Olympiatagebuch

Bilder: So wild wird in Sotschi gefeiert

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Das deutsche Haus in Krasnaja Poljana.
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Die deutschen Goldadler im Austriahaus: Gut bewirtet, als das deutsche Haus schon geschlossen war.
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Andreas Wank bekam von den Österreichern eine Torte.
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Gegen ein Uhr sollte Schluss sein…
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Im Austriahaus rocken die Stars: Bode Miller mit seiner Morgan, ...
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... Liz Goergl singt auf der Bühne.
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Public Viewing im Deutschen Haus – um 0.00 Uhr ist der Kamin aus...

Sotschi - Wenn es Nacht wird in Sotschi, gehen die Feierlichkeiten erst so richtig los. Aber nicht nur die Olympiateilnehmer werden munter...

Wenn es dunkel wird über den Dächern Sotschis, werden die Olympiateilnehmer munter – und nicht nur sie. Ein gewisses amouröses Interesse ist bei den vorübergehenden Bewohnern des Bergdörfchens Krasnaja Poljana in den vergangenen Tagen nicht zu übersehen. Aber keine Sorge, mit dem Deutschen Haus hat das wenig zu tun, da sind die Schotten dicht, bevor es interessant werden könnte. Am Montag bekommt das unser goldiges Skisprung-Quartett zu spüren. Im eigenen Heim sind sie in ihrer triumphalen Nacht recht bald nicht mehr erwünscht, zum Glück gewährt ihnen das Österreicher-Haus, in dem Bode Miller Valentinstag mit Morgan feierte, Asyl.

Tags darauf sind Severin Freund & Co. erneut im Ö-Haus – clever, einen Österreicher als Trainer zu engagieren, endlich zahlt es sich aus. Außerdem tröpfeln deutsche Funktionäre, Athleten und Journalisten bei den feierwütigen Österreichern ein. Der auffällig gutgelaunte Andi „Goldi“ Goldberger scherzt mit Noriaki Kasai auf der Bühne über alte Zeiten, bis der Japan-Oldie offenbart: „Andi, ich liebe dich.“ Machen Sie sich keine falschen Hoffnungen, wir sind noch nicht bei den amourösen Verflechtungen angekommen, dafür bedarf es eines Location-Wechsels in den Sky Club.

Aber noch sind wir bei den deutschen Adlern, die bekommen gegen 0.30 Uhr ein deliziöses Mahl serviert. Zugegeben, um diese Uhrzeit hat eigentlich auch die Ösi-Küche schon geschlossen, aber wenn Olympiasieger zu Gast sind… Dass das halbe Kilo Fleisch auf dem Teller ebenso wenig aufgegessen wird, wie Andi Wanks Geburtstagskuchen, gerät zur Nebensache. Auch dass Andis Ehrentag eigentlich schon vorbei ist, interessiert niemanden. „Er darf seinen Geburtstag so lange feiern, wie er will“, bestätigt mir Marinus Kraus. Die Band kündigt währenddessen ihr letztes Lied an, muss dies aber schnell revidieren. Liz Goergl, die furchtlose Speed-Queen aus der Steiermark, greift zum Mikro, trällert den Fendrich-Klassiker I am from Austria und kommandiert Schlierenzauer, Diethart und Haybök auf die Bühne. „Singen kann er nicht, ich glaube, es ist ihm peinlich“, raunt mir Diethart-Freundin Anna zu. Sie halten sich tapfer.

Wenn selbst im Ö-Haus die letzten Stimmen verklingen, treibt es die Nachtschwärmer in den Sky Club. Frei nach dem Motto „in ist, wer drin ist“ treffen sich hier die Liebesbedürftigen. Ob solo oder nicht, spielt keine Rolle. Mitarbeiter des Deutschen Party-Hauses werden ebenso innig umschlungen gesichtet, wie Olympiasieger und deren Groupies. Pressevertreter nutzen die Möglichkeit für sehr tiefgründige Einzel-Interviews und dringen noch genauer in ihr Fachgebiet ein. Aber: Was im Sky Club passiert, das bleibt im Sky Club. Und wem das zu unsicher ist, der kann 6000 Rubel für ein Séparée berappen. Wenn mein Umrechnungskurs der vergangenen zwei Wochen stimmt, müssten das um die 120 Euro sein. Das können sich alle vorübergehenden Bewohner in Krasnaja Poljana leisten – und einige tun das auch...

Mathias Müller

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