Bluttat in Klinik: Fritz von Weizsäcker bei Vortrag erstochen - Polizei mit ersten Details zum Täter

Bluttat in Klinik: Fritz von Weizsäcker bei Vortrag erstochen - Polizei mit ersten Details zum Täter

Ralf Bach: Boxenstopp

Warum Heidfeld der Verlierer des Jahres wird

+
Mit Nick Heidfeld geht’s bergab. Er weiß es nur noch nicht

So, da ist es also, das neue Jahr. Gott sei Dank, möchte man sagen, nach all den Bilanzen, die da zur Feier des Jahresendes 2008 verzerrt, entstellt und gezogen wurden.

Bilder des Jahres wurden rund um die Uhr gesendet, Menschen wie Tanzbären vorgeführt, zwischen Werbung für Diätsahne und Kampfturtles. Es gibt nicht viele Beispiele für von Menschenhand geschaffenen größeren Unsinn. Mir fällt eigentlich nur noch die Friedhofsmauer ein. Ich meine, diejenigen, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und diejenigen, die draußen sind, wollen nicht hinein. Alles klar?

Auch über das Jahr in der Formel 1 könnte man viel Unsinn schreiben. Oder viel Langweiliges. Das will ich lassen. Hier also nichts über die üblichen Gewinner wie Lewis Hamilton. Ich habe eigene Gewinner und Verlierer. Zur letztmaligen Würdigung des Jahres 2008 – und natürlich auch schon im Vorblick auf 2009.

Fangen wir mit Gerhard Berger an. Der Ex-Rennfahrer, Ex-BMW-Motorsportchef und ewige Lausbub ist ruhiger geworden. Vorbei die Zeiten, „wo mich meine Eltern entweder bei der Polizei oder im Krankenhaus abgeholt haben“, wie Berger selbst einmal sagte. Im richtigen Moment zog Berger die Reißleine. Wer im richtigen Moment loslassen kann, der hat gewonnen. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Das hat Berger getan. Vettel, sein gefühlter kleiner Bruder im Geiste, gewann in Monza – für Berger war der Höhepunkt erreicht. Mehr wird nicht mehr gehen. Der große Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz versetzte Vettel zu seinem Hauptteam, will zukünftig Red Bull stärken – und schwächt damit Toro Rosso automatisch. Grund genug für Berger, Adieu zu sagen. Vorübergehend. Gut gemacht, Gerhard!

FIA-Präsident Max Mosley ist auch als Gewinner aus dem Jahr gegangen. Wer hätte das gedacht, nachdem Mosleys eigene Art, Parties zu feiern, im Sommer der Hiebe von seinem Schaffen als Retter der Formel 1 ablenkte? Der schlagfertige Brite mit deutschfreundlicher Einstellung gilt als Vorreiter der dringend notwendig gewordenen Regeländerungen. Monatelang hatte er die Formel-1-Teamchefs vor einer Finanzkrise gewarnt und ihnen dringend geraten, Kosten einzusparen. Er hatte den Ausstieg eines Werks wie Honda geahnt. Mosley ist seinem Ziel, budgetschwächere Teams wie Force India und Williams durch drastische Sparmaßnahmen zu retten, nahe gekommen. Sogar den vor Monaten von den Herstellern noch als absurd empfundenen Vorschlag, den kleinen Teams einen Teil der Fernsehgelder von den Top-Teams abzuzweigen, kann Mosley jetzt durchsetzen. Die Finanzkrise mit dem Honda-Ausstieg lässt ihnen und Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone keine Wahl. Ecclestone kann sich nicht erlauben, ein weiteres Team zu verlieren.

Da uns schon die Mathematik lehrt, dass man Nullen nicht übersehen darf, muss ich auch meinen persönlichen Loser des Jahres erwähnen. Leider ist es Nick Heidfeld. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Er selbst ist keine Null für mich – aber er hat Nullen um sich geschart, die mich für seine weitere Karriere das Schlimmste befürchten lassen. Nick ist eigentlich ein guter Junge, auch ein guter Pilot, aber selten hat sich jemand vor allen Dingen politisch so tief ins Kiesbett gegraben wie der Mönchengladbacher. Dass er auf der Piste das Duell gegen BMW-Teamkollegen Robert Kubica verlor, ist nicht schlimm. 2007 gewann er es. Aber dass er seinen langjährigen Manager Werner Heinz blauäugig gegen einen Schulfreund eintauschte, war schlicht und einfach dämlich. Sein neues Management zeichnete sich hauptsächlich durch folgende Dinge aus: Es antwortete, ohne gefragt zu werden, berichtete über Nicks private Geburtagsparty so ausschweifend auf der eigenen Homepage, dass man zweimal hinschauen musste, um nicht zu glauben, zu Kaiser Caligulas Zeiten hätte es schon Videokameras gegeben. Und: Nicks Schulfreund (lassen Sie mich Ihnen den Namen ersparen) trat öfters mit Pressereferent und Anwalt auf. Sie wirken gegenüber dem gestandenen Werner Heinz wie ein Haufen Pfadfinder in kurzen Hosen. Den Anwalt mit dem schicken Anzug und der gegelten Frisur kann Nick bestimmt bald gebrauchen. Denn ich habe so meine Zweifel, dass sie alle die Richtigen sind, um Nick für 2010 einen Formel-1-Vertrag zu sichern. Die guten Verträge, auch den letzten mit BMW, hat ihm Werner Heinz besorgt. Es gibt viele in der Formel 1, die der Meinung sind, dass Nick ohne das Trierer Vermarktungsgenie schon längst nicht mehr in der Formel 1 wäre. Das kann gut sein. Ich sehe leider schwarz für Nick und zukünftige Vertragsgespräche. Denn wie sagt es der gerade zurückgetretene Gentleman-Driver David Coulthard so schön: „Du kannst nur mit dem Schwanz pinkeln, den du hast.“

Einleiten will ich das Jahr mit einer Analyse des von uns allen geliebten Mr. Immer-Braun-gebrannt Flavio Briatore, der Ex-Mutter aller Machos – bis er im Sommer geheiratet hat. Flavio fordert mit Recht fürs neue Jahr: „Die Formel 1 braucht Stars. Wir haben schon zu viele kleine Computer mit Beinen.“

Auf ein gutes Neues!

Ralf Bach

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

„Hätte ihn töten können“: Rekord-Strafe nach Football-Skandal - Kommentator fassungslos
„Hätte ihn töten können“: Rekord-Strafe nach Football-Skandal - Kommentator fassungslos
MMA brutal: Todesdrama um junge Kämpferin (26)
MMA brutal: Todesdrama um junge Kämpferin (26)
Nach Fußball-EM daheim: München erhält nächsten Zuschlag für Mega-Sportevent - „Riesenfreude“
Nach Fußball-EM daheim: München erhält nächsten Zuschlag für Mega-Sportevent - „Riesenfreude“
Radsport-Legende ist tot: Frankreichs Präsident Macron mit emotionalem Abschied
Radsport-Legende ist tot: Frankreichs Präsident Macron mit emotionalem Abschied

Kommentare