Arie van Lent über Hachings Talfahrt

„Uns fehlt manchmal die absolute Gier“

Arie van Lent schaut nachdenklich aus der Wäsche.
+
Böse Bilanz: Arie van Lent ist mit Haching seit zwölf Spielen sieglos.

Die Lage wird immer dramatischer für die SpVgg Unterhaching: Tabellenletzter der 3. Liga, schon fünf Punkte Rückstand aufs rettende Ufer, sieglos seit zwölf Spielen und zuletzt sieben Mal in Folge ganz ohne Punkte. Wie Trainer Arie van Lent diesen Albtraum erlebt und wo er den Hebel ansetzen will, um den Klassenerhalt doch noch zu packen, verrät der Niederländer im Interview.

Herr van Lent, Kapitän Markus Schwabl wollte nach der Derbypleite in den Fangzaun beißen. Welche Form des Frustabbaus bevorzugen Sie?

Van Lent: Ich schreie meinen Frust lieber raus. Um in den Fangzaun zu beißen, sind meine Zähne nicht gut genug. Beim Markus macht’s halt nichts aus, er hat ja neulich seine Schneidezähne verloren (lacht).

Sie waren danach drei Tage daheim im Westen. Reicht ein verlängertes Wochenende, um die Niederlagenserie zu vergessen und neuen Mut für den Abstiegskampf zu schöpfen?

Van Lent: Ja, immer. Selbst wenn es nur eineinhalb Tage sind, tut das gut. Das Wetter war bei uns auch schön, man ist in einer anderen Umgebung und bekommt den Kopf frei. Ich fühle mich jetzt wieder total frisch – und bin fest entschlossen, das Ding umzubiegen. Sprich: nicht abzusteigen.

Haben Sie so eine Horrorserie schon einmal erlebt?

Van Lent: Nein, da bin ich mir ziemlich sicher. Und ganz ehrlich: Ich hätte auch gut auf diese Erfahrung verzichten können. Das ist schon außergewöhnlich.

Gilt auch für die Treue des Präsidenten.

Van Lent: Auf jeden Fall. Ich denke, es passt einfach unheimlich gut zwischen Manni und uns Trainern. Wir schätzen uns, er weiß genau, wie wir ticken. Er hat das neulich ganz richtig gesagt: Wenn uns alles egal wäre oder wir keinen Bock hätten, dann wären wir auch längst nicht mehr hier.

Man sollte diese Geduld aber auch nicht überstrapazieren.

Van Lent: Das ist klar, aber das will auch keiner. Nur weil es nicht rundläuft, sage ich nicht: Ich gehe jetzt nach Hause. Im Gegenteil, ich bin ja gerne hier.

Lässt sich die Talfahrt nur mit Verletzungspech und fehlendem Spielglück erklären? Oder sitzen die Probleme tiefer?

Van Lent: An beidem ist was dran. Wir haben Spieler, die ich noch gar nicht richtig im Training gesehen habe: Stahl, Hain, Welzmüller, Endres, der mittlerweile aufgehört hat. Und das mit dem Spielglück stimmt schon auch, aber ich will mich nicht hinstellen und alles darauf schieben, das wäre mir zu blöd. Leider ist es so, dass wir in gewissen Situationen Fehler machen. Technische Fehler, taktische, individuelle.

Zu allem Unglück haben Sie jetzt auch noch ein Torwartproblem. Jo Coppens war Ihnen beim 1:3 gegen 1860 keine große Hilfe. Wie sehr vermissen Sie den nach Salzburg verkauften Nico Mantl?

„Wir haben kein Torwartproblem“: Jo Coppens, der hier gegen 1860-Kapitän Mölders daneben greift, hat weiter das Vertrauen von Arie van Lent.

Van Lent: Wir haben kein Torwartproblem. Jo Coppens ist ein sehr guter Torwart, Nico Mantl war es auch. Am Freitag sah Jo nicht gut aus, das stimmt, aber er hat auch schon sehr gute Spiele für uns gemacht.

Wo sehen Sie Ansätze, dass es Ihr Team noch schaffen kann, die Liga zu halten?

Van Lent: Ich sehe ja, wie sie’s im Training machen. Der Mannschaft ist bewusst, dass sie momentan nicht alles richtig macht, aber sie haut Woche für Woche alles raus, und das ist sehr positiv. Was uns fehlt, ist manchmal die absolute Gier.

Nur vier Drittligisten haben bislang weniger Tore erzielt als die SpVgg. Wie sehr schmerzt Sie das als ehemaliger Erstligastürmer?

Van Lent: Das schmerzt schon, weil wir auch sehr viele Chancen aus guten Positionen auslassen. Da sind wir grob fahrlässig mit umgegangen, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Wir müssen unbedingt das Tor machen wollen, damit es der ganzen Mannschaft besser geht.

Ihr Vertrag ist bis 2022 datiert. Gilt er auch für die Regionalliga?

Van Lent: Nein, er gilt nicht für die Regionalliga. Aber ich hoffe auch, dass es nicht so weit kommen wird. Ich bin aber keiner, der kneift. Ich bin voll dabei und wäre der Letzte, mit dem man nicht auch über die Regionalliga reden kann. Trotzdem bin ich weiterhin voller Hoffnung, in den ausstehenden zwölf Spielen so gut zu punkten, dass es am Ende reicht.

Und mal Hand aufs Herz: Das mit dem Rückrundenfluch hatten Sie bestimmt für einen bösen Scherz gehalten?

Van Lent: Nein, das war ja auch überall zu lesen. Ich habe versucht, mich zu wehren, bisher hab ich’s leider nicht geschafft. Aber wir tun alles dafür, dass die Rückrunde dafür noch ein gutes Ende nimmt.

Auch interessant

Kommentare