Losglück und Topform: Zverev gehört in Paris zu den großen Favoriten

Tennisstar Alexander Zverev vor den French Open: Wenn nicht jetzt, wann dann ...

Alexander Zverev schlägt eine beidhändige Rückhand.
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Lässt die Muskel spielen: Alexander Zverev mit seiner beidhändigen Rückhand.

Es kommt einem bekannt vor: Kurz vor den French Open in Paris überschlagen sich die Experten mit den Lobeshymnen auf Alexander Zverev. „Er ist wieder da, wo er sein müsste, um zum Kreis der Favoriten zu zählen“, sagt Boris Becker zu den Chancen des 24-Jährigen beim zweiten Grand Slam Turnier des Jahres und fügt hinzu: „Die Bühne ist für ihn bereitet.“

  • Alexander Zverev bereit für die French Open in Paris
  • Tennislegende Boris Becker sieht in ihm einen Topfavoriten
  • Er muss einen Superstar schlagen, um die French Open zu gewinnen

Auch Beckers langjähriger Manager und Mentor Ion Tiriac ist von den Qualitäten des gebürtigen Hamburgers überzeugt: „Zverev hat alles, was man braucht, um Grand Slams zu gewinnen und die Nummer eins der Welt zu werden“, sagte der Rumäne und ist überzeugt, dass es bei seinem Talent nur eine Frage der Zeit sei, dass es auch soweit kommt. Und auch Bruder Mischa Zverev, der als Trainingspartner und Teilzeitmanager aktuell fungiert, glaubt: „Mein Bruder erreicht das Finale.“

Vieles spricht dafür. Die Form der Nummer sechs der Welt stimmt. Musste man sich nach seinem frühes Aus im Viertelfinale bei den BMW Open Anfang Mai in München noch Sorgen machen, so setzte er mit dem Turniersieg beim 1000er-Event in Madrid eine Woche später ein sportliches Ausrufezeichen. Fast noch wichtiger als die Siegertrophäe: der Triumph über Sandplatzdominator Rafael Nadal im Viertelfinale. Eine Woche später scheiterte Zverev an jenem Nadal beim Turnier in Rom, aber er weiß: Ich kann Nadal schlagen – auch auf Sand. Das muss er auch, wenn er in Paris gewinnen möchte. Auch in diesem Jahr wird der Titel in Paris nur über den dreizehnfachen Rekordsieger von Mallorca gehen.

Ähnlich wie die Experten-Tipps Richtung Zverev ist der Favorit Nadal ein stets wiederkehrendes Signal dafür, dass die French Open vor der Tür stehen. Also alles beim Alten: Die Experten trauen dem formstarken Zverev den Sieg zu – und am Ende triumphiert Nadal? Es gibt zumindest Hinweise, dass es dieses Jahr für Zverev zum großen Wurf reichen könnte. Der erste Hinweis führt nach Monaco. Hier konnte sich Zverev in den letzten zwei Wochen ausruhen. Er reist mit vollem Tank in die französische Hauptstadt.

Sehr gute Auslosung für den Deutschen in Paris

Anders als im vergangenen Herbst. Da stand die frühere Nummer eins der Jugend im US-Open-Finale gegen Dominic Thiem und sah lange wie der sichere Sieger aus. Doch am Ende gingen ihm die Kräfte aus. Zwischen den wegen Corona verschobenen French Open und dem Grand Slam in New York lagen gerade einmal zwei Wochen. Eine sehr kurze Regenerationszeit – freilich nicht nur für Zverev, sondern für alle Akteure. Doch Zverev lässt bei den großen Turnieren oft viel Kraft in den ersten Runden, benötigt viele Sätze, um in das Turnier zu finden. Ausgeruht und voller Selbstvertrauen sollte das bei den French Open 2021 kein Problem darstellen.

Ein noch größerer Vorteil für den ATP-Weltmeister von 2018 stellt die Auslosung dar. Sie scheint prädestiniert für einen kontinuierlichen Aufbau von der ersten Runde bis zum Finale. Zunächst trifft Zverev auf einen Qualifikanten. Die können auch Tennis spielen, sind aber beileibe nicht so gefährlich wie zum Beispiel ein Sandplatz-Spezialist aus den Top 50. Auch in der zweiten Runde wird Zverev gegen einen Qualifikanten antreten. Aber noch wichtiger: Mit den Superstars Rafael Nadal oder Novak Djokovic können sich seine Wege erst im Finale kreuzen.

Ob er einen Spieler dieses Kalibers in einem Fünfsatzmatch schlagen kann, bleibt nämlich die große Unbekannte. Bei Turnieren im Best-of-three-Modus ist dem Madrid-Champion dieses Kunststück oft gelungen. Egal ob gegen Nadal, Djokovic oder Federer. Bei einem Grand Slam konnte er jedoch noch nie einen Spieler aus den Top 10 schlagen. So schön der Einzug ins US-Open-Finale letztes Jahr war – die Abwesenheit von Nadal und Federer, sowie die Disqualifikation von Djokovic wirft eine leichten Schatten auf diese Leistung.

Bei den BMW Open antwortete Zverev auf die Frage, ob die Wachablösung im Spitzentennis vollzogen sei? Schließlich würde die junge Generation immer mehr Turniere gewinnen: „Nein. Soweit ist es noch nicht. Erst wenn wir anfangen, diese Drei auch bei den Grand Slams zu schlagen.“ Selten standen die Sterne für dieses Vorhaben so günstig wie in diesem Jahr –und für Alexander Zverev besonders günstig. Für ihn ist die Rechnung einfach: Schlägt er Rafael Nadal oder Novak Djokovic bei den French Open, hat er das Turnier gewonnen.

Was eine Überraschung wäre, aber keine Sensation. Soweit ist die Wachablösung dann immerhin schon vorangeschritten.

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