Keine Lust mehr auf Leben als Profisportler

Weltmeister Deibler: Eismaschine statt Schwimmbecken

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Ihr Eis gibt es in München bei Dean&David zu kaufen.

München - Eisdiele statt Weltmeisterschaft. St. Pauli statt Kasan. Klingt nicht verlockend, aber: Markus Deibler (25) hat sich das genau so ausgesucht.

Wenn seine früheren Kollegen am Wochenende in der Kasan-Arena erstmals ins Becken steigen, wird Deibler nur am Fernseher dabei sein. Und das, obwohl er amtierender Weltmeister über 100 Meter Lagen (je 25 Meter Schmetterling, Brust, Rücken und Freistil) ist. Am 7. Dezember 2014 schlug er bei der Kurzbahn-WM in Doha als Erster an – in Weltrekordzeit (59,66 Minuten). Kein Michael Phelps, kein Ian Thorpe, niemand war jemals schneller auf dieser Strecke. Am 16. Dezember, neun Tage nach seinem größten Erfolg als Profisportler, erklärte der damals 24-Jährige seinen Rücktritt.

Und dabei bleibt es, versichert er der tz, er habe sich diesen Schritt unabhängig von der WM überlegt. Deibler: „Ich hätte auch ohne den WM-Titel aufgehört. Ich hatte keine Lust mehr auf das Leben als Profisportler.“

Seine neue Leidenschaft ist das Luicella’s, seine eigene Eisdiele auf dem Hamburger Kiez. Zwischen Reeperbahn und Millerntor bestimmen Cheesecake-Himbeer, Pink Grapefruit, Joghurt-Rhabarber oder Mango-Lassi seinen Alltag. „Wir haben bisher um die 350 verschiedenen Sorten kreiert“, schätzt Deibler, der bisher noch selbst an der Eismaschine steht. Neuer Tag, neues Eis. Eine feste Karte gibt es bei ihm und seiner Partnerin Luisa Mentele, die die Eisdielen-Idee während ihres Auslandssemesters in Bologna entwickelte, nicht.

Bundestrainer Henning Lambertz bedauert Deiblers Abschied, mit ihm und Britta Steffen (siehe unten) fehlen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zwei potenzielle Medaillenkandidaten. „Andere Nationen zahlen ihren Medaillengewinnern eine lebenslange Rente von mehreren Tausend Euro. Ich könnte schwören, dafür würde Markus Deibler jetzt noch schwimmen“, mutmaßte Lambertz. Deibler widerspricht: „Es läuft gut, aber im Moment würde ich als Schwimmer mehr verdienen.“ Doch der Aufwand, den der trainingsfleißige Deibler aufbringen musste, stand für ihn in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag.

Bruder Steffen (28) schwimmt noch. Ob eine WM-Medaille drin ist? „Es läuft nicht optimal bei ihm, aber es gibt Trainingstage, da ist er pfeilschnell. Er hat wieder einmal das Pech, dass das Feld sehr eng ist.“ Bei Olympia 2012 und bei der WM 2013 war Steffen Deibler jeweils Vierter. Seinen Auftritt in Kasan wird Deibler nicht verpassen. „Ich kann mir meine Zeit frei einteilen, die halbe Stunde hänge ich Abends eben hinten dran.“ Partnerin Luisa Mentele dürfte das verstehen, sie ist Steffens Freundin.

Mathias Müller

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