Abschied mit Wehmut

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Moritz Heinrich schoss das vorerst letzte Hachinger Tor im Profi-Fußball.

Mit einem 1:1 beim 1. FC Magdeburg verabschiedet sich Absteiger SpVgg Unterhaching aus der 3. Liga.

Unterhaching – Sportlich war die Partie absolut bedeutungslos, ein paar schöne Momente zauberte sie am Samstag aber dann doch noch auf die Tagesordnung: Lucas Hufnagel, der im Alter von nur 27 Jahren aus gesundheitlichen Gründen seine Profikarriere beenden muss, durfte die SpVgg Unterhaching im letzten Saisonspiel beim 1. FC Magdeburg als Kapitän aufs Feld führen und bekam nach 82 Minuten auch einen persönlichen und emotionalen Abgang – genau wie auf der Gegenseite Magdeburgs Vereinslegende Christian Beck. Und weil es zu einem schiedlichen und friedlichen Saisonfinale passte, teilten sich die Kontrahenten am Ende auch die Punkte.

Die SpVgg verabschiedete sich mit einem 1:1 aus der Dritten Liga – allerdings dennoch als Tabellenletzter mit der schwachen Ausbeute von gerade einmal 32 Punkten in 38 Spielen und neun Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz, den sich auf der Zielgeraden doch noch der KFC Uerdingen schnappte. Die kommende Regionalliga-Spielzeit wird für die Hachinger in Sachen Wiederaufstieg nun richtig schwer, weil am letzten Spieltag auch der Abstieg des FC Bayern München II amtlich wurde. Es ist davon auszugehen, dass der Rekordmeister seine zweite Mannschaft mit aller Macht zurück in die Dritte Liga bringen will. Für die SpVgg, die mit einer jungen Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum plus einer Achse aus erfahrenen Profis an den Start gehen wird, dürfte die Rückkehr in die Dritte Liga damit eine Herkulesaufgabe werden.

Moritz Heinrich war der letzte Treffer der Saison vergönnt. In der 61. Minute schloss er einen Alleingang mit einem beherzten Schuss ab und glich damit die Magdeburger Führung aus. Die hatte elf Minuten zuvor passenderweise der scheidende Christian Beck erzielt. Insgesamt war die Partie in Magdeburg ein unterhaltsamer, aber eben doch bedeutungsloser Kick, in dem sich die Gegner nicht wehtaten und auch die Chancen gerecht verteilten. Niclas Anspach hatte vor der Pause die größte für die Unterhachinger (35.). Auf der Gegenseite verfehlte Atik knapp das leere Tor, nachdem sich zuvor SpVgg-Keeper Steve Kroll bei seinem dritten Saisoneinsatz beim Herauslaufen schwer verschätzt hatte (40.). Nach der Pause rettete Kroll aber mit einer Parade gegen Beck zunächst noch das Remis. Für die Hachinger verbuchte der eingewechselte Leonhard Grob eine gute Möglichkeit. Der 18-Jährige kam am Samstag zu seinem Profi-Debüt.

„Wir hätten schon gerne gewonnen, aber das 1:1 geht in Ordnung“, meinte Magdeburgs Trainer Christian Tietz nach der Partie. „Wir haben uns heute beide nicht wehgetan“, sagte Haching-Coach Arie van Lent, „aber beide haben sich noch einmal bemüht ein ordentliches Spiel abzuliefern.“

Lucas Hufnagel, der zur neuen Saison zum SV Donaustauf in die Bayernliga Süd wechseln wird und auf Amateurniveau weiterspielt, war nach seinem letzten Spiel sichtlich ergriffen. „Es ist der Moment gekommen, an dem es Sinn macht“, sagte er, „ich habe entschieden, mich nicht mehr zu quälen. Unter Profibedingungen ist es schwer, noch hundert Prozent zu geben.“

Der 27-Jährige blickt auf eine Karriere mit 134 Dritt- und 35 Zweitliga-Einsätzen zurück, garniert mit zwei Länderspielen (für Georgien), zwei Bundesliga-Aufstiegen, aber auch zwei Abstiegen mit Unterhaching. Auch Markus Schwabl und Josef Welzmüller erlebten übrigens bereits den zweiten Abstieg mit der SpVgg nach 2015.

Wenn Hufnagel ab Sommer in Donaustauf kickt, heißen die Gegner für Unterhaching Pipinsried, Aubstadt, Buchbach und Heimstetten statt Dresden, Magdeburg, Kaiserslautern oder 1860. Der Trainingsstart in Haching ist für den 10. Juni geplant, der Saisonstart in der Regionalliga Bayern für Mitte Juli. Bis zum Trainingsauftakt in knapp drei Wochen muss die SpVgg nun vor allem aber einen neuen Trainer finden. Für den sympathischen, aber eben glücklosen Arie van Lent war die Partie am Samstag ebenfalls der Abschied von Unterhaching nach nur einer Saison. „Wir haben fußballerisch gute Lösungen gehabt, waren aber zu ungefährlich“, lautete gestern sein letztes Fazit, „und dann ist man nach 38 Spieltagen mit so wenig Punkten auch zurecht abgestiegen.“

Von der SpVgg verabschieden werden sich nach den schon verkündeten Abgängen von Luca Marseiler (zum SC Paderborn), Felix Müller (zur SV Elversberg) und Maximilian Krauß (zum FC Carl Zeiss Jena) auch Janik Bandowski und vermutlich Moritz Heinrich. Die Stürmer Dominik Stroh-Engel und Felix Schröter dürften ebenfalls keine Zukunft in Unterhaching haben.

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