Spitzensport

Triathlon-Chef sieht „negative Einstellung zur Leistung“

Tokio 2020
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Die deutschen Athletinnen und Athleten kamen mit der schwächsten Medaillenausbeute seit der Wiedervereinigung aus Tokio zurück.

Für Triathlon-Präsident Martin Engelhardt ist es um die gesellschaftliche Anerkennung für den Leistungssport extrem schlecht bestellt.

Berlin - Mit der schwächsten Medaillenausbeute seit der Wiedervereinigung waren die deutschen Athletinnen und Athleten von den Olympischen Spielen von Tokio zurückgekehrt. Engelhardt sieht als Grund für den Leistungsabfall unter anderem die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung und Bedeutung des Leistungssports.

Zu seiner Zeit sei seine Schule stolz auf seine Leistungen gewesen, wenn er einen Titel errungen habe und er habe dafür einen Tag frei bekommen, berichtete der 61-Jährige. „Heutzutage bekommen Leistungssportler Hindernisse in den Weg gelegt, in vielen Schulen“, sagte der Sportmediziner. Kontinuierlich werde der Schulsport in Deutschland abgeschafft, kritisierte er in einem Interview des Deutschlandfunks.

Die Probleme hätten sich durch die Corona-Pandemie noch einmal verschärft. „Es ist ein Skandal, dass über 40 Prozent der Kinder in Deutschland unter zehn Jahren nicht mehr richtig schwimmen können“, sagte Engelhardt. Außerdem habe der Sport in der Bevölkerung durch Doping und Missbrauch ein negatives Image. „Viele Teile der Bevölkerung denken, dass die Kinder da zur Leistung gequält werden“, sagte Engelhardt. „Es besteht insgesamt eine negative Einstellung zur Leistung.“

Dadurch habe man immer weniger Kinder, die man in den Sportarten zum Sport treiben bringen könnte und darüber hinaus würden auch qualifizierte Trainer fehlen, die die Kinder anleiten würden. Engelhardt wird auch als Nachfolger für das Amt von DOSB-Präsident Alfons Hörmann gehandelt. Sollte er breite Unterstützung haben, werde er sich zur Wahl stellen, sagte er. dpa

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