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Olympiasieger Grotheer: „In meine eigene Welt fliehen“

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Christopher Grotheer
Skeletonpilot Christopher Grotheer jubelt über den Olympiasieg. © Michael Kappeler/dpa

Christopher Grotheer ist „ein Gewohnheitstier“. So fühlte er sich nur auf seinem alten Schlitten wohl. Nun hat er mit dem Olympiasieg alles erreicht. Priorität haben daher jetzt erst einmal andere Dinge.

Yanqing - Der erste deutsche Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer hat einen langen Weg beschritten. Vor vier Jahren glaubte er selbst nicht an so einen Erfolg. Der historische Sieg im Eiskanal von Yanqing war dann auch für den 29-Jährigen zu viel.

Christopher Grotheer, nach zwei Weltmeistertiteln rasten Sie mt dem ersten deutschen Olympiasieg in die Geschichtsbücher. Haben Sie diesen Erfolg schon realisiert?

Christopher Grotheer: Ich habe jahrelang davon geträumt. Das ist alles noch so irreal. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, was ich erreicht habe, das kommt erst in den nächsten Tagen. Und da würde ich die letzten zwei Jahre nicht rausnehmen, diesen Weg, den ich da gegangen bin. Ich habe letztes Jahr Geschichte geschrieben, ich war der erste deutsche Mann, der zweimal Weltmeister geworden ist, der den Titel verteidigt hat, anscheinend liegt mir das, Geschichte zu schreiben.

Sie wirken immer so ruhig, so gefasst, selbst nach dem Olympiasieg. Sie müssten doch ausflippen vor Freude?

Grotheer: Ich bin ein ruhiger Typ, gefasst ist einfach das falsche Wort, es ist derzeit einfach zu viel für mich. Ich hatte Riesenspaß, ich habe so lange darauf hingearbeitet. Ich versuche dann immer, mir den richtigen Zeitraum zu nehmen, um mich richtig hochzufahren. Ich war voll im Modus drin, das Training lief schon gut, ich bin mental richtig stark gewesen hier, das hat mir auch den Sieg gebracht.

Waren Sie denn vor dem Finallauf nicht aufgeregt?

Grotheer: Ich habe besser geschlafen als die beiden Nächte vorher, das war auch gut so, ich bin echt spät ins Bett gegangen, habe bis 9.30 Uhr geschlafen und irgendwie versucht, die Zeit rumzubekommen. An der Bahn konnte ich den Schalter dann umlegen und in meine eigene Welt fliehen.

2022 scheint ja Ihr Jahr zu werden. Olympiasieger, Hausbau, Heirat und Vaterfreuden. Sehen Sie das auch so?

Grotheer: Seit vier Wochen habe ich mir Stichpunkte aufgeschrieben, warum ich Olympiasieger werden will. Und das habe ich mir abends immer vorgelesen. Da war ein Punkt dabei, warum 2022 mein Jahr ist. Ich glaube, da passt alles zusammen. Das Kind wird sehr, sehr stolz sein, einen Vater zu haben, der Olympiasieger ist.

War es ein großes Wagnis, zum alten Schlitten zurückzugehen?

Grotheer: In diesem Jahr nicht mehr. Ich bin einfach ein Gewohnheitstier. Ich wusste, wenn ich mich nicht wohlfühle, dann wird es nichts. Ich bin den kleinen Schritt zurückgegangen, das hatte sich letztes Jahr schon bewährt. Ich bin mit dem Gerät zweimal Weltmeister geworden, ich wusste, es läuft.

Nun bekommt der Schlitten einen Sonderplatz im neuen Haus oder rast er weiter mit Ihnen im Eiskanal runter?

Grotheer: Wenn der Schlitten in Rente geht, dann gehe ich auch in Rente. Ich kann es noch nicht sagen, ich fühle mich unfassbar glücklich, habe sportlich alles erreicht. Hätte mir vor vier Jahren jemand gesagt, dass ich zweimal Weltmeister und Olympiasieger werde, hätte ich gesagt, du spinnst. Das schaffe ich nicht. Aber sportliche Ziele gibt es immer, ich muss mir sie noch suchen. Fürs Aufhören bin ich noch zu jung. dpa

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