"Was? Du? Mit der Tochter von Jacky Ickx?"

+
In 4,6 Sekunden auf 100, Spitze 301 km/h: Aber keine Sorge, sagt Vanina, das machen wir heute nicht…

Schipkau - Mein Vater fährt leidenschaftlich gern mit dem Zug. Er findet es bequem, wenn er nichts tun muss und trotzdem vorankommt.

Autos sind ihm – zumal, wenn er selbst fahren muss – eher lästig. Bei mir ist es ähnlich. Ein Autofan bin auch ich nicht. Bis vor wenigen Tagen habe ich es für Zufall gehalten, dass mein Vater und ich in dieser Beziehung ähnlich ticken. Doch inzwischen weiß ich: Ob man Autos liebt oder eher weniger – das wird vererbt. Es liegt in den Genen. Wie ich darauf komme? Ich habe einen Tag mit Vanina Ickx verbracht!

Vanina Ickx ist die Tochter von Jacques Bernard „Jacky“ Ickx. Formel-1-Held. Legende von Le Mans. Motorsport-Ikone. Die 33-Jährige ist selbst Rennfahrerin, nicht so erfolgreich wie ihr Vater, aber immerhin: mehrere Teilnahmen an der Rallye Dakar, einige 24-Stunden-Rennen (unter anderem auch Le Mans), und 2006 und 2007 ist sie in der DTM gestartet – für Audi. Für den Konzern blieb sie nach ihrem Rücktritt aus der DTM sogenannte Marken-Botschafterin.

An einem Tag im Juli nun dürfen ein paar Journalisten bei Vanina Ickx ins Auto steigen und mitfahren. Und das nicht auf einer normalen Straße, sondern auf dem Eurospeedway Lausitz, wie er offiziell heißt, dem Lausitzring in der Nähe von Dresden also. Hier, wo normalerweise DTM- und andere Rennen stattfinden, wo bestenfalls 120 000 Zuschauer auf den Rängen die Fahrer anfeuern, da steigen wir in einen silberfarbenen R8, dem Sportwagen von Audi, der vor zwei Jahren das erste Mal produziert wurde und seitdem von Fachmagazinen begeistert gefeiert wird.

„Are you ready?“, fragt Vanina mit ihrem sympathischen französischen Akzent (sie lebt nach einer kurzen Zeit in Wiesbaden nun wieder in ihrer belgischen Heimat Brüssel). Ich nicke, obgleich mir ein bisschen mulmig ist. Ich sitze schließlich auf 420 PS; wenn man wollte, käme man in 4,6 Sekunden von 0 auf 100. Und als Höchstgeschwindigkeit werden 301 km/h angegeben. „Aber keine Sorge“, sagt Vanina, als könnte sie meine Gedanken lesen, „das machen wir heute nicht.“ Gut. Danke. Also los.

Es ist schwer zu beschreiben, was da passiert in einem, wenn man (zumal wenn es das erste Mal ist…) in so einem Auto sitzt und eine echte Rennfahrerin am Steuer Gas gibt. Einerseits denkt man: Ach du Schreck, was tu ich hier bloß? Es kommen einem (oder zumindest mir…) Horrorunfälle in den Sinn, die in den vergangenen Jahren immer wieder passiert sind auf den verschiedensten Rennstrecken der Welt. Oje. Ich merke, wie meine rechte Hand fest den Innengriff der Beifahrertür umklammert.

Andererseits fühle ich mich merkwürdig sicher neben Vanina Ickx. Sie sitzt nämlich nicht am Steuer, wie ich mir das vorgestellt habe: angestrengt, in sportlich-kämpferischer, vielleicht gar aggressiver Körperhaltung. So, wie wir halt im Wagen hocken, wenn wir auf der Autobahn so richtig Gas geben und der Vordermann nervt, weil er im Schneckentempo den Lkw überholt. Nein, Vanina Ickx sitzt am Steuer und ist dabei so gelassen, als würde ich durch eine 30-Zone zuckeln.

„Das ist das Geheimnis“, sagt sie später. „Man muss wahnsinnig konzentriert sein, aber nie verkrampft. Wenn du verkrampfst, hast du verloren. Und“, sagt sie noch, „du musst Vertrauen in das Auto haben.“

Auf den geraden Streckenabschnitten beschleunigt sie auf 220, 240 km/h. Für mich allerdings sind das gefühlte 300. Mindestens. In den Kurven wird’s langsamer, klar, aber eben nicht bedeutend. Das ist das Ungewohnte. Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie sie schaltet (übrigens mit Paddels am Lenkrad). Und es ist laut. Wahnsinn. Vanina schaut zu mir rüber. „Are you okay?“, fragt sie – irgendwie besorgt. „Yes, yes“, schwindel ich, denn das Tempo drückt mir schon ein bisschen auf den Magen, aber egal. Das geht vielen Beifahrern so, höre ich später. Und außerdem fährt man nicht alle Tage mit Vanina Ickx in einem R8 auf dem Lausitzring – also durchhalten und genießen. Tempo kann auch Spaß machen, rede ich mir ein.

Wir fahren zwei Runden à 4,5 Kilometer, 240 km/h sind das Maximum heute, sagt Vanina. Das seien 80 Prozent dessen, was sie bei einem „echten Rennen“ erreiche. Aber ganz so „sportlich“ wollte (und durfte!) sie es an diesem Tag nicht angehen.

Ich bin glücklich und durchaus vom Tempo berauscht, als wir wieder in die Boxengasse einfahren. Wie das klingt – wir fahren in die Boxegasse ein… Wow. Aber meine Knie schlottern doch. Vanina hingegen steigt aus dem Auto, als hätte sie gerade Brötchen geholt. Total gelassen. Aber – wie gesagt, sie ist ja auch die Tochter von Jacky. Sie hat das Auto-Gen…

Übrigens: Meinem Vater habe ich von dem Tag auf dem Lausitzring erst erzählt, als ich wieder daheim war. Er konnte es nicht glauben: „Was? Du? Mit der Tochter von Jacky Ickx? In einem R8?“ Er fragte mehrfach nach – und klang am Ende fast ein bisschen neidisch. Völlig zu Recht, wie ich finde…

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Görges rechnet nicht mehr mit Tennisturnieren 2020
Görges rechnet nicht mehr mit Tennisturnieren 2020
Emanuel Buchmann: Tour-Sieg ist auch nicht mehr weit weg
Emanuel Buchmann: Tour-Sieg ist auch nicht mehr weit weg
NBA denkt an Spiele in Disney World
NBA denkt an Spiele in Disney World
75 Prozent der Verbände laut DOSB gefährdet
75 Prozent der Verbände laut DOSB gefährdet

Kommentare