Rechte-Inhaber will neue Medien stärken

TV-Alarm in der Formel 1: Bosse lassen RTL zappeln

Toto Wolff AUT Mercedes AMG F1 Director of Motorsport Sean Bratches USA Formula One Managing Di
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Toto Wolff AUT Mercedes AMG F1 Director of Motorsport Sean Bratches USA Formula One Managing Di

Der RTL-Vertrag mit der Formel 1 läuft dieses Jahr aus. Wird mit RTL verlängert? Oder kommt ein anderer Sender? Gibt es überhaupt noch alle Rennen im Free TV? Ein Gespräch mit dem Rechte-Inhaber.

Man kann die Anspannung spüren. Es gibt RTL-Mitarbeiter, welche die Angst, ihren Job zu verlieren, offen zur Schau stellen. Es ist ja auch kein Wunder. Ein schönes Leben hatten sie jahrelang, die besten Hotels, auf Du und Du mit den Superstars. Sie sonnten sich im Schatten der Großen und wurden so selbst populär. Manche haben eigene Autogrammkarten, manche bekamen Aufträge von Mercedes, Partyabende bei der DTM zu moderieren. Mit entsprechendem Honorar. Der Mensch gewöhnt sich schnell an den Luxus, und deshalb ist die Anspannung im Dschungelcamp-Sender nachvollziehbar. Der RTL-Vertrag mit der Formel 1 läuft dieses Jahr aus. Wird mit RTL verlängert? Oder kommt ein anderer Sender? Gibt es überhaupt noch alle Rennen im Free TV? Viele Fragen, viele Gründe, mal ein Gespräch mit dem Mann zu führen, der bei Rechte-Inhaber Liberty verantwortlich dafür ist.

„Wir haben eine fantastische Partnerschaft mit RTL und Sky“

Sean Bratches, US-Amerikaner, der 1960 in Berlin geboren wurde, sagt mir: „Wir haben derzeit eine fantastische Partnerschaft mit RTL und Sky – und das schon seit einer langen Zeit. Die Zahlen steigen. Fakt ist auch: Wir werden das TV-Erlebnis verbessern hinsichtlich Kameraführung, Grafik und Second-Screen-Angeboten. Die Kameras fokussieren sich mehr aufs Racing, wir gehen dichter ran. Wir haben mittlerweile bei jedem Rennen 25 Spotter um die Strecke verteilt, die in ständigem Kontakt mit unserem Übertragungscenter stehen und auf Duelle oder bevorstehende Action hinweisen. Im nächsten Jahr wird man die Veränderungen noch stärker auch am TV wahrnehmen können.“

„Auch im Free-TV?“, frage ich, und Bratches setzt wieder sein Hollywood-Lächeln auf: „Ich kann soviel sagen: Free-TV ist eine wichtige Komponente unserer Vergangenheit. Zu unseren Entscheidungen gehört auch, eine komplett neue digitale Plattform aufzubauen. Über der Formel 1 schwebt eine mächtige Wolke voller Inhalte und Daten. Wir brauchen aber das richtige Interface, um diese Daten so zur Verfügung zu stellen, dass sie leicht konsumierbar sind. Ich freue mich schon auf die Herausforderung, den Content und die Daten zwischen Free-on-air und bezahlbaren Inhalten aufzuteilen, auf die man zum Beispiel für zehn Euro im Monat zugreifen kann.“

Wo geht die Zukunft der TV-Rechte hin?

Dabei müssten aber die Piloten mitziehen, auch Social-Media-Muffel wie Sebastian Vettel, sagt Bratches: „Alle Fahrer haben erkannt, dass wir ihnen die Chance bieten, auch ihre eigene Marke zu stärken. Einige sind etwas aktiver in den sozialen Medien als andere. Lewis Hamilton ist besonders professionell und effektiv. Aber wir lieben all unsere 20 Fahrer.“

Wo in Zukunft die TV-Rechte hingehen, lässt Bratches freilich immer noch in den Sternen stehen. RTL hat gute Chancen. Aber sicher kann sich keiner sein.

Ralf Bach

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