Sie trägt die Fahne

Höfl-Riesch: Eltern verpassen ihren Auftritt

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Maria Höfl-Riesch

Sotschi - Maria Höfl-Riesch darf bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele die deutsche Fahne tragen. Ihre Eltern werden den großen Auftritt aber verpassen. Ein Weihnachtsgeschenk kommt ihnen dazwischen.

Maria Höfl-Riesch darf bei der Eröffnungsfeier am Freitag in Sotschi (17 Uhr) die deutsche Fahne tragen. Bisher war Hilde Gerg 2002 in Salt Lake City als einziger Skifahrerin diese Ehre zuteil geworden. „Es ist das Größte für einen Sportler, bei Olympia dabei und auch erfolgreich zu sein. Aber die Fahne zu tragen, ist halt noch mal auf einer anderen Ebene etwas ganz Besonderes“, beteuerte Höfl-Riesch und ergänzte fast pflichtbewusst: „Das ist eine riesengroße Ehre für mich. Ich bin sehr, sehr stolz darauf. Ein Traum geht in Erfüllung.“

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Maria freut sich und ihre Familie feiert mit. „Ich habe mit Maria telefoniert und ihr gratuliert. Ich freue mich riesig für sie und bin sehr stolz auf meine Schwester. Es ist eine große Ehre, das deutsche Team bei der Eröffnung anzuführen“, sagte Susanne Riesch der tz und versicherte: „Ich werde mir das auf jeden Fall im Fernsehen anschauen.“ Stolz wie Oskar war auch Papa Siegfried Riesch, als die tz ihn in seinem Büro erreichte. „Ich war sehr gespannt auf die Entscheidung und habe ständig die Nachrichten verfolgt. Es ist toll, dass Maria die Fahne tragen darf. Das ist eine große Ehre, die einem nur einmal im Leben zuteil wird“, so Riesch. Zusammen mit Tochter Susanne können sie die Show aber leider nicht live verfolgen, ein Weihnachtsgeschenk kommt dazwischen. Papa Riesch: „Wir haben Karten für den Cirque du Soleil in München geschenkt bekommen und können sie nicht umtauschen. Aber bei der Wiederholung um 0.45 Uhr sind wir vor dem Fernseher.“

mm, bea

Darum sagte Henkel ab

Die Entscheidung für Maria Höfl-Riesch als Fahnenträgerin war spätestens dann gefallen, als Mit-Favoritin Andrea Henkel ihren Verzicht bekannt gab. Sie hatte am Donnerstagvormittag auf ihrer Facebookseite mitgeteilt, „dass ich mich im Sinne der Wettkämpfe, für die ich vier Jahre trainiert habe, von der Wahl zurückziehen muss“. Henkel bestreitet am Sonntag ihren ersten Wettkampf. Die ebenfalls gehandelte Claudia Pechstein, 2009 aufgrund eines indirekten Dopingnachweises für zwei Jahre gesperrt, gratulierte sportlich fair: „Ich freue mich sehr für Maria und wünsche ihr eine tolle Eröffnungsfeier.“

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Ich hatte das Glück, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City, die deutsche Fahne tragen zu dürfen. Für einen Sportler ist es eine sehr große Ehre, wenn man dafür ausgesucht wird, auch ich habe das so empfunden. Zumal ich bisher die einzige Skifahrerin war, der diese Chance zuteil wurde. Dass nun Maria als Zweite ausgewählt wurde, freut mich. Ihre Erfolge sprechen für sich, sie hat es verdient.

Der Moment, wenn man an der Spitze der Mannschaft, mit der Fahne in der Hand, ins Stadion einläuft und ein Stück weit sein Heimatland repräsentiert, ist ein Highlight. Aber man darf auch nie vergessen, dass diese Aufgabe auch weniger positive Aspekte mit sich bringt. Es gibt einiges zu organisieren, man muss lange in der Kälte stehen und kann sich nicht so gezielt auf seinen Wettkampf vorbereiten.

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Außerdem gibt es noch den angeblichen Fahnen-Fluch: Viele Träger und Trägerinnen sind amtierende Olympiasieger, gewinnen dann aber keine Medaillen. Auch ich bin in Salt Lake City nur Vierte in der Abfahrt und Fünfte im Super-G geworden. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es gemacht habe, aber wenn mir vorher jemand versprochen hätte, dass ich eine Medaille gewinne, wenn ich die Fahne nicht trage, hätte ich darauf verzichtet. Jeder Athlet, der diese Chance bekommt, muss das Für und Wider gut abwägen. Ich glaube, es gab durchaus auch schon Sportler, die es abgelehnt haben.

Dennoch, mein Auftritt ist immer noch eine superschöne Erinnerung, die ich nicht missen möchte. Und wenn Maria mit der Fahne ins Stadion läuft, werde ich es im Fernsehen mitverfolgen. Ich freue mich, dass es endlich losgeht und bin gespannt, wie viele Medaillen die deutsche Mannschaft mit nach Hause bringt.

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