Dressur

Werths emotionalste Medaille nach Zittern ums „Herzenspferd“

Isabell Werth
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Glücklich über Silber und die Genesungs ihres „Herzenspferdes“: Dressurreiterin Isabell Werth.

Das Duell geht weiter: Nach zwei Entscheidungen bei der Heim-EM steht am Samstag der letzte Wettbewerb auf dem Programm - und im Blickpunkt stehen erneut die beiden derzeit besten Reiterinnen.

Hagen a.T.W. - Eine so strahlende Isabell Werth nach einem verlorenen Duell gab es wohl noch nie. Befreit lachend freute sich die erfolgreichste Reiterin der Welt, nachdem sie gerade den Zweikampf mit Jessica von Bredow-Werndl um EM-Gold klar verloren hatte.

Nach einer dramatischen Nacht, in der Werth „fast gar nicht geschlafen“ hatte, war die Farbe der Medaille für sie eher nebensächlich. Werth hatte vor der Einzelentscheidung im Grand Prix Special bei der Heim-EM in Hagen bei Osnabrück sehr lange wach gelegen, weil sie sich Sorgen um Bella Rose machte. Die 52-Jährige aus Rheinberg bangte um das Leben des Pferdes, das für sie ein „ganz besonderes“ ist. Nach einer Notoperation wegen einer Kolik musste die Stute, die Werth als „Herzenspferd“ bezeichnet, die Nacht überstehen. Werth kam kaum zur Ruhe, wie sie am anderen Tag berichtete.

„Es handelte sich in Bella Roses Fall um eine besonders schwere und schmerzhafte Form der Kolik“, sagte Mannschafts-Tierarzt Marc Koene. „Glücklicherweise ist Bella Rose nach der OP schnell wieder aufgestanden.“

Mit den Gedanken beim „Herzenspferd“

Das Pferd überlebte, die Reiterin konnte erleichtert vom heimischen Rheinberg zurück zur EM im Osnabrücker Land fahren. Aber: „Am Morgen war ich nicht besonders motiviert.“ Die Gedanken waren trotz der glücklichen Genesung bei Bella Rose noch nicht bei ihrem EM-Pferd Weihegold. „Es war nicht der einfachste Tag“, berichtete Werth: „Der alte Kampfgeist war nicht da.“

„Bella“, wie sie die Stute nennt, ist für sie ein spezielles Pferd, und das liegt auch an der langen Krankengeschichte. Bei der WM 2014 in Frankreich musste sie das Pferd noch am Abend nach dem Team-Gold für das Einzel verletzt zurückziehen. Und die Genesung zog sich über viele Monate voller Sorgen und voller Ungewissheit hin.

Es vergingen Jahre, bis wieder Hoffnung aufkeimte. Fast vier Jahre musste Bella Rose pausieren. Erst im Sommer 2018 hatte Werth ihre Stute wieder auf Top-Niveau - und feierte ein kaum zu glaubendes Comeback mit ihr. Das Paar gewann in den USA Doppel-Gold bei der WM und ein Jahr später Dreifach-Gold bei der EM. In der kommenden Woche sollte das Traumpferd beim CHIO in Aachen aus dem Spitzensport verabschiedet werden.

Werths Kampfgeist wurde dann doch geweckt

In Gedanken bei Bella Rose in der Klinik, dauerte es am Donnerstagabend bei der EM in Hagen, bis Werths Kampfgeist doch noch hochkam. Erst als sie im Sattel von Weihegold saß, „ging's los“, berichtet sie: „Ich habe dann alles andere ausgeblendet.“

Sie ritt tadellos. Nur Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl und Dalera waren zu stark für Werth und Weihegold. Und die 35-Jährige aus Tuntenhausen ist nach dem Special-Gold nun auch die Favoritin beim erneuten Duell am Samstag in der Kür.

Seit dem Doppel-Sieg bei den Olympischen Spielen in Tokio hat sich die Rolle der Reiterin aus Bayern geändert. „Ich war vorher die Jägerin“, sagte von Bredow-Werndl mit der EM-Goldmedaille um den Hals, und jetzt sei sie „die Gejagte“. Aber sagte sie vergnügt lächelnd: „Das ist ja besser als anders herum.“ dpa

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