Tod mit 26! Rätsel um Leichtathlet Herms

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Rene Herms ist im Alter von 26 Jahren gestorben.

Pirna - Im Nachhinein wirkt es wie eine düstere Prophezeiung. „Ein Leben wie im Schnelldurchlauf“ – das hat mal jemand über den deutschen Leichtathleten René Herms gesagt.

Da hat er noch gelebt.

Jetzt ist es vorbei. An diesem Samstag hat die Schwiegermutter in Renés Wohnung im sächsischen Lohmen vorbeigeschaut – und ihn tot vor seinem Computer gefunden. 26 Jahre ist er alt geworden. Was bleibt, sind tiefe Trauer, viele liebe Erinnerungen. Und viele unbeantwortete Fragen.

Rückblende. Es ist der 8. August 2004, wir sind im Münchner Olympiastadion. René ist gerade die 800 Meter gelaufen, in bärenstarken 1:44,14 Minuten. Er schnappt sich das Stadion-Mikrofon, wendet sich in Richtung Tribüne und sagt: „Schatz, ich liebe dich!“ Renés Schatz: Das ist Steffi, die er zwei Monate später heiraten wird. Steffi, die ihrem René immer die Zehennägel lackiert hat. Hell nach schnellen Läufen, dunkel nach langsamen. Steffi, die jetzt, am 10. Januar 2009, stutzig wurde, weil ihr René nicht ans Telefon ging und SMS nicht beantwortete. Sie arbeitet in Hannover, also über 300 Kilometer entfernt, konnte deshalb nicht gleich selber nach René sehen. Also rief sie ihre Mutter an – und die machte dann die schlimme Entdeckung.

Woran René gestorben ist, ist bisher nicht bekannt. Bernd Kopke von der Polizei sagt lediglich: „Es weist nichts auf Fremdverschulden, Suizid oder ein Verbrechen hin.“ Die Leiche wird nun möglicherweise obduziert.

Bernhard Bröger von Herms’ Verein LG Braunschweig vermutet, das Herz des Läufers könnte angegriffen gewesen sein. Denn: „Er hatte vor gut einer Woche einen grippalen Infekt. Und der Zusammenhang zwischen grippalem Infekt und Herzmuskelentzündung ist ja doch gegenwärtig…“

Herms soll in der vergangenen Woche noch ein bisschen verschnupft gewesen sein und Probleme mit dem Weisheitszahn gehabt haben – er trainierte aber schon wieder. Renés Lebensmotto, so hat er es immer selber gesagt, war: No risk, no fun. Auf Deutsch: Kein Risiko, kein Spaß. Jetzt finden sich unter den Beileidsbekundungen auf Herms’ Internet-Seite folgende Zeilen: „Vielleicht ist dir das Motto zum Verhängnis geworden. Naja, du hast deine Träume versucht zu leben und sie unbedingt zu erreichen. Vielleicht hast du zu viel dabei in Kauf genommen.“

Herms’ Ex-Trainer Klaus Müller sieht das ganz anders. Er sagt der tz: „Es ist mysteriös. René ist immer sehr vorsichtig mit seinem Körper umgegangen. Jetzt von einer Herzmuskelentzündung zu sprechen, finde ich unverantwortlich. Man muss doch erst die Ergebnisse der Obduktion abwarten – bis dahin ist alles Spekulation.“

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Rätsel um Herms-Tod

Herms war jahrelang der beste deutsche Mittelstreckenläufer. Seine 1:44,14 aus München sind immer noch die fünftbeste Zeit, die je ein Deutscher erzielt hat. Ein paar Wochen nach diesem Lauf stand Herms im olympischen Halbfinale von Athen. Er flog raus, er war enttäuscht, aber nichtsdestotrotz hatte er es auf die ganz große Bühne geschafft. Dabei hatte Herms erst im Alter von 15 mit der Leichtathletik angefangen – davor war er Handballer gewesen. René wollte auch 2009 wieder Vollgas geben – getreu seiner Zielsetzung: „Alles aus mir herauszuholen und meine Träume ohne Doping zu verwirklichen. Ich möchte später einmal sagen können, dass ich aus meinem Leben was gemacht habe, ohne dabei etwas zu bereuen.“

Quelle: tz

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