Komplikationen bei Bluttransfusion 2006 / Auch Klöden dabei?

T-Mobile-Profi Sinkewitz fast totgedopt

+
Wie sehr war er Täter – und wie sehr Opfer? Radfahrer Patrik Sinkewitz

Es klumpt. Das Blut aus dem Beutel fließt nicht so richtig in die Adern. Der Arzt stöpselt ab, schließt einen anderen Blutbeutel an. Es läuft wieder zäh. Der Tod klopft an die Tür.

Der Arzt: Das ist Andreas Schmid. Und derjenige, der die Nadel in der Ader hatte, ist Patrik Sinkewitz. Der Rad-Profi. Die Sache mit dem klumpenden Blut soll in einem Papier stehen, das schlimmer ist als jeder Horrorfilm. Denn: Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist wirklich passiert. Die Rede ist vom Abschlussbericht der Untersuchungskommission der Freiburger Uniklinik. Der Spiegel berichtet, das Dokument liege seit dem 16. April vor. Dass es bisher noch nicht veröffentlicht wurde, liege an offenen rechtlichen Fragen.

Der Inhalt: purer Sprengstoff. Angeblich belegt der Bericht, dass im deutschen Radrennstall Telekom (später T-Mobile) von 1995 bis mindestens 2006 systematisch gedopt wurde. Durch Schmid – und durch seinen Kollegen Lothar Heinrich. Beide arbeiteten als Mediziner für die Uniklinik Freiburg. Der Bericht ist über 60 Seiten stark. Er ist das Ergebnis von zweijährigen Untersuchungen und 77 Zeugenbefragungen. Zur Untersuchungskommission gehörten der Dopingforscher Wilhelm Schänzer, der Pharmakologe Ulrich Schwabe und der Jurist Hans-Joachim Schäfer.

Und das sind laut Spiegel die schlimmen Enthüllungen:

- Doping auch im neuen Jahrtausend: Heinrich und Schmid haben zwar schon zugegeben, dass sie Radsportlern Dopingmittel verabreicht haben – allerdings nur für den Zeitraum bis 1999, für den sie jetzt nicht mehr bestraft werden können. Der Abschlussbericht zeigt laut Spiegel aber, dass es im neuen Jahrtausend mit dem Doping bei T-Mobile ungebremst weiterging – auch nach der Suspendierung Jan Ullrichs. Konkret wird zum Beispiel der 2. Juli 2006 genannt. Sinkewitz soll an diesem Tag nach Freiburg gefahren sein, um sich dort mit Eigenblut dopen zu lassen. Am Steuer des Autos saß angeblich seine Freundin.

- Doping auch bei Andreas Klöden und Matthias Kessler: Der Spiegel schreibt: „Die Kommission geht davon aus, dass an diesem 2. Juli nicht nur der geständige Sinkewitz, sondern auch Kessler und Klöden mit Eigenblut gedopt haben.“ Die beiden wollten sich zu dem Vorwurf nicht äußern. Klöden hat Doping bisher immer bestritten, Kessler ist aktuell wegen Dopings gesperrt.

- Der Tod fuhr mit: Die Sache mit dem klumpenden Blut war – wenn sie wirklich so passiert ist – richtig gefährlich. Lebensgefährlich. Der bayerische Dopingjäger Prof. Fritz Sörgel sagt der tz: „Es hätte zu einer Thrombose kommen können, zu einem septischen Schock, zu einer Lungenembolie, zum Gehirnschlag oder zum Herzinfarkt.“ Besonders schlimm: Schmid soll Sinkewitz ohne Warnungen wieder zur Tour de France geschickt haben – was die Kommission als „besonders verantwortungslos“ wertet! Die Frage: Wusste Sinkewitz überhaupt, was da mit ihm passiert? Sörgel sagt ganz grundlegend: „Die Naivität unter Spitzensportlern ist enorm, wenn sie die Möglichkeit von Erfolg, Ruhm und Geld sehen…“

- Das System: Die Sportler sollen den Doping-Nachschub teilweise selbst per SMS bestellt haben. Dabei gab’s Code-Wörter – zum Beispiel „Luft“ für den Blut-Turbo Epo. Hauptlieferant der Substanzen war angeblich eine Apotheke im Schwarzwald-Städtchen Elzach. Um das Doping-System zu verfeinern, wurde offenbar auch Sponsor-Geld der Telekom eingesetzt. Tarnung dafür: der „Arbeitskreis dopingfreier Sport“.

Auch interessant

Meistgelesen

Gesa Krause mit Bikini-Bildern - Das begeistert Fans
Gesa Krause mit Bikini-Bildern - Das begeistert Fans
Box-Tragödie: Kämpfer stirbt nach K.o. - Gegner mit emotionalem Statement
Box-Tragödie: Kämpfer stirbt nach K.o. - Gegner mit emotionalem Statement
Nach Ironman-Sieg: Jan Frodeno schimpft über Kollegen - „War schon immer ein ...“
Nach Ironman-Sieg: Jan Frodeno schimpft über Kollegen - „War schon immer ein ...“
Tennis-Eklat: Coach lästert über Julia Görges ab - wie ein Mann „mit großen ...“
Tennis-Eklat: Coach lästert über Julia Görges ab - wie ein Mann „mit großen ...“

Kommentare