Wildwest auf vier Rädern

Mexiko-City - Vorndran am Auto ist ein Rammbock aus blankem Stahl. „Pushbar“ sagen die Amis dazu – und das „Push“, das Drücken, ist wörtlich gemeint…

Hinter dem Lenkrad sitzt Armin Schwarz. Der Bayer macht gleich mal klar, wie die Sache hier läuft: „Anklopfen – also anschieben – ist bei uns erlaubt. Wenn das Auto hinter dir zwei Mal anklopft und du es nicht vorbeilässt, dann kannst du davon ausgehen, dass das dritte Anklopfen in einer Kurve passiert. Und dass du dann geradeaus weiterfährst…“

Sehen Sie selbst:

Video vom Baja 1000

Pushbar, klar?

Wir sind in Mexiko. Ensenada heißt die Stadt. So groß wie Augsburg, bloß mitten in der Wüste. Startort der brutalsten Rallye der Welt. Baja 1000 heißt sie, und an diesem Wochenende wird sie wieder ausgetragen. Wer hier mitfährt, muss einen Sinn fürs Rustikale haben. Schwarz schwärmt: „Es ist roh, es ist hart. Und es ist ehrlich.“ Der Wilde Westen, und zwar auf vier Rädern! Oberhalb dieser vier Räder gibt’s viel frische Luft. Denn: Armin Schwarz’ Wagen hat keine Fenster, einfach nur Löcher. Wind, Sand, Wasser: Das pfeift alles ungebremst durchs Cockpit. Teilweise bei Tempo 220.

Mit einem normalen Auto hat die Maschine nicht viel zu tun. Es ist ein Buggy, speziell gebaut für Rallyes der Marke Extrahart. Material? Kein Schickimicki-Leichtbau-Zeugs wie Kohlefaser oder Magnesium. Stattdessen guter alter Stahl – „weil man den immer wieder reparieren kann“. Am Streckenrand der Baja stehen Helfer mit Schweißgeräten. Für den Fall, dass ein Rad abfällt oder so.

Armin Schwarz hatte auf seiner allerersten Buggy-Testfahrt denn auch ziemlich grundlegende Sorgen. Er dachte in jeder Kurve, „dass mir jetzt gleich der ganze Apparat umkippt“. Denn: „Diese Autos fahren sich wie Motorboote. Wenn du einlenkst, neigt sich sofort alles. Das liegt daran, dass wir 90 Zentimeter Federweg haben. Und die nutzen wir auch aus…“ Folge: Man kann mit 150 km/h durch eineinhalb Meter tiefe Löcher brettern. Ohne Materialschaden. Nur der Fahrer braucht eine gewisse Leidensfähigkeit: „Dich haut’s in dem Auto rum – das kannst du dir gar nicht vorstellen.“ Nein, kann ich tatsächlich nicht. Aber Armins Ehefrau Petra kann es… „Sie ist einmal in diesem Auto mitgefahren – aber sie möchte es nicht nochmal machen.“

Auch so mancher abgebrühte Profi lehnt dankend ab, wenn er das Wort Baja hört. Giniel de Villiers zum Beispiel. Der war schon mal Dakar-Zweiter, ist also ein Wüsten-Vollprofi. Einmal hat er sich an der Baja versucht. Schwarz erinnert sich: „Der hat gesagt: Er fährt nie wieder mit. Er hat gemeint, das sei wie auf den schlimmsten Abschnitten der Dakar – nur dass diese Abschnitte bei der Baja immer gleich 150 Kilometer lang sind…“

Alles in allem führt das Rennen über eine Strecke von mehr als 1000 Kilometern. Bei den meisten Teams wechseln sich zwei Fahrer ab, damit das Ganze halbwegs erträglich ist. Auch Armin Schwarz macht das so – er teilt sich das Auto mit dem Dänen Martin Christensen. Und: Die beiden wollen’s richtig krachen lassen. Schwarz stellt klar: „Wir fahren auf Sieg.“ Die Baja 1000 gehört zu einer Rennserie – und in der Gesamtwertung liegt Schwarz mit seinem Team momentan auf Platz zwei. Also alles drin.

Einer der Gegner ist übrigens – kein Witz – Jesse James! Allerdings natürlich nicht der Pistolero (der ist ja auch schon seit ein paar Jahren tot), sondern sein neuzeitlicher Namensvetter. Der lebendige Mr. James ist der Ehemann der Schauspielerin Sandra Bullock. Und im Herzen natürlich ein echter, wilder Cowboy.

Quelle: tz

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