Starke Schmerzen im Training

Felix Neureuther: War's das jetzt mit Olympia?

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Ist der Olympia-Traum von Felix Neureuther ausgeträumt?

Sotschi - Der Geist ist willig, doch der gebeutelte Körper wohl zu schwach: Felix Neureuther hat nach seinem Unfall auf dem Weg zum Flughafen München den Kampf um Olympia so gut wie verloren.

Die Piste am "Rosa Peak" war weich und die Sicht wegen Nebels miserabel, als Felix Neureuther eine Spurrille erwischte, die seinen Traum von Olympia wohl endgültig zerstörte. Ein stechender Schmerz im Nackenbereich, es ging nicht mehr. Zwei Tage vor seinem geplanten ersten Rennen in Sotschi musste Neureuther am Montag sein erstes Training in Rosa Chutor abbrechen. Sein Start  bei den Spielen scheint nahezu ausgeschlossen.

Am Freitag hatte Felix Neureuther unangenehme Bekanntschaft mit einer Leitplanke gemacht, als er gemeinsam mit seiner Herzdame Miriam Gössner auf dem Weg zum Münchner Flughafen war. Glatteis hatte den Ski-Star auf der A 95 überrascht, sein Wagen geriet ins Rutschen und kollidierte mit der Planke. Das schmerzhafte Resultat: ein Schleudertrauma und eine Zerrung des Bandapparates.

Felix Neureuther: Start im Riesenslalom

Am Sonntagabend hatte sich Neureuther in Sotschi noch als begnadeter Entertainer präsentiert. Es sieht so aus, als bliebe dies sein einziger großer Auftritt bei Olympia 2014. Auch, wenn Alpinchef Wolfgang Maier erstmal nur vom Riesenslalom sprach - und sich auch da noch nicht endgültig festlegen wollte: "Wie es aktuell aussieht gehe ich tendenziell davon aus, dass er am Mittwoch nicht starten wird", sagte er laut der Münchner tz.

Noch am Sonntag hatte Neureuther geschworen, er werde "alles probieren", um an den Start zu gehen. Und am Montagmorgen ließ es sich zunächst gut an. Das freie Fahren klappte gut, also entschloss Neureuther sich zu einem Test in den Stangen. Auch da hatte erbeim ersten Versuch keine größeren Probleme. Beim zweiten Lauf erwischte Felix Neureuther dann aber besagte Spur, sein Kopf wurde zur Seite gerissen, er brach das Training ab.

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Schleudertrauma wurde reaktiviert

"Er musste es probieren, wenn er am Mittwoch im Riesenslalom starten will", so Maier weiter. "Schließlich muss er die Wettkampfbelastung testen." Noch am Montagmorgen unterzog sich Neureuther einer Kernspintomographie. Das Ergebnis: Zwar gibt es keine neuen Verletzungen. Doch das Schleudertraum, das ihn nach seinem Unfall plagte, wurde reaktiviert. "Das ist natürlich ein Rückschlag, aber ich werde alles tun, um schnellstmöglich wieder gesund zu werden", sagte Neureuther laut DSV. Der 29-Jährige wird am Dienstag auf das Skitraining verzichten. Erst kurz vor Rennstart entscheidet er am Mittwoch über seine Riesenslalom-Teilnahme.

Für das Rennen in seiner Spezialdisziplin Slalom am Samstag "werden wir alles versuchen, um ihm wenigstens eine Chance auf einen Start zu ermöglichen." Maier klang wenig optimistisch.

Fall Neureuther "extrem bitter"

Eingemummelt in einen dicken Schal und mit hängendem Kopf verließ Felix Neureuther den Trainingshang in Rosa Chutor, er begab sich sofort wieder in Behandlung seines Physiotherapeuten Martin Auracher.

"Die ganze Situation ist extrem bitter", sagte Maier mit einem Schuss Verzweiflung. "Sowohl für ihn, als auch für das Betreuerteam." Neureuthers Autounfall am vergangenen Freitag hat nicht nur den besten deutschen Ski-Rennläufer, sondern den ganzen Skiverband durchgerüttelt. "Felix ist in der Form seines Lebens - und dann passiert ihm dieser Unfall."

Es ist eine Situatiuon eingetreten, in dem Beobachter gerne das Wort "ausgerechnet" benutzen. Ausgerechnet jetzt! Ausgerechnet Neureuther! Der 29 Jahre alte Partenkirchner ist im Spätsommer seiner Karriere stark wie nie. Sechs Rennen hat er in  den vergangenen beiden Jahren gewonnen, weitere sechs Mal stand er im Weltcup auf dem "Stockerl". Bei der WM 2013 gewann er Slalom-Silber.

Hier verlässt Neureuther nach seinem Unfall die Praxis

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In Sotschi sollte Felix Neureuther als erster Deutscher seit Markus Wasmeier 1994 wieder eine Alpin-Medaille gewinnen. Schon im Riesenslalom rechnete er sich nach seinem Sieg in Adelboden im Januar gute Chancen aus. Im Slalom sollte sein Duell mit Weltmeister Marcel Hirscher aus Österreich einer der großen Zweikämpfe der Spiele werden. Und jetzt?

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Auf "Biegen und Brechen" wolle er nicht starten, hatte Neureuther am Sonntag noch gesagt. Es sieht so aus, als müsste die Brechstange tatsächlich im Werkzeugkoffer bleiben.

Neureuthers größter Konkurrent Marcel Hirscher (AUT) hofft auf einen Start des 29-Jährigen. "Ich drück dir die Daumen, dass du und dein Team das bis Mittwoch hinkriegen. Ich bin überzeugt davon, dass es klappen wird."

mes/mm/sid

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