TV-Kritik

Poschi, der gedopte Usain Polt vom ZDF

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Wolf-Dieter Poschmann

München - Der tz-Olympia-TÜV war am Sonntagabend bestürzend knapp davor, Wolf-Dieter Poschmann zu loben. Doch dann kam alles anders. Die TV-Kritik von Kolumnist Jörg Heinrich:

Auch wir sind begeistert von der Landung auf dem Mars. Bloß blöd, dass der NASA ein entscheidender Fehler unterlaufen ist: Sie hat Wolf-Dieter Poschmann nicht mitgenommen. Obwohl: Wir sind ja in friedlicher Absicht hingeflogen, dann wäre Poschi wohl das falsche Mitbringsel gewesen. Auch der grüne Mann lässt sich ungern anschreien. Aber der Reihe nach: Der tz-Olympia-TÜV war am Sonntagabend bestürzend knapp davor, den Mann vom ZDF-Spurtstudio zu loben. Denn vor dem 100-Meter-Halbfinale hat Poschi viel Interessantes erzählt über Usain Bolt und bewiesen, dass er Ahnung hat, solange er nicht Fußball kommentiert. Doch dann kam das Finale, und dort stand auf dem Programm: 100 Meter Dummschwätzen mit Dopingversteher Poschmann, dem Krampfplauderer, dem Testosteronkel vom Zweiten, der über Bolts „fast schon podolskihafte pragmatische Sicht der Dinge“ philosophierte.

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Was dem Leichtathletik-Realsatiriker nach dem Bolt-Sieg einfiel, geriet so peinlich, dass er seinen eigenen Sender zur Zensur zwang. In der Internet-Mediathek des ZDF endet die Wiederholung des 100-Meter-Finales, bevor sich der alte Wolf zum Rächer aller zu Unrecht „dämonisierten“ Dopingbetrüger aufschwang. Das Ganze erinnerte in seiner Skurrilität eher an Polt als an Bolt, aber unfreiwillig.

Der dritte Platz des notorischen Mehrfach-Dopers Justin Gatlin, der vier Jahre stillgelegt war („Gesperrt, aber nicht gebrochen!“), inspirierte Poschi zum gebührenfinanzierten Rundumschlag gegen alle Dopingjäger. „Die US-Boys haben einen guten Job gemacht“, jubelte er, nachdem es Gatlin „der Welt gezeigt“ hatte. Und los ging’s mit der großen Dopingshow: „Das Vorhaben, Dopingsünder im Grunde genommen lebenslang wegzusperren, ist ja gescheitert. Und das ist auch nachvollziehbar. Weder die Vierjahressperre noch ein Olympiaverbot sind rechtlich durchsetzbar und wären ja auch nicht die Lösung“, so Poschmann in fast schon poschihaft pragmatischer Sicht der Dinge.

Dabei war Gatlins Sperre rechtlich durchaus durchsetzbar. Doch der Usain Polt vom Zweiten redete sich in Rage: „Im Grunde genommen wäre es nur die Fortsetzung der Augenwischerei, der Heuchlerei des immer noch unorthodoxen, wenig effektiven Kontrollaktivismus, verbunden mit hohen Kosten, und verbunden dann mit der Dämonisierung der wenigen, die dann noch ins Netz gehen. Nein, das ist nicht die Lösung.“ Mit „unorthodox“ meinte Poschmann vermutlich „ineffizient“, und wie die Lösung aussehen könnte, behielt er vorsichtshalber lieber für sich.

Sein armer Co-Kommentator Peter Leissl schwieg betreten, als der verbalinkontinente Bolt-Fanboy gegen den „Aktivismus“ der Dopingjäger agitierte, die versuchen, für einen sauberen Sport zu sorgen. Und der Zuschauer fragte sich: Was hat der wirre Poschi eingenommen? Brauchen wir Dopingkontrollen für Kommentatoren? Wie begeistert hätte der Witzbolt den Olympiasieg von Dopingradler Winokurow gefeiert? Sein Motto: Mit dem Zweiten sieht man nichts – vom Doping. Scheinheiligkeit pur: Die Tour de France zeigen ARD und ZDF zu Recht nicht mehr. Doch Kommentator Poschmann darf in finster-dunkler Nacht gegen Dopingkontrollen anreden.

Warum Bolt & Co. so schnell rennen können, wusste er in entschlossener Kritiklosigkeit allerdings genau. Die Rezeptur: „Ein spezielles Gel, eine spezielle Matratze und ein eigener Startblock, den er sich gekauft hat.“ Silber-Läufer Blake hat andere Methoden: „Wenn Sie so schnell wie Yohan Blake werden wollen, jeden Tag 16 Bananen.“ Poschmanns Fazit zu Bolt: „Er ist mit herkömmlichen Kategorien nicht zu messen.“ Was auch für den Mann am ZDF-Mikro gilt.

Jörg Heinrich

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