Europameisterschaft

Volleyballer am „Scheideweg“ - Grozers neue Leichtigkeit

Georg Grozer
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Deutschlands Angreifer Georg Grozer in Aktion.

Mit der EM-Generalprobe seiner Volleyballer war Georg Grozer nicht zufrieden. Für den Rückkehrer zählt bei der Endrunde nur Edelmetall. Auf eine Schlüsselfigur muss Bundestrainer Andrea Giani bei der EM aber verzichten.

Tallinn - Für Rückkehrer Georg Grozer zählt eigentlich nur der Funkel-Faktor. „Mein Ziel ist wie immer eine Medaille“, sagte der deutsche Ausnahme-Volleyballer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Start in die XXL-EM, die in Polen, Tschechien, Finnland und Estland ausgetragen wird.

Mehr als eineinhalb Jahre nach seinem verkündeten Abschied aus der Nationalmannschaft ist „Hammerschorsch“ wieder dabei. „Ich kann einfach nicht aufhören, solange ich dieses Kribbeln in Herz und Magen habe“, sagte der 36-Jährige vor dem Auftakt am Freitag (16.00 Uhr/MESZ) in Tallinn gegen Kroatien.

Grozers neue „Leichtigkeit“

Den Diagonalangreifer treibt die unbändige Lust an seinem Sport an. „Ich spiele, solange sie mich nicht rausschmeißen und ich mich nicht blamiere“, meinte Grozer lachend über ein Karriereende ganz weit in ferner Zukunft.

Die stets fitte Schmettermaschine vom italienischen Club Vero Volley Monza hat sogar noch abgenommen. „Ich bin zehn Kilo leichter“, sagte Grozer, der als Profi stets etwas mehr als 100 Kilogramm wog. „Das ist in meinem Alter besser für die Knie.“ In Italien hätte der Verein Wert darauf gelegt. „Ich habe eine super Freundin, die sehr gesund kocht“, verriet Grozer amüsiert sein Abnehmrezept.

Von der neuen Leichtigkeit will auch Bundestrainer Andrea Giani profitieren. „Ich will die bestmögliche Mannschaft haben, dafür brauche ich Spieler mit Qualität“, sagte der Italiener über das Comeback der Ausnahmefigur. „Georg ist Weltklasse.“

Grozer gibt einen Schub. „Georg bringt mehr Durchschlagskraft in Aufschlag und Angriff. Er macht uns stärker“, befand Giani vor den Duellen in der Vorrundengruppe D gegen Kroatien, Co-Gastgeber Estland, Olympiasieger Frankreich, Lettland und die Slowakei.

„Selbst wenn er älter wird, hat er Charakteristiken, die uns extrem weiterhelfen“, meinte Außenangreifer Christian Fromm zum Beispiel mit Blick auf Grozers Professionalität und Einstellung. „Er ist ein Vorbild für die Mannschaft.“

Kampa wird fehlen

Eine Schlüsselfigur fehlt allerdings bei der EM: Lukas Kampa. Der Zuspieler und Kapitän musste sich im Sommer am Knie operieren lassen. „Im Zuge seines Genesungsprozesses hat er bisher große Fortschritte gemacht, ein Einsatz bei der EM und unter der großen Belastung kommt aber zu früh“, bemerkte Giani. Als Zuspieler hat der 51-Jährige Jan Zimmermann und Johannes Tille dabei.

Die EM ist ein Wegweiser. Giani, der 2017 mit Deutschland EM-Silber holte, hat nur noch bis zum Jahresende einen Kontrakt. Und der frühere Weltklassespieler hatte schon bei seiner Vertragsverlängerung verkündet, dass 2021 entscheidend wird.

„Wir stehen an einem Scheideweg, den ich gerne mit meinem Team weitergehen wollen würde. Dafür brauche ich aber auch das klare Signal aus der Mannschaft, das ich über starke Leistungen in allen Wettbewerben sehen möchte“, sagte er Anfang dieses Jahres. Platz 13 bei 16 Teams in der Nationenliga im Sommer konnte nicht als starkes Signal gelten.

„Ziel muss es sein, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen, auch mit Blick auf die Weltrangliste“, sagte Giani nun. Wer viele Spiele gewinnt, sammelt viele Weltranglistenpunkte und wird künftig entsprechend höher gewertet, was Qualifikationen erleichtert.

„Wir müssen immer 100 Prozent geben, 70 Prozent reichen nicht“, äußerte Giani entschieden. Mit Olympiasieger Frankreich kämpfen Grozer & Co. um den Vorrundensieg. Das muss das erste Ziel sein.

Die verpatzte Generalprobe am Sonntag gegen die Niederlande (1:3) schmeckte dem Schmetter-Ass allerdings gar nicht. „Ich hoffe, das war ein Alarm für die Jungs“, sagte Grozer. „Ich bin noch nicht zufrieden, wir sind noch nicht so konstant.“ Das kann ja noch kommen. dpa

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