Die Angst vor der Segelseuche

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Nach der Reinigung (Foto) soll die Bucht mit Netzen vor den Algen geschützt werden, deren Herkunft noch ungeklärt ist.

Peking - Algenplage, Fäkalien und Chemikalien im Olympiarevier: Die Segler schlagen Alarm.

Erst war's die Grüne-Algen-Pest, dann die wochenlange Flaute und der Nebel. Sehr vorsichtig formuliert: Das olympische Segelrevier von Qingdao (548 km von Peking entfernt) ist noch kein Paradies.

Die deutschen Olympia-Segler schlagen jetzt Alarm, sie haben Angst vor dem Ekelwasser im Gelben Meer! Zwar gehen die Organisatoren gegen die Probleme vor – aber die Art und Weise schafft neue Widrigkeiten. Denn die Chinesen sollen jetzt versuchen, die Probleme mit Chemikalien zu bekämpfen. Außerdem fließen täglich ungefiltert Abwässer in die Bucht…

Ulrike Schümann, Steuerfrau der Yngling-Crew, zur tz: „Gott bewahre, dass eine von uns ins Wasser fällt. Ich habe keine Lust auf drei Tage Durchfall.“ Deshalb nimmt die Bordchefin schon seit sechs Monaten vorsorglich täglich Hefe-Tabletten ein. „Falls man doch Wasser schluckt, wäre meine Darmflora stärker gegen Keime und Bakterien geschützt“, erklärt die 35-Jährige.

Vivien Kussatz (35), die Vorschoterin der deutschen 470er-Crew hat noch ein Rezept – das allerdings nicht immer durchzuhalten sein dürfte: „Ich mache nicht einmal mehr den Mund auf, wenn Wasser spritzt.“ Wenn’s denn immer nur Wasser wäre… Kussatz erinnert sich mich Grauen an einen der letzten Einsätze vor Qingdao: „Beim letzten Training vor Ort war ein Kanalrohr geplatzt, die ganzen Fäkalien schwammen oben. Wir haben uns geweigert, weiter zu trainieren, haben alle Angst vor schlimmen Krankheiten.“

Petra Niemann (29) ist gelernte Apothekerin und sitzt im Laser-Boot. Auch sie ist gewarnt: „Die meisten von uns haben sich vorsorglich gegen Hepatitis A und B impfen lassen, wenn nicht Olympia wär’, wären wir alle sicherlich nicht hier.“ Da gibt ihr Kussatz Recht: „Wir sind noch nie in einem Revier gesegelt, das so dreckig ist.“

Jetzt hoffen alle auf Besserung. Denn immerhin haben die 130 000 Helfer mit ihren 100 Booten insgesamt 14 000 Quadratmeter Wasser per Hand von den grünen Algen befreit. Niemann: „Die Leute vor Ort geben sich schon Mühe, wegen der Algenplage wurde die komplette Bucht nun mit Netzen abgeschottet.“Und deswegen will sich Schümann auch nicht den Optimismus nehmen lassen: „Sicherlich ist das kein optimales Revier. Aber alle haben dieselben schlechten Bedingungen. Wenn wir cool bleiben, ist trotzdem eine Medaille drin!“

uk, cf, dp

Quelle: tz

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