Franke: Es wird manipuliert wie immer

Dopingflut in Peking?

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Olympische Spiele ohne Doping? Das bleibt wohl ein frommer Wunsch.

Peking - Der Skandal bei der Tour de France hat auch Deutschlands obersten Olympier in Angst und Schrecken versetzt.

„Es wird mit Dreistigkeit weitergedopt“, erkannte ein entsetzter DOSB-Boss Thomas Bach. Und er wird – wie so viele – mit einem mulmigen Gefühl Richtung Peking blicken. „Das olympische Antidoping-System ist engmaschiger als je zuvor“, sagt Bach zwar, doch viele Experten sind sich sicher, dass bei Olympia zahlreiche Betrüger am Start sein werden.

Droht jetzt die Dopingflut in Peking?

Bei Olympia 2004 wurden bei 3700 Kontrollen 23 Athleten überführt, darunter drei Olympiasieger (Irina Korschanenko/Kugel, Robert Fazekas/Diskus, Adrian Annus/Hammer). In 18 der 23 Fälle wurde Hormon-Doping nachgewiesen – der Klassiker…

In Peking werden es bei 10 500 Athleten 4500 Doping-Kontrollen sein. Die Tests sind während der Spiele (8. bis 24. August) und in den 13 Tagen vor Eröffnung des Olympischen Dorfes geplant. 4000 Urinproben werden binnen 48 Stunden ausgewertet, 500 Blutproben in 72 Stunden. Erstmals wird laut WADA-Boss John Fahey auch nach Wachstumshormonen gefahndet. Alle Proben sollen acht Jahre eingefroren werden, damit sie später auf jetzt noch nicht entdeckbare Substanzen untersucht werden können.

Kontrollen, die wenig bringen, wie Werner Franke sagt. „Olympia ist eine scheinsaubere Welt“, sagt der Biologe. „Es wird manipuliert wie immer – nur auf höherem Niveau. In jeder großen Sportnation weiß man, wie man richtig dopt. Auch Deutschland gehört zu den führenden Ländern. Aber alle Nationen werden noch übertroffen von China, dem Haupthersteller von Doping-Drogen. Das Hauptproblem ist: Wenn die Fahnder das Visum haben, hat das Warnsystem längst funktioniert.“

95 Prozent der Ausdauerleistungen, so Franke, könne man vergessen, die Kontrollen seien ohne großen Wert. „Erwischen lassen sich nur Idioten“, sagt der Mediziner. Er glaubt, dass die weltweit rund 50 Millionen Euro, die für den Kampf gegen Doping ausgegeben werden (in Deutschland rund 5 Millionen), oft fehlinvestiert sind, weil die Kontrollen „zu wenig intelligent“ seien. Auch Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln, sagt: „Wir brauchen mehr Forschung, auch in Sachen Gendoping.“

Um positive Tests zu verhindern, wird weiterhin getrickst. Laut Franke vor allem mit der chemischen Substanz „Urine Luck“, die im Internet zu beziehen sei und zu 99,6 Prozent unerwünschte Ergebnisse verhindere. Oder man verwende ein Pülverchen aus eiweiß-abbauenden Enzymen, „die beim Pinkeln als Stäubchen dem Urin mitgegeben werden“.

In einer 45-minütigen Reportage legt die ARD offen, dass Gendoping in China möglich ist. Den als Schwimmtrainer getarnten Autoren Hajo Seppelt und Jo Goll wurden nach eigenen Angaben in einem chinesischen Krankenhaus Mittel zum Gendoping für 24 000 Dollar angeboten. Sendetermin der Reportage ist Montag, 21 Uhr. Ein TV-Aus bei Olympia wegen zu vieler Dopingfälle ist bei der ARD nicht geplant. NDR-Programmdirektor Volker Herres: „Es wäre ein großer Fehler, auszusteigen.“

Quelle: tz

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