche.“ Weil über die Bewerbung des Deutschen Tischtennis-Bundes für die WM 2025 zudem erst im Winter entschieden wird, kalkuliert Boll für München auch schon seinen Abschied vom großen Publikum im eigenen Land ein: „München wird sicherlich einer der letzten internationalen Auftritte meiner Karriere vor meinen heimischen Fans.“

Zumindest für seinen langjähriger Widersacher und Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov (33) aber gehört Boll nicht zuletzt wegen des „Wundertüten-Effekts“ wieder mal zum Kreis der Goldanwärter: „Ich sehe ihn auf jeden Fall als einen der Favoriten. Durch seine vielen Erfolge bei dem Turnier hat er einfach viel mehr die Ruhe weg als alle anderen. Das ist einfach sein Turnier.“ NICO-MARIUS SCHMITZ

Auch interessant

Kommentare