Mercedes fürchtet Benachteiligungen

Wird Hamilton die WM geklaut?

Viele Experten sehen Lewis Hamilton bei den Entscheidungen der Rennkommissare im Nachteil
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Viele Experten sehen Lewis Hamilton bei den Entscheidungen der Rennkommissare im Nachteil

Tokio - Am Sonntag geht in Japan die Formel-1-WM in ihre entscheidende Phase. Drei Rennen vor Ende führt McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton mit sieben Punkten Vorsprung auf Ferari-Pilot Felipe Massa. Doch Hamilton hat ein Problem.

Ex-Pilot und Premiere-Experte Marc Surer glaubt: „Lewis hat einen klaren Nachteil in den letzten drei Rennen. Er muss das Gefühl haben, wie unter Bewährung zu fahren. Das bremst ihn unweigerlich. Die letzten Runden in Singapur zeigten das.“

Der Grund: Ob bei Hamiltons Strafe in Spa oder der Safety-Car-Phase in Singapur – im Nachteil war immer der McLaren-Mercedes-Pilot. Kein Wunder, dass da die Formel-1-Szene nur noch wenig Vertrauen in die Objektivität der Motorsportbehörde Fia hat. Sogar, dass die Gesetzeshüter der Fia in den letzten drei WM-Rennen in Japan, China und Brasilien kleine Tricks anwenden, damit Ferrari am Ende Weltmeister ist, wird in der Szene hinter vorgehaltener Hand nicht ausgeschlossen.

Fest steht: Ohne die Vorkommnisse in Spa oder Singapur würde Hamilton mit 15 statt sieben Punkten Vorsprung auf Massa nach Fuji reisen. Selbst unemotionale Pragmatiker wie Niki Lauda sind längst nicht mehr von der Fairness der Rechtsprechung in der Formel 1 überzeugt. Lauda: „Mein gesunder Menschenverstand weigert sich, von willkürlichen Entscheidungen zu reden. Aber die vergangenen Wochen lassen mich ernsthaft daran zweifeln.“

Surer und Kollegen halten das schwammige Reglement für das Problem: Surer zur tz: „Es gibt kaum eine Regel, die präzise formuliert ist. Das erlaubt den drei Rennkommissaren viel zu viel Interpretationsmöglichkeiten.“

Die Rolle von Fia-Rennleiter Charlie Whiting ist dabei undurchschaubar. „Wer glaubt, Charlie sei völlig unabhängig in seinen Entscheidungen, ist naiv,“ sagt Surer. Bei der Recherche über den Vorfall in Spa stieß die tz auf Widersprüche. So heißt es beispielsweise, nicht Whiting hätte nachträglich die Untersuchung gegen Hamilton eingeleitet, sondern er hätte dem Druck von Alan Donnelly, der rechten Hand von Fia-Präsident Max Mosley, nachgegeben. Dafür spricht, dass Whiting kurz nach dem umstrittenen Überholmanövers von Hamilton gegen Raikkönen McLaren-Teammanager Dave Ryan per Email (ein übliches Kommunikationsmittel während der Rennen) mitgeteilt hätte, alles sei okay, Hamilton hätte keine Strafe zu befürchten.

Hamilton, der schon seit gestern in Japan ist, bestätigt Surer: „Du musst deinen Rennfahrerinstinkt bremsen, den du seit dem Alter von acht Jahren entwickelt hast.“ Das ist in der Formel 1 nicht gerade gut…

Ralf Bach

Quelle: tz

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