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Schreien, tanzen, trinken

Boll wird nach Bronze zum Feierbiest

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Timo Boll ließ sich nach dem letzten gewonnenen Einzel hochleben

London - Mit der Bronzemedaille im Team ist Olympia für Timo Boll doch noch versöhnlich zu Ende gegangen. Der deutsche Tischtennis-Star feiert nach dem letzten Punkt ungewohnt emotional.

Wer hätte das gedacht? Selbst in Timo Boll steckt ein Feierbiest. Nach seinem Bronze-Ball ließ der Star des deutschen Tischtennis, für den ein Hüpferchen bereits Ausdruck inneren Überschwangs ist, es krachen wie noch nie. Er feuerte ein gewaltiges „Chooooo!“ durch die ExCeL-Arena, dann sprang er Dimitrij Ovtcharov in die Arme. Am Ende tanzte Boll mit den Kollegen im Kreis herum - und ließ erahnen, dass er nicht ganz nüchtern ins olympische Dorf zurückkehren würde.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Britta Heidemann hat den deutschen Medaillenbann gebrochen - die Degenfechterin holte mit Silber das erste deutsche Edelmetall.  © dpa
Für das erste Gold sorgte dann die deutsche Equipe im Vielseitigkeitsreiten. Michael Jung, Ingrid Klimke, Sandra Auffarth, Dirk Schrade, Peter Thomsen ritten der Konkurrenz einfach auf und davon.  © dpa
Michael jung bescherte sich an seinem 30. Geburtstag gleich ein zweites Mal mit Gold: Nach dem Erfolg mit der Mannschaft holte er sich auch den Sieg in der Einzelkonkurrenz.  © dpa
Teamkollegin Sandra Auffarth kam im gleichen Wettbewerb auf den dritten Platz - die erste Bronzemedaille für das deutsche Olympiateam!  © dapd
Eine echte Überraschung gelang Sideris Tasiadis: Im Kanuslalom im Canadier-Einer holte der Augsburger Silber.  © dpa
Nach Gold in Peking vor vier Jahren bestätigte Judoka Ole Bischof seine Leistung auch in London. Der Reutlinger musste sich erst im Finale geschlagen geben - Silber!  © dpa
Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt holen das erste Edelmetall auf dem Dorney Lake - die Deutschen rudern im Doppelvierer zur Silbermedaille.  © dapd
Gold für das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes: Filip Adamski, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Richard Schmidt, Lukas Müller, Florian Mennigen, Kristof Wilke und Martin Sauer werden ihrer Favoritenrolle gerecht.  © dapd
Judith Arndt hat in ihrem letzten olympischen Radrennen auf der Straße die Silbermedaille im Zeitfahren gewonnen.  © dapd
Noch ein Augsburger Medaillengewinner! Nach Sideris Tasiadis am Tag zuvor hat Slalomkanute Hannes Aigner im Kajak Bronze geholt.  © dpa
Tony Martin sicherte den Radfahrern das zweite Edelmetall auf den Straßen Londons: Im Zeitfahren wurde er Zweiter.  © dpa
Kerstin Thiele hat im Judo in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm völlig überraschend Silber erkämpft.  © dpa
Marcel Nguyen aus Unterhaching, der in München geboren ist, hat beim Mehrkampf-Finale der Kunstturner überraschend die Silbermedaille gewonnen.  © dpa
Dimitrij Ovtcharov sicherte sich überraschend Bronze im Tischtennis-Einzel.  © dpa
Judoka Dimitri Peters legte einen bärenstarken Auftritt hin und sichert sich ebenfalls Bronze.  © dpa
Kristina Vogel und Miriam Welte haben sich im Bahnrad-Teamsprint Gold geholt, obwohl sie das Finale gegen China verloren haben. Doch die Asiatinnen wurden nachträglich wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert.  © dpa
Die Teamsprinter Rene Enders, Maximilian Levy und Robert Förstemann haben im Teamsprint der Männer wenig später ganz ohne Jury-Entscheid die Bronzemedaille gewonnen.  © dpa
Das nächste Ruder-Gold im Doppel-Vierer der Männer: Karl Schulze (Dresden), Philipp Wende (Wurzen), Lauritz Schoof (Rendsburg) und Tim Grohmann (Dresden) siegten nach einer eindrucksvollen Leistung bei der olympischen Ruder-Regatta auf dem Dorney Lake.  © getty
Judoka Andreas Tölzer (r.) sicherte sich im Schwergewicht das bronzene Edelmetall.  © dpa
David Storl hat im Kugelstoßen die erste Leichtathletikmedaille für die Deutschen geholt - Silber!  © dpa
Erst Silber, dann disqualifiziert, dann Silber: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf macht es spannend - und holt am Ende doch eine Medaille!  © dpa
Auch sie fielen einer Jury-Entscheidung zum Opfer und verpassten so das Finale. Die Herren freuten sich dann aber dennoch über Edelmetall: Das Florett-Team Benjamin Kleibrink (L-R), Peter Joppich und André Wessels holten Bronze. Nicht im Bild ist Sebastian Bachmann, der nach einem Sturz in seinem Gefecht verletzt aufgeben musste.  © dpa
Marcel Nguyen sorgte nach seinem zweiten Platz im Mehrkampf für die erste Olympia-Medaille seit 24 Jahren für deutsche Turner am Barren. Er holte Silber.  © dpa
Fabian Hambüchen hat sich mit Silber am Reck seinen Traum von einer erneuten Olympia-Medaille erfüllt.  © dpa
Nach achtmal Gold bei acht Starts hintereinander gewann das deutsche Dressur-Team diesmal "nur" die Silbermedaille.  © dpa
Maximilian Levy hat im Keirin-Wettbewerb der Bahnradfahrer Silber geholt.  © dpa
Robert Harting hat im Diskus Gold geholt  © dpa
Sebastian Brendel holte sich Gold im Einer-Canadier.  © dpa
Martin Hollstein und Andreas Ihle paddelten im Zweier-Kajak dank eines tollen Endspurts zu Bronze.  © dpa
Max Hoff schnappte sich im Einer-Kajak Bronze.  © AP
Der deutsche Vierer mit Carolin Leonhardt (Lampertheim), Franziska Weber (Potsdam), Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) schaufelte sich zu Silber.  © dpa
Timo Boll gewinnt mit der deutschen Tischtennis-Mannschaft durch einen Sieg über Hongkong Bronze  © dpa
Doppel-Gold in 60 Minuten: Erst holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem sensationellen Schlussspurt im Zweier-Canadier Gold, ...  © dpa
... eine Stunde später fuhren Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak souverän zum Olympiasieg.  © Getty
Für eine Sensation im Beachvolleyball sorgten Julius Brink und Jonas Reckermann: Die Kölner sichern sich Gold!  © dpa
Christina Obergföll wirft den Speer zu Silber.  © dpa
Linda Stahl holt sich im selben Wettbewerb überraschend Bronze.  © dpa
Thomas Lurz bleibt zwar über die Langstrecke von 10km das erhoffte Gold verwehrt aber mit Silber darf sich der Schwimmer immerhin schmücken.  © dpa
Raphael Holzdeppe steigerte seine Bestleistung im Stabhochsprung und holte Bronze.  © dpa
Noch besser lief es für Björn Otto: Der Dormagener sicherte sich die Silbermedaille.  © dapd
Betty Heilder musste lange zittern, doch als die Kampfrichter nochmal mit dem altmodischen Maßband rausholten, war klar: Bronze für die Weltrekordhalterin im Hammerwerfen.  © dpa
Taekwondoka Helena Fromm musste zwar durch die Trostrunde, doch am Ende klappte es mit der Bronzemedaille!  © dpa
Sabine Spitz gewinnt im Mountainbike-Wettbewerb Silber und komplettiert damit nach Bronze in Athen und Gold in Peking ihren olymischen Medaillensatz.  © dpa
Mit seinen beiden Treffern im Finale sichert Jan Philipp Rabente Deutschland Gold im Herren-Hockey.  © dpa

„Olympia war eine Achterbahn für mich. Die Medaille im Mannschaftswettbewerb ist eine große Entschädigung, eine große Genugtuung“, sagte Boll. „Jetzt gehen wir aber feiern. Alkohol war eineinhalb Jahre lang tabu. Ein, zwei Bierchen reichen schon, um in Feierlaune zu kommen.“ Am Abend ging es erst mal zum Deutschen Haus am Canary Wharf in London.

Die Schinderei, für die er sich eigentlich mit einer Einzel-Medaille hatte belohnen wollen, sie war nun doch nicht vergebens. „Wir sind alle müde und erschöpft, wir haben so viel geopfert“, sagte der Rekord-Europameister, der nach dem 3:1 gegen Hongkong seinen Schläger „eine Woche lang weglegen“ will.

Mit ihrer Ausbeute haben die deutschen Herren die Olympia-Zielvorgabe des Verbandes von zwei Medaillen exakt umgesetzt, Ovtcharov hatte zuvor im Einzel sensationell Bronze gewonnen. Verbandspräsident Thomas Weikert sprach sogar von einem „historischen Erfolg“. Zwei Medaillen habe es noch nie gegeben.

Ovtcharov darf nun sogar von sich behaupten, im Tischtennis Geschichte geschrieben zu haben: Er ist der erste Europäer mit drei Olympia-Medaillen. Nachdem er Boll mit Schwung geherzt hatte, warf er seiner Freundin Jenny Handküsschen zu und atmete kräftig durch. „Puuh“, sagte er, „mir sind einige Steine vom Herzen gefallen. Ich habe so sehr gehofft, dass Timo es macht.“

Timo machte es. 3:1 gewann Boll das entscheidende Spiel gegen Jiang Tianyi. „Ich habe gezeigt, dass ich es noch nicht verlernt habe“, sagte der Düsseldorfer, der im Achtelfinale des Einzels am Rumänen Adrian Crisan gescheitert war.

Der Frage, ob er 2016 in Rio de Janeiro noch dabei sein werde, wich er aus, es war gedanklich einfach zu weit weg. „Mental“, sagte der 31-Jährige nur lächelnd, „bin ich noch jung. Körperlich? Naja.“

Für Boll beginnt nach London so oder so ein spannender Lebensabschnitt: Mit Ehefrau Rodelia wird die Familienplanung in Angriff genommen. „Wenn man über 30 ist, tickt die Uhr irgendwann“, sagte Boll und deutete an, seinen Turnierkalender zu entrümpeln.

Acht Jahre, also zwei Olympia-Zyklen jünger ist Ovtcharov. Ein Mann der Zukunft, der „einfach nur überglücklich“ war, denn er wollte „auf keinen Fall als Vierter nach Hause gehen“. Am Donnerstag gegen 14.00 startet der Flieger nach Deutschland.

Auch Bastian Steger, der „Schattenmann“ in der deutschen Mannschaft, wird an Bord gehen. Genauer gesagt: Er wird an Bord humpeln. Denn Steger hatte sich gerade abseits des Geschehens für sein Einzel eingespielt, zu dem es nicht mehr kam, weil Boll schon den Sack zumachte. Im Augenblick des Matchballs sprintete Steger zu seinen Teamkollegen, sofort schmerzte es. „Ich habe mir eine Zerrung geholt“, berichtete er anschließend. „Das war Usain-Bolt-verdächtig. So schnell bin ich noch nie gelaufen.“

sid

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