Doping? Sterblichkeitsrate dreimal so hoch

Todesfalle Radsport! - Frederiek Nolf starb mit 21 Jahren im Schlaf

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Nolf begann mit 12 Jahren mit dem Radsport. Er bestritt seine zweite Profisaison

Doha - Der Radsport wird vom nächsten Todesfall erschüttert – diesmal bei der Katar-Rundfahrt.

Der Belgier Frederiek Nolf vom Team Topsport Vlanderen starb in der Nacht zum Donnerstag fünf Tage vor seinem 22. Geburtstag im Schlaf im Hotel in Doha. Sein Zimmerpartner Kristof Goddaert fand Nolf morgens in seiner normalen Schlafposition auf dem Rücken: „Seine Hand war kalt, er hatte keinen Puls.“ Die Todesursache soll durch eine Obduktion geklärt werden. „Er war mit uns noch am Mittwochabend essen und ist dann gegen 22 Uhr auf sein Zimmer gegangen. Er hat noch Witze gemacht und gelacht“, sagte Nolfs sportlicher Leiter Jean-Pierre Heynderickx unter Tränen. Auch für ihn ist Nolfs Tod ein Rätsel: „Unsere Fahrer werden viermal im Jahr an der Universität medizinisch untersucht.“ Das Team stieg aus der Katar-Rundfahrt aus. Rundfahrt-Direktor Eddy Merckx, der auch Topsport Vlanderen sponsert, sagte: „Der Radsport trägt Trauer.“

Nolfs Tod ist kein Einzelfall im Radsport. 1999 veröffentlichte das französische Magazin Nouvel Observateur eine Studie über 2363 Teilnehmer der Tour de France. Verglichen mit der Normalbevölkerung war die Sterblichkeitsrate fast dreimal so hoch, bei den Radprofis von 25 bis 34 Jahren fast fünfmal so hoch. Die häufigste Todesursache ist Krebs, gefolgt von Herz-Kreislauf-Versagen – oft eine Folge von Doping. Todesfalle Radsport!

1967 erschüttert der Fall Tom Simpson die Radwelt: Der Brite kollabiert bei der Tour auf dem Anstieg zum Mont Ventoux, steigt wieder aufs Rad, erleidet einen Herzstillstand und stirbt am Streckenrand. Ein Drogencocktail aus Amphetaminen und Alkohol hatte den damals 29-Jährigen getötet.

Hans Michalsky, 1972 und 1976 Olympia-Teilnehmer mit der Bahn-Nationalmannschaft, sagte in derFAZ: „Ich kenne etliche Sportler, die entweder durchgedreht, rauschgiftsüchtig oder alkoholsüchtig sind. Darin bestand schon damals das große Problem im Zusammenhang mit Doping.“

1988 kam Epo auf den Markt. Das Hormon für Nierenkranke wurde als Radfahrerdroge entdeckt, der unsachgemäße Umgang führte zu Thrombosen und einer Reihe von Opfern. Zwischen Anfang 2003 und Mitte 2004 gab es zehn rätselhafte Todesfälle (Durchschnittsalter: 28 Jahre).

Am 10. Januar 2003 erleidet der Italiener Denis Zanette im Alter von 32 Jahren beim Zahnarzt einen Herzinfarkt und stirbt – offiziell an den Folgen einer angeborenen Herzkrankheit. Er stand 2001 mit vier seiner Kollegen des Liquigas-Teams unter Dopingverdacht und wurde immer wieder mit Koffein-Präparaten, die das Herz schädigen können, in Verbindung gebracht.

Am 3. Juni 2003 wird der Franzose Fabrice Salanso vor dem Start der Deutschland-Tour tot neben seinem Bett gefunden. Er wurde nur 23 Jahre alt, bei der Obduktion wurde kein Hinweis auf Doping gefunden.

Am 6. Dezember 2003 verstirbt Jose Maria Jimenez in einer psychiatrischen Klinik in Madrid im Alter von 32 Jahren an Herzversagen. Er soll Alkohol- und Drogenprobleme gehabt haben – verursacht durch Doping?

Am 15. Juni 2005 bricht Alessio Galletti im Alter von 37 Jahren bei einem Rennen in Spanien tot zusammen. Der Italiener war mit Doping in Verbindung gebracht worden.

Das Tragische ist, dass die intensivierten Doping-Kontrollen die Gefahr erhöhen. Laut des Schweizer Ex-Profis Rolf Järmann war die Tour ’98 (Festina-Skandal) eine Zäsur: „Vorher wurde relativ offen über Doping gesprochen, und die Mediziner waren involviert“, sagte der 43-Jährige der FAZ. „Heute haben viele Angst vor Eingriffen der Justiz, und Doping wird oft jedem selbst überlassen.“

bb

Quelle: tz

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