Das größte Radrennen der Welt

Tour de France 2020: Favoriten, Teams, Trikots und Strecke des diesjährigen Rennens

Egan Arley Bernal Gomez von Team Ineos im Gelben Trikot fährt am Arc de Triomphe vorbei.
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Egan Arley Bernal Gomez (2.v.r.) von Team Ineos im Gelben Trikot fährt am Arc de Triomphe vorbei (Archivbild).

Die Tour de France 2020 ist die spannendste seit langem. 22 Teams gehen in Nizza an den Start, zwei gelten als Favoriten. Doch auch um die anderen Trikots wird hart gekämpft.

  • Die diesjährige Tour de France wird mit Verspätung am 29. August in Nizza gestartet.
  • Insbesondere zwei Teams gelten als heiße Anwärter auf das Gelbe Trikot das Gesamtführenden.
  • Daneben gibt es aber auch Wertungen für den besten Sprinter, Bergfahrer und Jungprofi.

München - Jedes Jahr quält sich ein bunter Tross Radfahrer durch die brütende Sommerhitze Frankreichs. Sie sind auf der Suche nach dem schnellsten Mann durch reine Muskelkraft. Jemandem, der sich im Hochgebirge genauso wie im Kampf gegen die Uhr beweist und die drei Wochen mit durchschnittlich fast 40 km/h zurückzulegen imstande ist.

In diesem Jahr haben es die Fahrer mutmaßlich ein bisschen kühler. Die Tour de France 2020 startet nicht wie gewöhnlich im Hochsommer, sondern erst am 29. August und zwar ohne Fans. Zu groß wäre die Corona-Infektionsgefahr mit tausenden Fans an der Strecke. Gemessen an den Zuschauern an der Strecke ist die Tour de France das größte Sport-Event der Welt.

Ein Ausfall wäre einer nationalen Tragödie gleichgekommen. Die Tour de France gehört in Frankreich zum Kulturgut. Seit ihrer Gründung 1903 musste die „Grand Boucle“ - die „große Schleife“ nur während zweier Weltkriege pausieren. Den Spitznamen hat die Tour nicht von ungefähr: Sie ist das größte und härteste Radrennen der Welt.

Tour de France 2020: Die Strecke gilt als extrem hart

Auf 21 Etappen legen die Fahrer heutzutage zwischen drei- und viertausend Kilometer zurück, wobei die Strecke immer etwas variiert wird. Manche Orte stehen allerdings regelmäßig auf dem Programm, allen voran Paris, wo die Tour mit mehreren Runden auf dem Champs-Élysées endet.

Ebenfalls fester Bestandteil sind die Berge. Bereits seit 1910 fährt die Tour de France in die Pyrenäen. Damals waren die Straßen allgemein noch nicht asphaltiert, auf dem Tourmalet gab es nur einfache Holzfällerwege. Manchmal konnte man dort sogar noch Bären begegnen.

Auch wenn der Tourmalet dieses Mal nicht dabei ist, werden bei der Tour de France 2020 alle fünf Gebirge des Landes befahren: Pyrenäen, Alpen, Vogesen, Zentralmassiv und Jura. Das Profil gilt als extrem anspruchsvoll.

Startpunkt ist die südfranzösische Küstenstadt Nizza, von wo aus es am zweiten Tag gleich in die dahinterliegenden Berge der Cote d‘Azur geht. Die ARD und Eurosport übertragen das Spektakel. Alle weiteren Sendetermine finden Sie hier.

Tour de France 2020: Bernal gilt erneut als Favorit

In den Bergen fallen meistens auch die Entscheidungen ums Gesamtklassement. Je langsamer das Tempo, desto geringer der Windschatten-Effekt. In der Ebene sparen die Fahrer im Windschatten viel Kraft. Entsprechend schwieriger ist es auch, einen Konkurrenten am Hinterrad abzuhängen.

Im Gebirge spielt außerdem das Körpergewicht eine große Rolle. Hier können Leichtgewichte wie Vorjahressieger Egan Bernal ihre Vorteile ausspielen, der es bei 1,75 Körpergröße auf gerade einmal 60 Kilogramm bringt. Der 23-jährige Kolumbianer gehört auch in diesem Jahr zu den großen Favoriten auf den Gesamtsieg.

Sein Team Ineos (vorher Sky) hat mit Ausnahme des Jahres 2014 (als Froome stürzte) seit 2012 ununterbrochen die Tour für sich entscheiden können. Den Anfang machte Bradley Wiggins, dann folgte viermal Chris Froome und je einmal Geraint Thomas und eben Bernal. Grund war neben starken Helfern die strenge Stallorder in dem britischen Team.

Gelbes Trikot: Konkurrenz für Ineos durch Jumbo-Visma bei der diesjährigen Tour de France?

2020 könnte die Dominanz allerdings Risse bekommen. Der Grund ist ein anderes Team, das sich personaltechnisch nicht hinter Ineos verstecken braucht. Der niederländische Rennstall Jumbo-Visma hat mit Primoz Roglic und Tom Dumoulin ebenfalls zwei Sieger großer Landesrundfahrten (Vuelta a Espana bzw. Giro d‘Italia) im Aufgebot.

Ob die anderen Teams da überhaupt noch eine Chance haben? Gerade wegen des Windschatten-Effekts ist auch der stärkste Fahrer auf die Unterstützung durch seine Teamkollegen angewiesen. Dafür müssen diese aber so lange wie möglich mit den besten mithalten können.

Tour de France 2020: Alle Teams im Überblick

  • AG2R La Mondiale
  • Astana
  • Bahrain-McLaren
  • Bora-Hansgrohe
  • CCC
  • Cofidis
  • Deceuninck-Quick Step
  • EF Education First
  • Groupama-FDJ
  • Israel Start-Up Nation
  • Lotto-Saudal
  • Mitchelton-Scott
  • Movistar
  • NTT
  • Ineos
  • Jumbo-Visma
  • Sunweb
  • Trek-Segafredo
  • UAE-Emirates
  • Total Direct Energie
  • B&B Hotels-Vital Concept
  • Arkéa-Samsic

Emmanuel Buchmann: Sein Team kämpft bei der Tour de France auch für Peter Sagans grünes Trikot

Deswegen steht die deutsche Hoffnung Emmanuel Buchmann auch vor einer größeren Herausforderung als etwa Bernal oder Roglic. Im Gegensatz zu deren Teams konzentriert sich seine Equipe Bora-Hansgrohe nämlich nicht ausschließlich auf das Gelbe Trikot des Gesamtführenden, sondern auf eine der anderen Wertungen des Rennens.

Mit Peter Sagan hat das deutsche Team nämlich noch zusätzlich den Mann mit den meisten grünen Trikots in seinen Reihen. Das grüne Trikot wird an den sprintschnellsten Mann vergeben. Am Ende jeder Etappe gibt es Punkte für die ersten Fahrer im Ziel, auf Flachetappen mehr als in den Bergen (weil es hier eher zu Sprints kommt).

Daneben gibt es Zwischensprints im Laufe mehrerer Etappen, an denen ebenfalls Punkte vergeben werden. Sagan ist zwar nicht der beste Sprinter im Feld, dafür aber äußerst vielseitig. So sammelte der Slowake durch gezielte Attacken zusätzliche Punkte bei Zwischensprints. Im letzten Jahr hat er mit sieben grünen Trikots den bisherigen Rekordhalter Erik Zabel abgelöst.

Tour de France 2020: Weitere Trikots und Wertungen

Neben dem grünen Trikot für den Fahrer mit den meisten Sprint-Punkten gibt es noch das rot gepunktete Trikot für den Fahrer mit den meisten Berg-Punkten. Am Ende harter Anstiege gibt es Punkte für die ersten Fahrer. Je länger und härter der Anstieg, desto mehr Punkte. Im vergangenen Jahr holte sich der Franzose Romain Bardet das Trikot.

Die Wertung für den besten Nachwuchsfahrer funktioniert wie die fürs Gesamtklassement: Es zählen die Zeitabstände im Ziel jeder Etappe. Nur, dass die Fahrer hier höchstens 25 Jahre alt sein dürfen. Da Egan Bernal 2019 erst 22 war, ging zugleich auch die Nachwuchswertung an ihn. Während der Rundfahrt darf dann der Zweitplatzierte das weiße Trikot des besten Jungprofis tragen.

Hinzu kommen noch die Wertung für den angriffslustigsten Fahrer (wird von einer Jury entschieden) und die Wertung für das beste Team (Zeiten der drei besten Fahrer werden addiert). 2019 waren das der Franzose Julien Alaphilippe respektive das spanische Team Movistar.

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