Neuer Trainer der SpVgg Unterhaching im großen Interview

Van Lent: „Menschlichkeit und gesunde Härte schließt sich nicht aus“

„Der Verein hatte zuletzt viele Bauchschmerzen in den Rückrunden“: Arie van Lent will die Problematik lindern. 
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„Der Verein hatte zuletzt viele Bauchschmerzen in den Rückrunden“: Arie van Lent will die Problematik lindern. 

Arie van Lent hat bei der SpVgg Unterhaching das Kommando als Trainer übernommen. Der 49-Jährige spricht im Interview über seine Ziele und seinen Umgang mit den Spielern.

  • Trainer Arie van Lent möchte die SpVgg Unterhaching in der 3. Liga auf die nächste Stufe heben. 
  • Der Ex-Profi wurde im Umgang mit Spielern von seinen beiden ehemaligen Trainer Otto Rehagel und Hans Meyer geprägt. 
  • Im Interview spricht der 49-Jährige über die Saisonziele und die Zusammenarbeit mit Vorgänger Claus Schromm.

Unterhaching – Auf seinen Teint wäre jeder holländische Strandurlauber stolz. „Original Hachinger-Sportplatz-Bräune“, sagt Arie van Lent, 49, als er zum Interview erscheint und nicht nur wegen seines launigen Spruchs den Eindruck erweckt, angekommen zu sein an seiner neuen Wirkungsstätte. Am Abend gab es noch einen 3:1-Sieg gegen Kooperationspartner Rosenheim – läuft für den neuen Hachinger Chefcoach.

SpVgg Unterhaching: Trainer Arie van Lent hofft auf längere Zusammenarbeit

Herr van Lent, Präsident Manni Schwabl sagte bei Ihrer Vorstellung, Holländer gehören für ihn zu Bayern, weil sie hier gerne Urlaub machen oder auf dem Weg nach Österreich durchfahren. Um mal an die gängigen Klischees anzuknüpfen: Stellen Sie hier nur Ihren Wohnwagen auf oder ziehen Sie ganz mit Ihrer Familie her?

Weder das eine noch das andere. Momentan wohne ich im Hotel, suche aber eine Wohnung. Meine Familie bleibt in Korschenbroich, das ist unser Lebensmittelpunkt. Und zu Teil eins der Frage: Ich bin tatsächlich noch nie in einem Wohnwagen gesessen, also dieses Klischee trifft auf mich nicht zu (lacht).

Ihr Vertrag ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Was wollen Sie bis zum 30. Juni 2022 erreicht haben?

Ganz einfach: Es wäre schön, wenn es so gut läuft, dass der Verein darüber nachdenkt, den Trainer noch etwas länger zu behalten. Der Verein hat viele Bauchschmerzen gehabt zuletzt in den Rückrunden. Das soll anders werden. Künftig soll es nur schlechte Hinrunden geben. Kleiner Scherz (lacht laut). Natürlich hoffe ich, dass wir insgesamt stabil werden und eine gute Rolle in der 3. Liga spielen.

Arie van Lent zum Umgang mit Spielern: „Eine härtere Hand gehört dazu“

Bei Mönchengladbach waren Sie erst für die U19, dann für die zweite Mannschaft zuständig. Ist es eine Spezialität, Talente an den Profifußball heranzuführen, was ja auch der Hachinger Weg sein soll?

Spezialität weiß ich nicht. Ob bei Rot-Weiss Ahlen oder Kickers Offenbach, es lief immer gleich: Kein Geld für Spieler, also musste man auf junge Spieler setzen – und dann war ich eben da.

Schwabl erwartet von Ihnen nicht zuletzt, dass Sie auch mal dazwischen hauen. Wörtlich sagte er: „Nur mit Streichelzoo kommst du nicht weiter.“ Haben Sie also auch eine Peitsche im Gepäck?

Eine härtere Hand gehört dazu. Wohlfühloase schön und gut, aber die Spieler dürfen sich nicht so wohl fühlen, dass die Leistung auf der Strecke bleibt. So geht’s nicht. Es ist immer noch Profifußball.

Arie van Lent über Vorgänger Schromm: „Claus war bei den Vorgesprächen sehr offen“

Otto Rehhagel, Ihr früherer Trainer bei Werder Bremen, soll diesen Spagat gut hingekriegt haben.

Absolut. Von ihm habe ich mitgenommen, dass sich Menschlichkeit und gesunde Härte nicht ausschließen. Für Liebeskummer und Freundin hat jeder Verständnis, aber mit Nichtstun kommen wir nicht weiter. Bei Hans Meyer (seinem Trainer in Mönchengladbach/Red.) war es übrigens ähnlich: Der war total korrekt zu allen, aber wehe, es hat einer nicht mitgezoge... Fehler verzeihe ich sehr gerne, aber für ein gemeinsames Ziel müssen nun mal alle mitmachen.

Ihr Vorgänger Claus Schromm ist noch da und als Gesamt-Sportvorstand letztlich auch ein Vorgesetzter. Eine problematische Konstellation?

Ich empfinde es nicht so. Claus war auch bei den Vorgesprächen sehr offen. Als Nicht-mehr-Trainer ist es sicher auch für ihn nicht ganz einfach. Er musste seinen Nachfolger aussuchen, der vielleicht was ändern möchte. Aber da müssen wir beide durch – und bisher klappt es wirklich hervorragend.

Arie van Lent: „Die 3. Liga ist absolut unberechenbar“

Darf er Ihnen Tipps geben oder soll er sogar?

Er darf und soll mich unterstützen. Ich wollte aber auch ganz unvoreingenommen hier herkommen und nicht hören: Das ist nicht so gut, das hat nicht funktioniert. Ich wollte mir mein eigenes Bild machen und neue Reize setzen. Nachfragen kann ich dann ja immer noch.

In den letzten Jahren waren Sie in der Regionalliga West tätig. Wie gut kennen Sie die 3. Liga?

Ich denke, sie ist noch so, wie ich sie mit Ahlen und Offenbach kennen gelernt habe: absolut unberechenbar. Du kannst nie vorher sagen, wer am Ende aufsteigt. Du kannst die ersten zehn Spiele gewinnen und verlierst dann die nächsten 20. Eine sehr ausgeglichene Liga.

Saisonziel der SpVgg Unterhaching: Stabile Saison mit der Tendenz nach oben

Steht in Ihrem Vertrag, dass Sie die Niederlagenserie gegen die Löwen abzustellen haben?

Da muss ich noch mal nachschauen (lacht). Ich werd’ ja dann merken, wie wichtig dem Manni das Spiel ist. Ob er mich hinterher umarmt oder auf mich sauer ist.

Und was ist das offizielle Saisonziel?

Der Verein hat den Wunsch, eine stabile Saison zu spielen – mit der Tendenz nach oben. Es ist vernünftig, dass man nicht sagt: Wir wollen mit aller Macht hoch in die 2. Liga. Das ist zwar unser Wunsch, aber nicht das Ziel.

Interview: Uli Kellner

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