Nach Niederlage gegen Tyson Fury

Scharfe Standpauke: Witali kritisiert Wladimir Klitschko

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Nach der Niederlage gegen Tyso Fury gab es für Wladimir Klitschko eine Standpauke von Bruder Witali Klitschko.

München - Für Wladimir Klitschko war die Niederlage gegen Tyson Fury eine Demütigung. Und dann gab es auch noch eine Standpauke von Bruder Witali.

Zweimal 115:112, einmal 116:111, eine einstimmige Entscheidung der Punktrichter also verkündete um 0.11 Uhr, als der Samstag zum Sonntag geworden war, Ringsprecher Michael Buffer – und das war der Moment, in dem Wladimir Klitschko die Arme hochriss. Siegerpose, wie immer in den vergangenen elf Jahren, ein Reflex – diesmal im Vertrauen auf die Mechanismen des Boxgeschäfts, den Bonus, den man als ewiger Champion und Beau der Branche hat. Und nicht zu vergessen: der Heimvorteil. Die Klitschko Management Group war Veranstalter des Abends mit dem Kampf gegen Tyson Fury in der Düsseldorfer Esprit-Arena vor 50.000 Zuschauern.

Buffer sprach weiter über den „Heavyweight Champion of the World“, die „Welt“ ein langgezogener Ton, der nicht enden wollte, kleine Kunstpause, und dann: „From the United Kingdom...“ Und alles war anders: Klitschkos Arme sackten nach unten, während beim Tyson-Fury-Clan und unter den Engländern im Düsseldorfer Fußballstadion (überdacht und beheizt) ekstatischer Jubel ausbrach. Eine Sensation. Fury war besser, aktiver vor allem – doch dass die Entscheider das auch würdigen würden, war nicht zu erwarten gewesen; zu oft schon hat es im Boxen Urteile gegeben wie vom Promoter bestellt.

Es war ja eigentlich ein schlechter Kampf. „Wladimir kann es sicher besser – aber ich habe auch von Tyson mehr erwartet“, sagte Peter Fury, der Onkel und Trainer des 27-jährigen Briten, als der gut eine Stunde später im kargen Presseraum von Fortuna Düsseldorf, dem Hausherrn , saß und die Gürtel durchzählte, die vor ihm aufgebaut waren: drei von den großen Weltverbänden, dazu der des Boxfachmagazins „The Ring“ (Bibel-Status).

Wladimir Klitschko setzte gegen Tyson Fury nur 52 Treffer

Die Geschichte des Kampfes war die, dass Klitschko keinen Zugriff bekam, er setzte nur 52 Treffer (normal sind bei ihm, wenn es über die vollen zwölf Runden geht, fünf- bis sechsmal so viele). „Fury war schnell, ich habe mich in der ersten Hälfte des Kampfes sicher gefühlt, danach aber die Distanz nicht gefunden“, rang Klitschko um eine Erklärung für seine Ratlosigkeit. Einmal traf er Fury richtig, in der 9. Runde, wurde in ihr aber selber noch heftiger getroffen. Schon nach der ersten Runde war der rechte Nasenflügel blutig gewesen. „Ich habe mich im Spiegel angesehen. Cuts sind die Nebenwirkungen des Boxens“, sagte der 39-Jährige.

Onkel Fury erklärte, dass die vielen Zuschauer hatten erkennen müssen, dass Boxen mehr ist als der eine vernichtende Schlag: „Boxen ist Kunst“, führte er aus, „es geht um vieles: den richtigen Winkel und die Distanz zu haben, um die passenden Körperbewegungen“. Das Team Fury setzte darauf, Treffer zu vermeiden – eigentlich eine Klitschko-Taktik. Und Boxen als Kunst – dem Champion wurde auch das noch genommen. Die Show hatte Tyson Fury ihm spätestens dann gestohlen, als er spontan im Ring noch Aerosmith sang. Fury: „Es war mein Abend.“

Witali über Wladimir Klitschko: "War es nur ein schlechter Tag oder doch kein Zufall?“ 

Für Wladimir Klitschko eine Demütigung, das alles. Dazu kam heftige Kritik aus der Familie. Bruder Witali stellte Grundsatzfragen: „Ich weiß, dass Wladimir einer der besten Techniker der Welt ist, und er hat eine gute Kondition. Aber heute haben wir davon nichts gesehen. War es nur ein schlechter Tag oder doch kein Zufall?“ Es war die schärfste Standpauke seit Wladimirs Niederlage 2004 gegen Lamon Brewster: Danach hatte Witali seinem jüngeren Bruder geraten, einen ernsthafteren Zugang zum Sport zu suchen – oder aufzuhören.

Über diese Krise ist Wladimir Klitschko hinweggekommen, und Witali sagt nun: „Die Show wird weitergehen.“ Wie Manager Bernd Bönte bestätigte, enthält der Vertrag mit Tyson Fury eine Rückkampfklausel, „davon, dass wir sie wahrnehmen, ist auszugehen“. Wladimir will über „das Wann, Wie und Wo“ erst nach Weihnachten nachdenken.

Tyson Fury sagte, er sei bereit. Er werde überall boxen, „auch in Aserbaidschan, der Türkei. Mexiko oder wieder in Deutschland. Kommt alle, es wird explosiv.“

Von Günter Klein

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