"Verletzungen sind nicht zu vermeiden"

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Verletzungsanfällig: Pascal Hens musste zuletzt bei den Olympischen Spielen verletzt aufgeben

Zagreb - Abgesplitterte Zähne, Platzwunden an der Augenbraue, ein Finger, der ab der Mitte auf halb Zwei zeigt – so hart ist Handball, so hart ist die WM in Kroatien.

Für die Zuschauer attraktiv, für die Sportler leidensreich. Kaum eine Sportart geht derart auf den Körper. Die tz erklärt, wieso Handball so gefährlich ist.

Mehr als jeder vierte Spieler verletzt sich im Lauf eines Handball-Jahres. Zehnmal mehr als im Tennis. Und auch mehr als im Fußball! Das sagt der angesehene Sportmediziner Prof. Wolfgang Pförringer. Er fand heraus: Gefährlicher als Handball ist nur – kein Witz – Ballett!

Der Sportmediziner erklärt, wieso Handball so riskant ist: „Da wird der bedingungslose Einsatz gefordert. Kleinere Blessuren hat nach dem Spiel eigentlich jeder.“ Schuld seien vor allem die ruppigen Zweikämpfe und (versteckten) Regelverstöße. „Zu 90 Prozent der Zeit wird Foul gespielt. Die Verteidiger halten den Gegner beim Wurf fest, da ist es auf Dauer logisch, dass sich der Spieler verletzt.“

Im Duell Mann gegen Mann wird gehalten, geschlagen und getreten, was das Zeug hält. Hand und Sprunggelenk sind besonders gefährdet. Die Hälfte der lädierten Handballer hat sich dort verletzt. Auch Knie und Kopf sind starke Risikozonen. Das hat die Ruhr-Uni Bochum in einer Studie festgestellt. Tipps zur Prävention: Richtiges Training – und ganz wichtig: Erholung! Aber genau die haben die Brands Jungs selten.

Die Elite der deutschen Handballer spielt in der Liga, im Europa-Cup und jetzt auch noch bei der WM. Kritische Stimmen fordern schon länger Ruhepausen. Der Körper schreit nach Schonung – und verordnet sich selbst notfalls eine Zwangspause. Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen!

Erstes deutsches Opfer bei der WM: Christian Sprenger mit einem Innenbandriss im Knie. Ein russischer Gegenspieler sprang ihm auf’s rechte Knie. „Ich hörte, wie es in meinem Knie knackte und wusste gleich, dass da was kaputt war.“

Wenn die modernen Gladiatoren zusammenrasseln gilt: Sport brutal! Zweikämpfe in hoher Geschwindigkeit auf engstem Raum und hartem Boden. Ausweichen geht und gilt nicht. Prof. Pförringer vergleicht die Handballer mit zwei Geparden, die im Turbo bedingungslos aufeinander rauschen – bis es knallt.

Belastung und Verletzung hängen von der Position auf dem Spielfeld ab. Außenspieler sind besonders bei schnellen Drehungen zum Tor anfällig. „Auch der Torwart ist eine sehr gefährliche Position: Man wird persönlich angegangen. Noch dazu muss der Torwart mit seinen Händen die scharfen Schüsse entschärfen. Und da ist eine ordentliche Wucht dahinter.“

Die meisten Spieler wickeln Tape um ihre Finger. Doch das ist nicht genug: Kapselverletzungen gehören zum Handballer wie Nadelstiche zur Näherin. Prof. Pförringer meint: „Das muss man einfach einkalkulieren. Ich würde meinem Enkel sicher nicht vom Handball abraten. Ich sage: Lieber Sport als kein Sport.“ No risk, no fun.

Martin Wimösterer

Quelle: tz

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