Shorttrackerin Susanne Rudolph gibt alles für ihren Olympiatraum

Peking? Ich schufte schon für Vancouver

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Das große Ziel vor Augen: Susanne Rudolph (roter Helm) beim Training

Woran denken Sie, wenn Sie Olympia hören? Peking, na klar.

Susanne Rudolph fällt in Bezug auf Olympische Spiele etwas anderes ein: Während sich die Sommersportler Gedanken über Smog und Algenalarm in China machen, quält sich die Münchner Shorttrackerin in der Eishalle nur für eines: für die Winterspiele 2010.

Peking? Ich schufte schon für Vancouver… „Es soll der Schlusspunkt meiner Karriere sein“, erzählt die 27-Jährige, die mit der Shorttrack-Nationalmannschaft einen Lehrgang in München absolviert hat. Nach den Spielen in Kanada hört sie endgültig auf mit dem Leistungssport. Zweimal war sie bei Olympia schon dabei, in Salt Lake City 2002 und vier Jahre später in Turin. „Eigentlich wollte ich 2006 schon Schluss machen, aber weil es so gut ging, habe ich weitergemacht“, meint die Grafingerin, deren Paradedisziplin die 500 Meter sind.

Das letzte sportliche Highlight ist nun Vancouver. Und die Voraussetzungen für eine gute Leistung in Kanada sind gar nicht schlecht. Bis 2007 war Rudolph einer ständigen Doppelbelastung ausgesetzt: Studium der Architektur und Leistungssport wollten unter einen Hut gebracht werden. „Da war ich dann morgens um acht auf dem Eis zum Training. Danach ging es ab in die Uni und nach der Uni wieder aufs Eis“, berichtet sie. „Aber Shorttrack macht man ganz oder gar nicht.“

Deshalb ist sie seit April bei der Bundeswehr, wird jetzt von der Sportförderung unterstützt und kann sich bis 2010 ganz auf ihren Sport konzentrieren. „Das Architekturstudium habe ich deshalb erst mal auf Eis gelegt“, erzählt sie.

Aufs Eis legen – das sollte sie sich bei Olympia besser nicht. Auch weil dabei so einiges passieren kann. „Es wird viel gestört, gerempelt und disqualifiziert beim Shorttrack“, erzählt der deutsche Teamleader Helmut Kraus. „Und es gibt viel Gedränge.“ Da kann es schon mal passieren, dass mehrere Läufer stürzen. „Und das ist brenzlig“, so Kraus. Vor allem gefährdet: der Kopfbereich. Denn wenn die Shorttracker stürzen und mit dem Gesicht an der Kufe eines Konkurrenten hängenbleiben, kann mehr als ein kleiner Kratzer zurückbleiben. „Aber mir ist bisher nichts Schlimmeres passiert und ich hatte auch noch keine Schnittverletzungen“, ist Susanne Rudolph froh. „Und im Training passiert sowieso kaum etwas“, ergänzt Teamleader Kraus.

Überhaupt hat sich im Training des deutschen Shorttrack-Teams viel geändert. Seit Kurzem steht ein neuer Übungsleiter an der Bande – oder besser sagen: mitten auf dem Eis. Im Kanadier Éric Bédard wurde ein Trainer verpflichtet, der selbst erfolgreicher Shorttracker war. Und das merkt man. „Er weiß, wovon er spricht“, beschreibt ihn Rudolph. „Und er macht viel selbst vor.“ Helmut Kraus ist ebenfalls begeistert von Bédard: „Er kann Shorttrack aus dem Bauch heraus erklären und leben“, so der deutsche Teamleader.

Vielleicht ist es ja gerade das Training mit dem Kanadier, mit dem Susanne Rudolph zu einer guten Leistung in Vancouver läuft. Aber olympisches Gold als Ziel auszugeben, hält sie für vermessen. „Unter normalen Umständen kann ich im Einzel keine Goldmedaille holen. In der Staffel ist das schon wahrscheinlicher.“

cl

Quelle: tz

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