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Profi-Mountainbiker Simon Stiebjahn: „In Deutschland fehlt mir die Wertschätzung“

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Profi-Mountainbiker Simon Stiebjahn.

Der professionelle Mountainbiker Simon Stiebjahn ist deutscher Meister, Europameister und bereist mit seinem Sport die Welt. In anderen Ländern ist der 30-jährige Schwarzwälder ein Star – in Deutschland fristet er ein Nischendasein. Woran das liegt, erzählt er uns ab 10:40 Uhr im Live-Interview.

Im Vergleich zu anderen Profisportlern sieht sich Simon Stiebjahn in einer privilegierten Situation. „Ich kann trotz des Coronavirus meinen Sport ausüben, durfte immer trainieren“, sagt er. Dabei kam ihm die Pandemie Mitte März gefährlich nahe. Unmittelbar vor dem „Cape Epic“ in Südafrika, einem der prestigeträchtigsten Etappenrennen im Turnierkalender, entschloss er sich, nicht anzutreten und zurückzufliegen. 

„Am Sonntag wäre es losgegangen, am Donnerstag buchten wir unsere Rückflüge für tags darauf“, sagt Stiebjahn. Die Entscheidung erwies sich als Glücksfall: „Als wir am Flughafen ankamen, wurde das Rennen abgesagt. Viele Europäer, die bereits vor Ort waren, wollten daraufhin das Land so schnell wie möglich verlassen. Ein Kollege von mir bekam keinen Flug und kam erst nach 40 Tagen raus“, berichtet er.

Zwischen Verlangen und Verdienst 

Die Gesundheit ist im Einzel-Hochleistungssport auch ohne Corona ein wichtiger Faktor. Ob Triathleten, Radfahrer oder Bergsteiger: Viele berichten von dem inneren Verlangen, die eigenen Grenzen auszureizen und zu verschieben. „Es ist eine Art Sucht, definitiv. Deshalb ist es umso wichtiger, einen Plan für die eigene Entwicklung zu haben“, erklärt Stiebjahn. Wer mit 20 Jahren bereits 40 Stunden pro Woche auf dem Rad sitze, habe anschließend kaum Steigerungspotenzial.

Luft nach oben gebe es auch in der medialen Begleitung der deutschen Profi-Mountainbiker, findet Stiebjahn. „Es ist schon so, dass mir in Deutschland die Wertschätzung fehlt. Man könnte sagen, dass das an den Medien liegt. Aber das ist es nicht alleine.“ Vielmehr müsse sich das Niveau der deutschen Sportler verbessern, um die Aufmerksamkeit hierzulande zu steigern. „In Ländern wie Südafrika ist Mountainbike-Fahren Volkssport, man wird als Star wahrgenommen. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt.“

von Hendrik Kowalsky

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