Greipel sechster

Tour de France: Erster deutscher Etappensieg - Politt sprintet alleine durchs Ziel

Nils Politt vom Team Bora-hansgrohe holte sich den Etappensieg.
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Nils Politt vom Team Bora-hansgrohe holte sich den Etappensieg.

Nils Politt holt den ersten deutschen Etappensieg bei der Tour de France, es ist erst der zweite Sieg als Profi für den Kölner.

Nimes - Die deutsch Durststrecke ist beendet, Radprofi Nils Politt raste bei der 108. Tour de France zu einem sensationellen Überraschungssieg. Am Donnerstag überlistete der Kölner vom Team Bora-hansgrohe seine Konkurrenten aus der Fluchtgruppe und holte mit einem starken Solo den bisher größten Erfolg seiner Laufbahn.

Etwa zwölf Kilometer vor dem Ziel konnte Politt die ausschlaggebende Attacke einleiten und distanzierte sich mit einem starken Antritt von den verbleibenden Verfolgern Imanol Erviti (Spanien/Movistar) und Harry Sweeny (Australien/Lotto-Soudal)

Tour de France: Greipel wird bei Politts Etappensieg emotional - „Habe gesehen, wie er aufgewachsen ist“

Sprint-Oldie Andre Greipel, wie Politt einer von 13 Ausreißern des Tages, wurde vorzeitig abgehängt und konnte seine Stärken im Sprint nicht ausspielen. Der „Gorilla“ belegte am Ende den sechsten Rang. „Ich habe gesehen, wie er aufgewachsen ist“, freute sich Greipel für Politt: „Ich habe mit ihm zusammen trainiert. Es ist sehr emotional, das zu sehen. Er war der Stärkste da vorne, er hat verdient gewonnen.“

Politt setzte zwölf Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke. Der Roubaix-Zweite von 2019 kämpfte sich mit weit aufgerissenem Mund dem Ziel entgegen. Als dem 1,92-Meter-Mann der Etappensieg sicher war, schüttelte er ungläubig den Kopf, schlug sich auf den Helm und riss jubelnd die Arme in die Höhe. Sein Vorsprung betrug am Ende 31 Sekunden. Es war der erst zweite Profierfolg für Politt und der insgesamt 91. Etappensieg eines deutschen Fahrers bei der Tour.

Mark Cavendishs Rekordfahrt ist derweil vertagt. Der britische Starsprinter, den nur noch ein Erfolg vom Etappenrekord des legendären Eddy Merckx (34 Siege) trennt, rollte mit großem Rückstand hinterher. Vor der mehrtägigen Kletterei in den Pyrenäen am Wochenende bekommt "King Cav" am Freitag aber noch einmal eine Chance. Die 13. Etappe führt über 219,9 km von Nimes nach Carcassonne und dürfte in einem weiteren Massensprint enden.

Die zwölfte Etappe mit Start in Saint-Paul-Trois-Chateaux begann hektisch, die befürchteten Windkanten sorgten unmittelbar nach dem Start für Nervosität. Das Peloton teilte sich bei hohem Tempo in mehrere Teile, ehe sich das Rennen schließlich beruhigte und die Fluchtgruppe des Tages stand. 13 Fahrer, darunter Greipel, Politt sowie der französische Weltmeister Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step), waren an der Spitze vertreten.

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Das Rennen verlief in der Folge lange unspektakulär. Die Gruppe um das deutsche Duo fuhr einen große Vorsprung heraus, zwischenzeitlich lag er bei über einer Viertelstunde.

50 km vor dem Ziel sorgte ein erster Angriff Politts für neue Dynamik. Der Klassiker-Jäger forcierte das Tempo und riss eine Lücke, auch Greipel war zunächst abgehängt, fand wie der Rest der Gruppe aber wieder den Anschluss. Weitere Attacken Fahrer folgten fast im Minutentakt. 40 km vor dem Ziel waren Politt und seine beiden Begleiter erfolgreich.

Das Trio um den 27-jährigen Politt setzte sich von Greipel und Co. ab. Dann begann ein Ausscheidungsfahren - mit dem glücklichen Ende für den Kölner.

Nicht ins Geschehen eingreifen konnte Peter Sagan, der siebenmalige Gewinner des Grünen Trikots. Der slowakische Star von Politts Bora-Team leidet immer noch unter den Sturzfolgen der ersten Tourwoche und stieg nicht mehr aufs Rad. Für den 31-Jährigen könnte es die letzte Tour im Bora-Trikot gewesen sein: Sagan soll vor einem Wechsel zum französischen Team TotalEnergies stehen. (sid/ajr)

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