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Zehnkampf: Deutsch-Schweizerische Völkerverständigung zwischen Kaul und Ehammer

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Schnupperten ins Olympiastadion rein: Niklas Kaul (l.) und Simon Ehammer (r.) – unsere Zeitung war dabei.
Schnupperten ins Olympiastadion rein: Niklas Kaul (l.) und Simon Ehammer (r.) – unsere Zeitung war dabei. © privat

Die beiden Zehnkämpfer Niklas Kaul und Simon Ehammer genießen während der European Championships in München den Olympiapark.

München – Meistens sieht man die Könige der Leichtathletik ja über zwei Tage leiden. Doch als die Zehnkämpfer Niklas Kaul und Simon Ehammer am Freitagabend in einer Holzlounge oberhalb der kleinen Olympiahalle sitzen, wird vor allem viel gelacht. Am Montag und Dienstag tragen die vielseitigsten Athleten ihre Wettbewerbe im Olympiastadion aus, der Franzose Kevin Mayer gilt als großer Favorit. Und vorher? „Hier ist ganz viele positive Energie, die ich mitnehmen kann. Es ist wie ein Festival. Ich will das alles aufsaugen“, sagt Ehammer unserer Zeitung.

Kaul (24) pflichtet bei. Am Samstag will er sich alles im Olympiapark anschauen, positive Eindrücke sammeln, ab Sonntagmittag kehrt dann langsam Ruhe ein. Und ab Montag: leiden. „Man quält sich über zwei Tage. Und jeder, der auch startet, leidet mit“, sagt Ehammer. Für den Schweizer hat das eine verbindende Wirkung unter den Zehnkämpfern, jeder freut sich für jeden: „Es hat sich sicherlich niemand geärgert, dass ich 8,45 gesprungen bin...“, sagt Ehammer, ehe aus Kaul „Doch ich!“ rausgeschossen kommt. Mit einem Schmunzeln natürlich.

Die 8,45 Meter sprang Ehammer im Mai. Und verbesserte damit den Weitsprung-Weltrekord im Zehnkampf um 15 Zentimeter. Bei der WM in Eugene gewann der 22-Jährige Bronze. Es war die erste Medaille eines Zehnkämpfers in einer Einzeldisziplin. Wo die Leistungsexplosion herkommt? Vielleicht durch Freundin Tatjana Meklau? Kaul muss laut lachen, Ehammer grinst, aber Ehammer grinst sowieso immer sympathisch daher.

Für ihn sei die Leistung nicht überraschend gewesen. Er hatte sich die Weiten schon immer zugetraut. Kraft gibt die Familie und Freundin natürlich trotzdem: „Sie sind die, die mich ertragen müssen. Mit den Wettkämpfen kann ich ihnen etwas zurückgeben.“ Kaul, Vater und Mutter bilden das Trainerteam, sieht es genauso: „Der Großteil meiner Familie wird zum ersten Mal da sein. Leistungssport wäre ohne dieses Umfeld Familie nicht möglich. Man braucht Leute, die verstehen, warum man drei, vier Tage vor dem Mehrkampf untertäglich sein kann.“

Beim Gespräch ist das zum Glück nicht der Fall. Bleibt die große Frage: Wer landet am Ende von den Beiden weiter vorne? „Ganz klar: Am ersten Tag Simon und am zweiten Tag ich“, sagt Kaul. „Und dann schauen wir mal“, sagt Ehammer. Und grinst Richtung Olympiastadion.

NICO-MARIUS SCHMITZ

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