Greipel flirtet mit Grün

Tour 2012: Martin hofft auf Tage in Gelb

+
Tony Martin hofft auf das Gelbe Trikot bei der Tour

Lüttich - Ein Mann für die Zeitfahren, zwei Top-Sprinter für Etappensiege und ein Geheimtipp für das Klassement. Die deutschen Radprofis könnten bei der 99. Tour de France eine prägende Rolle spielen.

Kampf um Gelb und Grün, Hoffnung auf Etappensiege: Bei der 99. Tour de France gehen die deutschen Radprofis mit ehrgeizigen Zielen in das wichtigste Radrennen der Welt. Erfolge im Zeitfahren, bei den Sprintankünften und vielleicht sogar das Trikot des Gesamtführenden könnten der Tour 2012 eine deutsche Prägung verleihen. Für den ersten Coup soll dabei Zeitfahrweltmeister Tony Martin beim Prolog in Lüttich sorgen.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

1989: Greg LeMond (USA, auf dem ersten Platz stehend) © Getty Images
1990: Greg LeMond (USA) © Getty Images
1991: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1992: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1993: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1994: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1995: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1996: Bjarne Riis (Dänemark) Riis gab später zu, gedopt zu haben . Die Disqualifikation ist nicht möglich, da die Verwendung von Doping nach acht Jahren verjährt. Die Organisatoren der Tour de France hatte Riis zunächst aus ihrer Siegerliste gestrichen. Mittlerweile wird er dort wieder geführt. © Getty Images
1997: Jan Ullrich (Deutschland) © Getty Images
1998: Marco Pantani (Italien) © Getty Images
1999: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2000: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2001: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2002: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2003: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2004: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2005: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2006: Floyd Landis (USA). Landis wurde aber am 21. September 2007 der Titel aberkannt. Er war positiv auf Testosteron getestet worden. © Getty Images
Dafür wurde Oscar Pereiro nachträglich zum Gewinner der Tour de France 2006 erklärt. © Getty Images
2007: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2008: Carlos Sastre (Spanien) © Getty Images
2009: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2010: Alberto Contador (Spanien) © dpa
2011: Cadel Evans (Australien) © ap
2012: Bradley Wiggins (Großbritannien) © ap

„Ich werde sicherlich ein gutes Rennen hinlegen und kann, wenn alles passt, auch um die vorderen Plätze mitfahren“, sagte Martin, versuchte die hohen Erwartungen aber etwas zu dämpfen: „Die großen Favoriten werden sicherlich Bradley Wiggins und Fabian Cancellara sein.“ Zu kurz sei der 6,4 Kilometer lange Kurs durch Lüttich, als dass er seine Stärken voll ausspielen könnte. Tatsächlich fehlt dem 27-Jährigen auf den ersten Kilometern eines Zeitfahrens häufig die Spritzigkeit, um seine ganze Kraft auf den Asphalt zu bringen. Martin liegen rhythmische Strecken mit langen Geraden und über größere Distanzen. Dort gibt es weltweit kaum jemanden, der ihn an einem guten Tag schlagen kann.

Auf einen solchen hofft Martin auch für das Einzelzeitfahren auf der neunten Etappe nach Besancon. „Dafür rechne ich mir einiges aus“, sagte Martin. Geht die Gleichung auf, könnte der gebürtige Cottbuser dort sogar das Gelbe Trikot übernehmen und sich damit einen Kindheitstraum erfüllen. Die erste Tour-Woche mit vielen Flachetappen macht allzu große Zeitabstände im Peloton unwahrscheinlich, Martin dürfte in seiner Spezialdisziplin geringere Rückstände mühelos aufholen. „Unglaublich gerne“, so Martin, würde er das „maillot jaune“ überstreifen.

Allzu viel Arbeit in die Verteidigung des begehrten Jerseys dürfte der Wahl-Schweizer allerdings nicht legen. Martin will sich bei der Tour nicht schon vor dem Zeitfahren bei den Olympischen Spielen in London verausgaben.

Jan Ullrich riet Martin dennoch, nicht alles dem Großereignis in der britischen Hauptstadt unterzuordnen. „Wenn die Chance auf das Podium bei der Tour da ist, sollte Tony sie nutzen. Und er ist ja kein schmächtiger Kerl, er hat genug Substanz, um mit guter Form aus der Tour zu kommen und in London zum Olympiasieg fahren zu können. Ich würde ihm raten, mit Vollgas zu fahren - und auf eigene Rechnung, statt sich immer gutmütig für andere ins Zeug zu legen“, kommentierte der Tour-Sieger von 1997 bei eurosport.yahoo.de.

Vollgas geben werden auf jeden Fall auch die beiden deutschen Top-Sprinter Andre Greipel aus Rostock (Lotto-Belisol) und der Arnstädter Debütant Marcel Kittel (Argos-Shimano). Das Selbstbewusstsein nach einer bislang starken Saison ist besonders bei Greipel entsprechend groß. „Ich werde eine Etappe gewinnen“, sagt der 29-Jährige, der bei seiner Tour-Premiere im vergangenen Jahr gleich seinen ersten Tageserfolg feierte.

Auch Kittel, mit 24 Jahren Kapitän seines Teams, hat gute Aussichten, das Siegkonto der deutschen Profis zu füllen. Zuletzt hatte er die versammelte Sprint-Elite bei der Mehretappenfahrt Ster Elektrotoer zweimal besiegt.

Für eine Überraschung im Gesamtklassement sorgen könnte Rundfahrspezialist Andreas Klöden. Nach dem verletzungsbedingten Tour-Aus von Mitfavorit Andy Schleck (Luxemburg) ist der 37-Jährige beim kriselnden Rennstall RadioShack-Nissan einer der Kandidaten auf die Kapitänsrolle. Auch, weil sich der Vorjahresdritte Frank Schleck nicht in Bestform sieht und die Führungsposition ablehnte. Es dürfte zudem wohl Klödens letzte Chance sein, bei der Tour eigene Ziele zu verfolgen. „Die Form ist sehr gut, er hat top gearbeitet - das habe ich gesehen. Ich weiß, Andreas kann auf jeden Fall eine super Tour fahren“, sagte Ullrich.

Der 38 Jahre alte Danilo Hondo (Lampre-ISD/Guben) will derweil als Anfahrer für den gleichaltrigen Italiener Alessandro Petacchi mithelfen, dass den beiden Oldies der Sprinterszene noch einmal ein Coup glückt. Marcus Burghardt (Zschopau), der am Samstag 29 Jahre alt wird, steht beim Team BMC Racing dem Australier Cadel Evans bei dessen Titelverteidigung zur Seite. Ähnlich ergeht es Christian Knees (Bonn), der bei Sky dem Briten Bradley Wiggins zum Tour-Sieg verhelfen will.

sid

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Fußball-EM daheim: München erhält nächsten Zuschlag für Mega-Sportevent - „Riesenfreude“
Nach Fußball-EM daheim: München erhält nächsten Zuschlag für Mega-Sportevent - „Riesenfreude“
Radsport-Legende ist tot: Frankreichs Präsident Macron mit emotionalem Abschied
Radsport-Legende ist tot: Frankreichs Präsident Macron mit emotionalem Abschied
Michael Schumacher: Tochter zollt Papa Schumi mit besonderer Aktion Tribut
Michael Schumacher: Tochter zollt Papa Schumi mit besonderer Aktion Tribut
Federer wirft Djokovic raus - Zverev unter Druck
Federer wirft Djokovic raus - Zverev unter Druck

Kommentare