Fußball - 3. Liga

Harmlos und schlampig

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So sieht Enttäuschung aus: Die SpVgg Unterhaching nach der sechsten Niederlage und Tabellenplatz 17. 

Im Osten nichts Neues. Die SpVgg Unterhaching steckt in der Dritten Liga immer tiefer in der Krise fest und ist nach dem 0:2 bei Dynamo Dresden am Mittwoch nun seit sechs Spielen sieglos und nur dank der Unentschieden der Konkurrenz noch auf Tabellenplatz 17.

Unterhaching –  Was mit dem 2:2 im Heimspiel gegen Viktoria Köln am Wochenende einen Aufwärtstrend anzudeuten schien, war nun wieder das alte Lied: Vorne harmlos, hinten anfällig, Leistung unterm Strich enttäuschend. Wie so oft in den vergangenen Wochen. Die Tendenz will einfach nicht nach oben zeigen.

So waren es nach der sechsten Niederlage im zehnten Saisonspiel die altbekannten Vokabeln, die Trainer Arie van Lent bei seiner Analyse bemühen musste: „Zu harmlos“, „schlampig im Passspiel nach vorne“, „sehr bemüht, aber am Ende zu wenig“, „ungefährlich“ und „total nachlässig im Verteidigen“. In einer insgesamt wenig erheiternden ersten Halbzeit war zweimal die Abwehr ungeordnet, die Folge waren die beiden Treffer von Hartmann und Hosiner in der 26. und 42. Minute. „Total schade“, fand van Lent, „dass wir das Spiel aufgrund der ersten Halbzeit einfach hergeschenkt haben“. Nur eine Viertelstunde zu Beginn des zweiten Durchgangs entflammte Haching Gefahr nach vorne und hatte durch Dominik Stroh-Engel und Max Dombrowka immerhin zwei Torchancen. Dann war der Schwung aber schon wieder vorbei, Dresden trabte gemächlich einem ungefährdeten Sieg entgegen. Einem „souveränen“, wie Dynamo-Coach Markus Kauczinski sagte, „der völlig in Ordnung“ ging, was Hachings Cheftrainer zugeben musste.

Die Leistung stimmt nicht, Ergebnisse und Tabellenplatz auch nicht, die Torausbeute ebenso wenig. Unterhaching hat nach wie vor den harmlosesten Angriff der Liga mit neun Toren in zehn Spielen. Was aber auch fehlt, sind Hauptdarsteller auf dem Platz. Die Routiniers reihen sich in die Reihe der Fehlerquellen nahtlos ein, eine echte Führungsfigur ist nicht erkennbar. Dass vier der erfahrensten Spieler langfristig fehlen, kann allerdings keine Entschuldigung sein. Bei der SpVgg stehen immer noch über 1000 Spiele Drittliga-Erfahrung auf dem Platz.

Bezeichnend am Dienstag war in dieser Hinsicht auch noch die Tatsache, dass sich ein 17-Jähriger neben dem wie üblich starken Torhüter Nico Mantl die beste Note verdiente, der bislang noch nicht einmal im Kader gestanden hatte. Boipelo Mashigo aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum, bis Dienstag gar nicht auf der offiziellen Kaderliste geführt, wurde in der 45. Minute eingewechselt und war der einzige, der mit seinem Engagement ein Ausrufezeichen setzte. „Er hat das richtig gut gemacht“, lobte ihn van Lent, der aber auch das aktuelle Problem zusammenfasste: „Es ist positiv, dass er der beste Mann auf dem Platz bei uns war. Traurig ist aber, dass er das ist und nicht die anderen.“

Spieler wie etwa Luca Marseiler durchwandern dagegen gerade ein tiefes Tal. Zum zweiten Mal in Folge gehörte der 23-Jährige gar nicht zum Kader. Noch bis zur vergangenen Saison war das Eigengewächs mit seinen bemerkenswerten Fähigkeiten einer jener Spieler, für die man eine Zukunft jenseits der Dritten Liga gesehen hatte und der in absehbarer Zukunft als gewinnbringendes Eigenkapital galt. „Ein guter Fußballer“, sagte van Lent zum Fall Marseiler am Dienstag, „aber er muss sich bewusst werden, dass er ein guter Fußballer ist.“ Es scheint, dass seine Entwicklung ins Stocken geraten ist – aus welchen Gründen auch immer. Marseiler ist aber nur ein Beispiel. Auch letztjährige Leistungsträger wie Moritz Heinrich oder Felix Schröter sind inzwischen außen vor.

Bei jungen Spielern stockt die Entwicklung, die erfahrenen machen zu viele Fehler, Haching ist hinten anfällig, vorne harmlos und richtet sich im Tabellenkeller ein statt das Fernziel Zweite Liga vor Augen zu haben. Die SpVgg hat im Herbst 2020 Probleme an allen Ecken und Enden.

Luca Marseiler zum zweiten Mal in
Folge nicht im Kader

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