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Box-Legende Walujew bekommt Post vom russischen Militär: „Wenn Vaterland ruft, gehe ich“

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Von: Marcus Giebel

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Nikolai Walujew war einst Box-Weltmeister. Muss er sich bald an der Front im Ukraine-Krieg beweisen? Der heutige Politiker von Wladimir Putins Partei Einiges Russland wäre dazu bereit.

München - Seine Box-Kämpfe waren nicht immer spektakulär, aber beeindruckend. Wenn sich Nikolai Walujew seine Gegner im Ring zurechtlegte, war das schon ein Ereignis. Allein angesichts seiner Statur von 2,13 Metern und dem Kampfgewicht, das zeitweise bei rund 150 Kilogramm gelegen haben soll. Der Kampfname „The Russian Giant“ war da vorprogrammiert.

Lediglich zum Ende seiner Karriere musste sich der einstige WBA-Weltmeister im Schwergewicht zweimal geschlagen geben. Der wie Walujew für einen deutschen Boxstall kämpfende Usbeke Ruslan Chagayev und in seinem allerletzten Kampf der Brite David Haye zeigten ihm dann doch die Grenzen auf - vor allem, weil sie flinker auf den Beinen waren. Dennoch: Der russische Riese hat über all die Jahre bewiesen, dass er sein Handwerk versteht und seine Fäuste einzusetzen weiß.

Kämpft Walujew im Ukraine-Krieg? Ex-Box-Champion bekommt Post vom Militär

Demnächst wird er womöglich wieder kämpfen müssen. Allerdings dann mit Waffe in der Hand. Und nicht in einem Ring vor einem Millionenpublikum, sondern mitten im Kriegsgebiet. Wo Überleben das einzige Ziel ist. Wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet, bekam der 49-Jährige noch vor Anordnung der Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg Post vom Militär. Er solle sich bei der Einberufungsstelle melden.

Walujew vertritt seit Dezember 2011 die Regierungs-Partei Einiges Russland von Wladimir Putin in der Duma. Im Februar stimmte er für die Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk - es war der Auftakt der Invasion, die seit mehr als einem halben Jahr Tod und Zerstörung über die Ukraine bringt.

Nikolai Walujew steht mit Handy in der Hand in einer Menschentraube
Ragt immer heraus: Nikolai Walujew sitzt seit mehr als zehn Jahren für Wladimir Putins Partei Einiges Russland in der Duma. © IMAGO / ITAR-TASS

Russisches Militär meldet sich bei Walujew: „Wenn das Vaterland ruft, werde ich gehen“

Laut dem Schreiben, das Walujew auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichte, hätte er bereits am 15. September zum Militärdienst in St. Petersburg erscheinen sollen. Also knapp eine Woche, bevor der Kreml-Chef die Teilmobilmachung öffentlich ausrief. Der Termin soll mit Änderungen in seinen Registrierungsdokumenten zu tun haben. Ob es dann weiter in die von Russland besetzten Gebiete im Süden und Osten der Ukraine geht?

Walujew scheint einem Fronteinsatz nicht abgeneigt zu sein. Zu dem Post schrieb er: „Ich veröffentliche das für alle, die neugierig sind. Der Gefreite Walujew hat während seiner Zeit in der Staatsduma der Russischen Föderation seinen Rang nicht erhöht. Wenn mich das Vaterland ruft, werde ich gehen.“ Noch geht sein Politik-Job aber vor, denn: „Ich werde nach den Plenarwochen im Einberufungsbüro sein.“

Walujew an die Front in der Ukraine? Als Gefreiter wäre er weit unten in der Befehlskette

Der einstige Weltklasse-Boxer gibt sich also als treuer Soldat. In der Befehlskette würde er als Gefreiter ziemlich weit unten stehen. Während seiner Karriere als Boxer war seine imposante Statur zweifellos ein Vorteil, so mancher Kontrahent dürfte mehr als Respekt vor dem Hünen mit in den Ring geschleppt haben.

Ob das im Krieg auch gelten würde? Immerhin muss an der Front auch jederzeit Deckung und Schutz gesucht werden. Da kann Größe hinderlich sein. Walujew würde es darauf ankommen lassen - das hat er deutlich gemacht. (mg)

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