Klaas und Heidler

Zickenkrieg der Hammerwurf-Ladys!

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Kathrin Klaas weiß nicht, warum sie von Betty Heidler nicht beachtet wird.

Zürich - Betty Heidler und Kathrin Klaas würdigten sich nach dem Wettbewerb keines Blickes. Bei den beiden Hammerwerferinnen ist vor zwei Jahren der Zickenkrieg ausgebrochen.

Betty Heidler und Kathrin Klaas würdigten sich hinterher keines Blickes. Als sie in der Nacht erklären sollten, warum es bei der Leichtathletik-EM nicht zu der angestrebten Hammer-Medaille gereicht hatte, stellten sich die beiden starken Frauen möglichst weit voneinander entfernt auf und schauten in verschiedene Richtungen.

„Sie nimmt mich nicht wahr, ich weiß auch nicht, was ich getan habe“, sagte Klaas über ihre Rivalin, die einmal ihre Trainingspartnerin war. Seit zwei Jahren pflegt das ungleiche Duo mittlerweile ein Nichtverhältnis. In Zürich düpierte Klaas (72,89 m) die eigentliche Vorzeigewerferin Heidler (72,39), wurde am Ende aber wieder undankbare Vierte. Für Heidler blieb nur ein enttäuschender fünfter Platz.

Betty Heidler.

Ob sich damit die Hackordnung im Hammerwurf verändert habe, wurde Heidler dann noch gefragt. Schließlich sei sie von Klaas im Juli ja auch schon bei den deutschen Meisterschaften geschlagen worden. „Das ist mir ehrlich gesagt scheißegal, wer da vorne liegt“, sagte Heidler durchaus pikiert. Schon vor der EM hatte Klaas in der Frankfurter Rundschau gesagt: „Ich kann ihr gratulieren, aber sie kann das umgekehrt nicht. Mich stört das nicht. Es muss jeder wissen, wie er so etwas handhabt.“

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ist eigentlich stolz auf die gute Stimmung in der Mannschaft und beschwört bei jeder Gelegenheit den Teamgeist, der die Athleten zu Erfolgen treiben soll. Doch zwischen Heidler und Klaas herrscht dicke Luft: Jede kämpft für sich allein.

„Das ist bitter, das nervt“, sagte Klaas, nachdem sie wie schon bei der Heim-WM 2009 in Berlin und der EM vor zwei Jahren in Helsinki als Vierte die erste große Medaille ihrer Karriere verpasst hatte. Bis zum letzten Versuch lag die Frankfurterin noch auf dem Bronze-Rang, ehe die Polin Joanna Fiodorow im sechsten Durchgang (73,67) konterte. Gold sicherte sich erneut die Titelverteidigerin und Top-Favoritin Anita Wlodarczyk aus Polen mit neuem Landesrekord (78,76 m). Silber gewann wie 2012 die Slowakin Martina Hrasnova (74,66). Carolin Paesler (23, Frankfurt) wurde mit 61,89 m Zehnte.

Über den kleinen Sieg gegen Heidler freute sich Klaas dennoch: „Ich bin beste Deutsche. Damit hatte vorher sicher keiner gerechnet.“ Wohl auch nicht Heidler. „Ich habe mir echt ein Bein ausgerissen“, sagte die Ex-Weltmeisterin und Olympiadritte von London: „Es ist nicht das dabei herumgekommen, was ich draufhabe und was ich zeigen kann.“ Ob sie ihre Karriere über die Saison hinaus fortsetzen will, ließ Heidler offen: „Es ist kurz nach dem Wettkampf, warten wir erst mal ab.“ Zuletzt hatte die Weltrekordlerin angekündigt, im Herbst über ihre Zukunft entscheiden zu wollen.

Besser macht es Diskuswerferin Shanice Craft. Die 21-Jährige aus Mannheim holte sich am Samstagabend mit 64,33 Metern die Bronzemedaille. Sandra Perkovic spielte einmal mehr in ihrer eigenen Liga: Die 24-jährige Kroatin wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und feierte mit der Jahresweltbestweite von 71,08 Metern ihren dritten Europameistertitel in Serie. Silber ging an die Französin Mélina Robert-Michon (65,33). Direkt hinter ihrer Teamkollegin Craft landete Anna Rüh aus Neubrandenburg (62,46 Meter) auf dem vierten Rang; Fünfte wurde die Berlinerin Julia Fischer (61,20).

tz

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