Opferberatungsstelle mit traurigen Zahlen

München: „Corona-Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger“ - Rassismus massiv verbreitet

Während der Pandemie kommt es vermehrt zu Rassismus - das geht aus Statistiken hervor. Für die Münchner Opferberatungsstelle gibt es deutlich mehr zu tun.

München - In Corona*-Zeiten wächst der Rassismus. Zu diesem Ergebnis kommt die Münchner Opferberatungsstelle Before. Mit dieser traurigen Erkenntnis steht sie nicht alleine da. In der Vorwoche berichtete die Leiterin der städtischen Fachstelle für Demokratie, Miriam Heigl, von einer zunehmenden Radikalisierung fremdenfeindlicher Diskurse. Untermauert wird dies von der Polizeistatistik. 412 Straftaten wurden 2020 in diesem Bereich aktenkundig, 2019 waren es 295. Siegfried Benker, Before-Vorsitzender, resümiert: „Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf die bestehenden Probleme in München* bezüglich Ausgrenzung und rechter Gewalt.“

Der Verein kümmert sich um Opfer von Diskriminierung. 192 Beratungsfälle sind 2020 neu hinzugekommen, eine Steigerung von mehr als 30 Prozent gegenüber 2019. Insgesamt suchen bei Before aktuell 324 Münchner Unterstützung. Weil sie menschenfeindlichen Angriffen ausgesetzt waren – verbal oder mit direkter Gewalt.

Deutliche Zunahme von rassistischen Diskriminierungen bereits 2020

Before hat 2020 zudem eine deutliche Zunahme von rassistischen Diskriminierungen gegen Menschen mit asiatischem Aussehen festgestellt. Betroffene würden oft mit Bezug zu ihrer (angenommenen) Herkunft und der Corona-Pandemie angefeindet, beschimpft, bedroht und angegriffen. So berichtet eine aus Indonesien stammende Studentin, wie sie in einem Supermarkt aus dem Nichts wüst von einer Frau beschimpft worden sei. Unter anderem mit den Worten: „Es sind zu viele von euch hier!“

Laut Before hat 2020 auch die gruppenbezogen motivierte Gewalt im häuslichen Umfeld zugenommen. Die Beratungsfälle hätten sich hier verdreifacht. Diskriminierung am Arbeitsplatz sei ebenso ein wachsendes Problem. Ferner beobachtet Before, dass Menschen in der Pandemie den Verein für ihre Zwecke missbrauchen wollen: „Es wird immer häufiger versucht, ohne einen nachvollziehbaren medizinischen Grund mithilfe der Beratungsstelle die Maskenpflicht zu umgehen.“ - KLAUS VICK - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Thomas Vonier/imago

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare