Schlechteste Bilanz seit 2009

Deutsches Damen-Trio bei US Open raus

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Sabine Lisicki musste sich bei den US Open als letzte deutsche Spielerin im Turnier Maria Scharapowa geschlagen geben.

New York - Sechs deutsche Damen standen im Hauptfeld der US Open, in der zweiten Woche wird keine mehr dabei sein. Als Letzte scheiterte Sabine Lisicki. Die Fehlersuche begann noch vor der Abreise.

Nach dem jähen Ende ihrer Grand-Slam-Reise in den Big Apple begaben sich Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Sabine Lisicki ohne Umwege auf Fehlersuche. Desillusioniert und verunsichert saßen sie im Bauch des gigantischen Arthur Ashe Stadium und versuchten das kollektive Drittrunden-K.o. in Worte zu fassen. Dann sprach Bundestrainerin Barbara Rittner aus, was alle dachten: „Das waren enttäuschende US Open für uns.“

Keine deutsche Spielerin in der zweiten Woche des vierten Grand-Slam-Turniers der Saison: das hatte es zum letzten Mal vor fünf Jahren gegeben. Seitdem sind die Ansprüche stetig gewachsen, oft war vom Titel die Rede. Ein Rückschlag wie in Flushing Meadows war im erfolgsverwöhnten Team nicht eingeplant.

Vor allem Angelique Kerber, die konstanteste Deutsche der vergangenen Jahre, war nach dem Aus bei ihrem liebsten Major tieftraurig. Die Stimme zitterte, als sie ihre 1:6, 5:7-Niederlage gegen Teenager Belinda Bencic analysierte: „Das war heute einfach nicht mein Tag. Ich war zu passiv, und sie hat es ausgenutzt.“

Petkovic: "Ich habe die letzten drei Wochen schlecht gespielt"

Das war allerdings nur ein Teil der Wahrheit, Kerber wurden in New York die Grenzen aufgezeigt. Von einer 17 Jahre jungen Schweizerin. „Hut ab vor Bencic, sie war einfach die bessere Spielerin“, sagte Rittner. Kerber sehnte sich derweil nach ein paar freien Tagen, „Zeit, um nachzudenken“. Schon am Samstag verließ sie die Stadt.

Andrea Petkovic versuchte derweil, die Geschehnisse einzuordnen, nicht nur ihre eigene Niederlage, sondern auch die Pleite ihrer Freundin Kerber. „Die zweite Woche bei einem Grand Slam ist nicht mehr selbstverständlich“, sagte Petkovic nach dem 3:6, 2:6 gegen die Dänin Caroline Wozniacki. Es gebe keine einfachen Matches mehr. Auch die Top-10-Spielerinnen Simona Halep, Agnieszka Radwanska und Ana Ivanovic sind früh gescheitert.

Petkovic selbst gab sich aufgeräumt, als die erste Enttäuschung über ihr Aus verflogen war. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich die letzten drei Wochen schlecht gespielt“, sagte sie und stellte einen kurz- und mittelfristigen Plan auf, um den Weg zurück in die Spitze zu finden. „Erstmal brauche ich ein paar Tage Urlaub, dann zwei Wochen richtiges Training, um mich wohlzufühlen.“ Auf Dauer müsse ihr Spiel mehr Variationen bekommen und der Aufschlag besser werden.

Lisicki: "Heute hat der Aufschlag gefehlt"

Das nahm sich auch Sabine Lisicki vor, die noch die beste Figur der drei Deutschen abgab. Das 2:6, 4:6 gegen die russische Tennis-Queen Maria Scharapowa hört sich deutlicher an, als es war. Die Chancen waren da, „wenn ich ein paar freie Punkte mehr bekommen hätte“, sagte Lisicki, „aber heute hat der Aufschlag gefehlt“. Dafür stimmten die Beine, oftmals in dieser Saison war es bei ihr andersherum.

Allen drei deutschen Hoffnungsträgern fehlte in New York eine Variable in ihrer Erfolgsformel, Teamchefin Rittner hatte das Scheitern einkalkuliert, „wir sind nicht eine Klasse besser als die anderen“, sagte sie.

Die Mission Fed-Cup-Titel sieht Rittner deshalb allerdings noch lange nicht in Gefahr. Sie ist überzeugt: Im Finale im November gegen Tschechien werden ihre Schützlinge ihr bestes Tennis zeigen. „Denn eines ist klar: Spielen wir nicht das Beste, dann kriegen wir eine Reise. Die geht dann aber direkt in den Urlaub“, sagte Rittner.

Sie hat eine Rasenallergie! Sechs Fakten zu Sabine Lisicki

Bum-Bum-Bine, Doris Becker, Sab Fab – in London hat sich Sabine Lisicki in den vergangenen Jahren so manchen Spitznamen erspielt. Alle Jahre wieder zeigt sie in Wimbledon ihr bestes Tennis. Doch wer ist Sabine Lisicki überhaupt? Wir verraten Ihnen sechs wichtige Fakten zu ihr. © dpa
Kindheit: Ihre Eltern Richard und Elisabeth wanderten als Aussiedler aus Polen nach Deutschland ein. Lisicki begann mit sieben Jahren Tennis zu spielen. Sie spricht Deutsch, Englisch und Polnisch. Das Duell mit Mutter Elisabeth wurde ihr schnell zu langweilig, da traf es sich gut, dass der Vater Tennistrainer ist. Mit 14 Jahren wechselte Lisicki von Berlin nach Florida in die Tennisakademie von Trainer-Legende Nick Bolleterie. „Das geschah alles freiwillig, ich musste meinen Papa ja sogar anbetteln, dass er mir Stunden gibt“, erzählte Lisicki in der Talkrunde bei Markus Lanz. Ihr Vater ist bis heute ihre wichtigste Bezugsperson und reist mit ihr auf der Tour. © dpa
Beste Deutsche: 2008 löste sie als Nummer 89 der Welt Martina Müller als beste deutsche Spielerin ab. Ihr bisher höchste Platzierung (Stand 2. Juli 2013) erreichte die aktuelle Weltranglisten-24. am 21. Mai 2012 mit Rang zwölf. In Wimbledon war Lisicki schon zweimal im Viertelfinale (2009, 2012) und je einmal im Halbfinale (2011) und im Finale (2013). Gegen Serena Williams verlor sie beim Stand von 6:2, 1:0 neun Spiele in Folge, konnte das Match aber noch drehen. Mit 210 km/h hält sie den inoffiziellen Aufschlagrekord. © dpa
Rasenallergie: Bei Lisicki wurde neben einer Glutenunverträglichkeit auch eine Rasenallergie festgestellt. Aufhalten lässt sie sich davon aber nicht. © dpa
Alkohol: Die Lust nach Partyexzessen verspürte Lisicki in ihrer Jugend nie. „Ich mag keinen Alkohol. Ich war immer früh im Bett, um am nächsten Tag zu trainieren“, so Lisicki. Tennis ist ihre ganze Leidenschaft: „Es gibt nichts Schöneres, als vor 15 000 Fans auf dem Platz zu stehen.“ Auch eine mögliche Musikerkarriere schlug sie dafür aus. © dpa
Verletzungen: 2010 musste sie wegen einer Knöchelverletzung mehrere Monate pausieren. 2011 starb sie fast an einer Lebensmittelvergiftung, die sie sich bei einem Turnier in China zugezogen hatte. „Es war eine lebensbedrohliche Situation. Ich war extremst dehydriert, fast bewusstlos“, sagte Lisicki damals. © dpa
Hobbies: Vor Wimbledon 2013 schaute Lisicki beim Royal Ascot, einem traditionsreichen britischen Pferderennen südlich von Windsor, vorbei. Während ihrer Reisen auf der Tennis-Tour überredete sie Mama Elisabeth, eine Künstlerin, immer wieder Sehenswürdigkeiten zu besuchen. © dpa

SID/dpa

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