Viele Stürze auf 1. Etappe

Tour de France: Fan-Skandal - Chaos nach Selfie, 20 Fahrer stürzen

Der Tour-Auftakt wurde von zahlreichen Stürzen überschattet. Doch nicht alle Zwischenfälle waren auf die nassen Straßen zurückzuführen. Ein Radprofi klagt einen unaufmerksamen Fan an.

  • Seit Samstag läuft die 107. Tour de France.
  • Der Auftakt rund um Nizza hat es in sich - viele Fahrer stürzen.
  • Ein Profi klagt einen Zuschauer öffentlich an.

Nizza/München - Der Auftakt der 107. Tour de France* hatte es in sich. Und das nicht nur wegen der happigen ersten Etappen*, die rund um Nizza bereits einige ordentliche Steigungen aufweisen. Vielmehr war es ein Wolkenbruch an der Cote d‘Azur, der den Radprofis während des Auftakt-Teilstücks am Samstag ordentlich zu schaffen machte. Auf dem schmierigen Asphalt kamen immer wieder Fahrer zu Fall, manche mehrmals.

Für John Degenkolb war das Rennen bereits nach den ersten 156 Kilometern zu Ende, weil der Etappensieger aus dem Jahr 2018 mit offenen Wunden an beiden Knien 65 Kilometer lang dem Feld hinterhechelte und letztlich außerhalb des Zeitlimits den Zielstrich überquerte. Auch sein Teamkollege Philippe Gilbert, Weltmeister von 2012, schied aus, weil er sich die linke Kniescheibe brach. Für den Spanier Rafael Valls kam das Aus mit einem Oberschenkelbruch, er musste direkt ins Krankenhaus gebracht werden, erreichte gar nicht das Ziel. Kracht es auf der 5. Etappe erneut, diesmal stehen wieder die Sprinter im Fokus?*

Tour de France: Auch Greipel und Mitfavorit Pinot stürzen

Auch weitere Deutsche kamen zu Fall. Lennard Kämna, Etappensieger beim Vorbereitungsrennen Critérium du Dauphiné, sogar gleich zweimal. Aber auch Topsprinter André Greipel und Nils Politt - Ersterer musste mit vier Stichen am Bein genäht werden, Letzterer verletzte sich am Steißbein. Erwischt hatte es kurz vor dem Ziel auch den Mitfavoriten Thibaut Pinot, großer Hoffnungsträger der Franzosen. Pavel Sivakov, Edelhelfer von Titelverteidiger Egan Bernal und selbst mindestens Anwärter auf einen Top-10-Platz, lag gleich zweimal auf dem Asphalt und büßte bereits über elf Minuten und damit alle Chancen auf das Podium ein.

Viele der Stürze waren Folgen von Unachtsamkeit der Pedaleure - so verlor Kletterspezialist Miguel Angel Lopez in einer Abfahrt angesichts des Wasserfilms auf der Straße in einer Kurve die Kontrolle über sein Rad und schlitterte in ein Straßenschild. Doch besonders ärgerlich, weil nicht selbstverschuldet, war der Zwischenfall, dem Domenico Pozzovivo zum Opfer fiel. Wie der Italiener über seine Social-Media-Kanäle erklärte, habe ein unvorsichtiger Fan seinen Sturz verursacht, bei dem 20 weitere Profis zu Boden gegangen seien.

Durch Fremdeinwirkung zu Fall gekommen: Domenico Pozzovivo steht der Schreck noch ins Gesicht geschrieben.

Tour de France: Mit Tempo 50 stößt Fahrer mit Helm gegen Handy und kommt zu Fall

Besagter Fan habe sich demnach über das Streckengitter gebeugt, um ein Selfie zu machen, auf dem offenbar eben auch das heranrauschende Feld zu sehen sein sollte. Allerdings unterschätzte er anscheinend die Geschwindigkeit der Profis. Bei Tempo 50 sei Pozzovivo touchiert worden. Genauer gesagt, sei er mit seinem Helm gegen das Handy gestoßen, was fatale Folgen für seine Ellbogen gehabt habe. Ironisch bedankte sich Pozzovivo, der den Giro d‘Italia bereits sechsmal in den Top 10 beendet hat, bei dem unaufmerksamen Zuschauer.

Der war bei weitem nicht der erste Fan, der unfreiwillig ins Renngeschehen eingriff. Unvergessen bleiben die Bilder der Königsetappe 1999, als der Telekom-Profi Giuseppe Guerini kurz vor dem Ziel in L‘Alpe d‘Huez mit einem plötzlich zum Fotografieren auf die Straße stürmenden Zuschauer zusammenstieß und zu Boden ging. Glücklicherweise ließ sich Pozzovivos Landsmann davon nicht aus dem Tritt bringen und erreichte das Ziel dennoch als Erster.

Häufiges Bild zum Tour-Auftakt: Immer wieder kamen Radprofis zu Fall.

Tour de France: Auch Armstrong kam Fan und dessen Beutel zu nahe

Im vergangenen Jahr kam der schon erwähnte Lopez beim Giro wegen eines Fans zu Fall. Im Internet kursierten anschließend Videos, wie der Kolumbianer seine Wut an dem auf dem Boden sitzenden Mann ausließ und diesen mit Faustschlägen traktierte. Und 2003 erwischte es sogar den später als Dopingsünder aufgeflogenen Tour-Minator Lance Armstrong, der sich mit dem Lenker in der Schlaufe eines Beutels, den ein Zuschauer hielt, verhedderte und gemeinsam mit dem hinter ihm fahrenden Iban Mayo im Schlussanstieg nach Luz-Ardiden stürzte. Alles zum Glück ohne schwere Folgen für die Profis.

Ein Edelhelfer von Jan Ullrich packte nun aus - und ätzte gegen den einstigen deutschen Helden.

In den vergangenen Wochen hatten diverse Stürze in der Tour-Vorbereitung* ohne Zutun der Fans für Aufruhr gesorgt. So starteten fast alle Favoriten* lädiert in die Tour. Auch der deutsche Topstar Emanuel Buchmann* war betroffen, kam nun immerhin unbeschadet durch die Auftaktetappe. Die Kritik aus dem Fahrerfeld wegen der unnötigen Gefahren auf den Strecken wird sicher nicht leiser werden. Zumal die vielen Zwischenfälle zum Tour-Start eben nicht nur auf das schlechte Wetter zurückzuführen sind - wie Pozzovivo eindrucksvoll untermauerte. (mg) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Die Tour de France läuft erst seit zwei Tagen und schon gab es das erste Kuriosum in einem deutschen Team. Radsport-Star Sagan sorgte für eine Trikot-Verwirrung. Wer setzt sich bei der dritten Etappe durch? Hier gibt es den Live-Ticker.

Rubriklistenbild: © Stephane Mantey/afp

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