tz-Experten-Kolumne von Frank Buschmann

"Ich befürchte eine Sportmonokultur"

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Frank Buschmann.

München - In seiner tz-Experten-Kolumne schreibt Frank Buschmann, Sat1-­Fieldreporter in Prag, über die enttäuschenden Einschaltquoten beim Fed-Cup-Finale.

Einschaltquoten können frustrierend sein. Das Fed-Cup-Finale am Sonntag in Sat1 hatte nur 850 000 Zuschauern und 5,5 Prozent in der Zielgruppe. Klar, die Vorlage durch das 0:2 vom Samstag war schlecht, aber alle schreien immer, man solle neben Fußball andere Sportarten übertragen. Und wenn sich ein Vollprogramm wie Sat1 traut, schauen es nur sehr wenige. Ich will niemanden zwingen, Tennis zu schauen, aber es ist bitter, dass ein Fußballzweitliga-Spiel am Montagabend bessere Quoten hat als ein Fed-Cup-Finale. Zumal der Sportfan großes Tennis zu sehen bekommen hat. Das Spiel von Angelique Kerber gegen Petra Kvitova war ein Drama mit vielen Emotionen. Mir geht es nicht darum, den Fußball schlechtzumachen, ich bin selbst Fußballfan, und letztendlich entscheidet der Zuschauer, was er sich ansieht. Aber ich befürchte, wir sind auf dem Weg in eine Sportmonokultur. Schließlich ist es kein tennispezifisches Problem. Die Volleyballer haben 2014 nach 44 Jahren wieder eine WM-Medaille geholt, und es war nirgends im TV zu sehen. Früher haben Übertragungen der deutschen Basketballnationalmannschaft Quoten von bis zu zweieinhalb Millionen erreicht, ich glaube kaum, dass das heute noch möglich ist. Sat1 kann man nichts vorwerfen, mit Kommentator Matthias Stach, Experte Nicolas Kiefer und den vielen Vor- und Nachberichten hatten sie in Prag ein gutes Programm geschnürrt. Jetzt müssen die Verantwortlichen die Quoten nach oben rechtfertigen, für den übertragenden Sender hat die Thematik auch immer eine wirtschaftliche Seite. Das ist übrigens nicht nur im Sport so. Unterhaltungssendungen werden, wenn sie nicht funktionieren, nach der ersten Ausstrahlung abgesetzt. Wollen wir hoffen, dass wir auch kommendes Jahr den Fed Cup sehen können. Immerhin hat Barbara Rittner versprochen, das „Scheißding“ noch zu holen.

Von Frank Buschmann, Sat1-­Fieldreporter in Prag

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