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Projekt erinnert an die Opfer des Olympia-Attentats in München

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Von: Sophia Oberhuber

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Die Befreiungsaktion am Militärflughafen Fürstenfeldbruck endete in einer Katastrophe.
Die Befreiungsaktion am Militärflughafen Fürstenfeldbruck endete in einer Katastrophe. © Heinz Gebhardt www.muenchenfoto.de

Zwölf Menschen wurden Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München. Ein Projekt erinnert ganzjährig an die Opfer des Anschlages. Im Februar liegt der Fokus auf dem Polizisten Anton Fliegerbauer.

München - Anton Fliegerbauer versuchte in der Nacht des 5. September 1972, israelische Geiseln zu befreien. Der Einsatz war sein letzter. Der Polizeiobermeister starb auf dem Militärflughafen in Fürstenfeldbruck. Palästinensische Terroristen hatten während der Olympischen Sommerspiele in München israelische Sportler als Geiseln genommen. In Fürstenfeldbruck versuchte man, die Geiselnahme zu beenden. Der Versuch scheiterte. Das Erinnerungsprojekt „Zwölf Monate – Zwölf Namen“ gedenkt Fliegerbauers nun mit einer Fassadeninstallation.

Im Olympischen Dorf nahmen Mitglieder der terroristischen Organisation „Schwarzer September“ 1972 elf israelische Geiseln. Zwei Sportler ermordeten sie sofort. Verhandlungen mit den Terroristen scheiterten. Man versprach ihnen schließlich ein Flugzeug am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck, das sie zusammen mit den neun verbliebenen Geiseln nach Kairo ausfliegen werde. In Wirklichkeit wollte man dort die israelischen Sportler befreien.

Olympia-Attentat München: Anton Fliegerbauer sollte bei der Befreiung der Geiseln helfen

Einer der Polizisten, die für den Einsatz nach Fürstenfeldbruck gerufen wurden, war Anton Fliegerbauer. Der 32-Jährige hatte zwei Geschwister, war verheiratet, hatte einen kleinen Sohn. Seine Frau Maria hatte er 1964 beim Tanzen kennengelernt. 1968 kam ihr Sohn Alfred zur Welt. Während der Spiele 1972 war Fliegerbauer einer Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei zugeteilt. Am 5. September wurde er mit seiner Einheit an den Militärflughafen nach Fürstenfeldbruck beordert. Fliegerbauer sollte bei der Befreiungsaktion helfen. Die Nacht sollte in einer Katastrophe enden.

Polizist Anton Fliegerbauer war verheiratet und hatte einen Sohn.
Polizist Anton Fliegerbauer war verheiratet und hatte einen Sohn. © Bildarchiv

Die Polizei war für den Einsatz in Fürstenfeldbruck weder ausgestattet noch ausreichend vorbereitet. Fliegerbauer wurde im Feuergefecht mit den Terroristen tödlich getroffen. Die neun Geiseln starben in den brennenden Hubschraubern. Fünf der acht Terroristen wurden getötet.

Jubiläumsprogramm zu 50 Jahre Olympiade in München soll jeden Monat den Opfern des Anschlags gedenken

2022 feiert München den 50. Jahrestag der Spiele, die heiter begannen und düster endeten. Das Gedenken an die Opfer des Olympia-Attentats soll dabei eine große Rolle spielen. Das Projekt „Zwölf Monate – Zwölf Namen“ erinnert mit unterschiedlichen Aktionen jeden Monat an eines der Opfer. Der Februar ist Anton Fliegerbauer gewidmet. Auf das Gebäude des Polizeipräsidiums an der Ettstraße wird ein Foto des Münchners projiziert.

Erinnerungsprogramm wurde unter anderem vom Jüdischen Museum München gestaltet

Das Jüdische Museum München hat das Erinnerungsprojekt zusammen mit dem NS-Dokumentationszentrum und dem Generalkonsulat des Staates Israel konzipiert. Thema sei dabei auch gewesen, wie im Rahmen des Projektes damit umzugehen sei, dass Anton Fliegerbauer Opfer des Anschlages, aber nicht Teil der israelischen Mannschaft war. „Den Familien der israelischen Opfer war es bereits bei der Vorbereitung zum Erinnerungsort sehr wichtig, auch an den Polizisten zu erinnern“, sagte Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums. Der Erinnerungsort im Olympiapark gedenkt aller zwölf Opfer des Anschlags und ihrer persönlichen Lebensgeschichten. Dementsprechend wurde auch das Jubiläumsprogramm gestaltet.

Zusätzlich zur Projektion auf das Polizeipräsidium wird es im Februar eine Gedenkveranstaltung für Anton Fliegerbauer geben. Die Polizeihochschule Fürstenfeldbruck wird dem Olympia-Attentat einen internen Ausbildungsschwerpunkt widmen.

Diese elf Sportler starben beim Olympia-Attentat 1972

Die Terroristen nahmen am Morgen des 5. September 1972 im Olympischen Dorf elf Geiseln. Moshe Muni Weinberg, Trainer der Ringer, und Gewichtheber Yossef Romano setzten sich gegen die Angreifer zur Wehr und wurden noch in der Unterkunft ermordet.

Die neun weiteren Sportler wurden am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck getötet. Gewichtheber David Berger erstickte im brennenden Hubschrauber. Gewichtheber Ze’ev Friedman erlag seinen Schussverletzungen. Yossef Gutfreund, Kampfrichter, wurde in einem der Hubschrauber erschossen. Ringer Eliezer Halfin wurde auf dem Flugfeld erschossen. Kehat Schor, Trainer der Sportschützen, starb durch eine Schussverletzung. Amitzur Shapira, Trainer einer Hürdenläuferin, verblutete in einem der Hubschrauber. Ringer Mark Slavin wurde von Schüssen der Terroristen tödlich getroffen. Andrei Spitzer, Trainer der Fechter, wurde erschossen. Yakov Springer, Kampfrichter, starb an den Folgen von Schussverletzungen.

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