TV-Kritik: Johnny Cash trifft Magdaleuna Nena

München - Breaking News aus Kanada: Das ZDF hat keinen Bock auf Olympia! Was sich bei den depressiven Moderationen von Kummer-Kati Müller-Hohenstein bereits andeutete, ist nun offiziell.
Folgendes: Wie uns jemand verraten hat, hatte das Zweite die Rechte, den letzten Olympiasamstag am 27. Februar mit zahllosen Highlights (Felix! Neureuther! Männerslalom! Viererbob!) zu übertragen – winkte aber dankend ab und zeigt lieber „Wetten, dass..?“. Folge: ARD begeistert, ZDF-Sportredaktion geschlossen stinksauer.So viel zur Sportbegeisterung des Zweiten. Und nicht nur deswegen erklären wir das Erste jetzt schon zum Sieger des Olympia-TV-Duells. Denn während das ZDF-Olympia zum Weinen ist, gibt’s in der ARD einigen Grund zum Lachen. Freiwillig und unfreiwillig.
Olympia skurril: Rückblick auf Peking
Freiwillig komisch: Ist Markus Wasmeier, der Pisten-Beckenbauer. Er war am Donnerstag kurz nach Mitternacht am Streckenrand mit Kati Witt und Franzi van Almsick zu sehen. Köstliche Szenerie: Franzi sah mit Monsterbrille aus wie eine Kreuzung aus Puck der Fliege, der frühen Sophia Loren und Victoria Beckham. Kati trug ein puscheliges Etwas auf dem Kopf, das verdächtig an ein totes (hoffentlich!) Tier erinnerte. Unsere Herzdame Stefanie jubilierte umgehend: „Das ist der tote ZDF-Biber, die Witt hat ihn blondiert!“ Jedenfalls fühlte Puschel-Kati mit, als Maria verlor und Lindsey gewann: „Die eine weint, die andere freut sich.“ Extrem lässiger Kommentar vom Wasi übers Frauenskifahren: „Alle weinen immer. Weil’s guat gfahrn san – oder weil’s schlecht gfahrn san.“ Wasi ist eh leiwand, auch wenn er seinen O-Ton-Süd-Klartext in ein exotisches fremdsprachiges Mikro des ostdeutschen MDR sprechen muss.
Absichtlich komisch: War bei der Frauenabfahrt SWR-Filmemacher Jürgen Schmidt, der mit einem köstlichen Beitrag über den „Patienten Abfahrtsstrecke“ das bisher lustigste TV-Stück von Vancouver 2010 lieferte. Er ließ Krankenschwestern Riesenspritzen in den Hang jagen und „Dr. Snow“ Kachelmann zur Visite antreten. Wunderbar blöd! Hübsch lakonisch auch Kommentator Bernd Schmelzer, der über die hingefallene Französin am Abfahrtsstart meinte: „Wie ein Pferd vor dem Wassergraben verweigert.“ Beim Sturz von Anja Pärson litt BR-Schmelzer hörbar mit („Anja, was tust du uns hier an?“). Muss man sagen: Im Gegensatz zum ZDF überträgt das Erste Ski alpin mit viel Herzblut – prima!
Unfreiwillig komisch: Nach wie vor Michael Antwerpes, der Mann in Schwarz, der Man in black, der Johnny Trash des Wintersports. Heia, was schwätzt er für Unfug! Über „Magdaleuna Nena“, wie er sie bezeichnete: „Früher fieberte man mit dem Deutschland-Achter, jetzt gibt es Deutschland-Neuner!“ Zu Natalie Geisenberger: „Wenn Sie Nät mit Spitznamen heißen – ist Tatjana Hüfner dann die Tät?“ Krönung: Nach den schlimmen Abfahrtsstürzen jubilierte der Anti-Moderator quietschvergnügt: „Was für ein fantastischer Olympiatag bisher! Was für ein spektakuläres Abfahrtsrennen auf einer Hammerstrecke!“ Frei nach Rainhard Fendrich: „Liegt ein Körper regungslos im Schnee, schmeckt erst so richtig der Kaffee.“ Man fragt sich zwar, ob die ARD unter ihren 20 000 Mitarbeitern keinen besseren fürs Olympia-Abendprogramm hat (und warum sich Delling im Vormittagsprogramm verschanzt, muss er ausschlafen?) – aber immer noch lieber ein durchgeknallter Antwerpes als Kati Müller-Lustlos.
Jörg Heinrich