Neuer Sportlicher Leiter der SpVgg Unterhaching

Exklusiv-Interview: „Herr Schromm, ist Manuel Baum ein Thema?“

Claus Schromm sucht seinen eigenen Nachfolger. 
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Claus Schromm sucht seinen eigenen Nachfolger. 

Claus Schromm wird bei der SpVgg Sportlicher Leiter. Im exklusiven Interview spricht der 51-Jährige über seine neue Aufgabe und seinen Nachfolger als Trainer.

  • Claus Schromm gibt sein Amt als Cheftrainer bei der SpVgg Unterhaching ab und übernimmt die Sportliche Leitung
  • Der 51-Jährige spricht im Interview ausführlich über seinen „Schritt zur Seite“. 
  • Schromm skizziert außerdem das Profil seines Nachfolgers an der Seitenlinie. 

Unterhaching – Als Cheftrainer in den Urlaub gefahren, als Sportdirektor aus Kroatien zurückgekehrt. Auf Claus Schromm, 51, kommt eine neue Rolle bei der SpVgg Unterhaching zu. Wie es ihm mit seinem „Schritt zur Seite“ geht, verriet das Hachinger Urgestein im Exklusivinterview mit unserer Zeitung.

Claus Schromm: „Entscheidung ist über Wochen gereift“

Herr Schromm, die Katze ist aus dem Sack. Sie sind jetzt Ex-Trainer der SpVgg Unterhaching. Wie geht es Ihnen dabei?

Es fühlt sich von Tag zu Tag besser an. Die Entscheidung ist ja nicht gestern oder vorgestern gefallen, sondern über Wochen gereift. Den Anstoß hatte ich schon nach dem Meppen-Spiel gegeben (0:3 am 34. Spieltag/Red.). Nach dem letzten Spiel gegen Duisburg (0:4) war uns allen klar, allen voran dem Präsidenten und mir, dass wir was verändern müssen. Die Frage war nur, in welche Richtung und wie.

Im Interview mit unserer Zeitung nach dem Saisonfinale hatte Manni Schwabl bereits angedeutet, in welche Richtung es gehen könnte. Wörtlich sagte er, er hält Sie für sehr wertvoll für den Verein, die Frage sei nur, „ob es noch an der Linie passt“.

Ich wusste von dem Interview – und ich wusste auch, was ich lesen werde. Das war sauehrlich, was ja in der heutigen Fußball- und Medienlandschaft nicht unbedingt üblich ist. Was der Präsident gesagt hat, entspricht genau den Tatsachen.

SpVgg Unterhachinig: Claus Schromm will eigenen Stil beibehalten

Wie einvernehmlich war denn die Entscheidung am Ende? 51 Prozent Schwabl, 49 Prozent Schromm?

Der Präsident hat gesagt, es ist auch meine Entscheidung. Seine Meinung kannte ich, ich selber habe wie gesagt nach dem Meppen-Spiel den Anstoß für diesen Schritt gegeben (am 21. Juni/Anm. d. Red.) – alles Weitere haben wir dann gemeinsam entwickelt. Ich habe es im Urlaub noch mal mit meiner Frau besprochen, dabei ging es mir von Tag zu Tag mit der Entscheidung besser.

Im Interview sagte Schwabl unter anderem: „Nur mit Streichelzoo kommst du nicht weiter. Ein Cheftrainer muss auch mal dazwischen funken. Das erwartet eine Mannschaft.“ War es eine Überlegung von Ihnen, dass es besser ist, den Weg frei zu machen, als plötzlich Härte vorzuspielen?

Die Art und Weise, wie ich mit Spielern und Mitarbeitern umgehe, ist keine Neuigkeit hier in Haching. Mich zu verbiegen, macht gar keinen Sinn. Man muss immer authentisch bleiben. Grundsätzlich möchte ich, dass mein Gegenüber meine Entscheidungen nachvollziehen kann, egal ob das eine taktische Frage ist oder eine personelle. Das ist mein Stil, und den werde ich auch so beibehalten.

SpVgg Unterhaching: Claus Schromm bot schon 2019 seinen Rücktritt an

Sie hatten ja vor einem Jahr schon mal beim Präsidenten angeklopft, wie das in Haching heißt. Damals war Schwabl nicht mal bereit, Ihr Rücktrittsangebot anzuhören.

Das stimmt, aber diesmal war es auch ein anderer Ansatz. Letztes Jahr stand es Spitz auf Knopf, nicht nur sportlich. Mir war bewusst, was es für eine Tragweite haben würde, wenn wir absteigen. Ohne 3. Liga wäre der Börsengang mehr als fraglich gewesen, und wer weiß, ob es uns dann heute noch so geben würde. Im Sinne des Projekts wäre ich deshalb bereit gewesen, einen Schritt zur Seite zu treten. Diesmal lag der Fall anders. Jetzt geht es mehr um die Gesamtausrichtung und wie wir uns für die nächsten Jahre aufstellen. Ich war ja nicht nur Cheftrainer hier, sondern auch Sportlicher Leiter für den Übergangsbereich, habe das Projekt gemeinsam mit dem Präsidenten mitentwickelt, die Kooperation mit Rosenheim mitgestaltet … Es macht Sinn, diese Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.

Womit wir bei Ihrer neuen Rolle wären. Wie genau ist die definiert?

Sportliche Leitung für den Gesamtverein. Also Nachwuchsleistungszentrum, Kooperation mit 1860 Rosenheim und die erste Mannschaft.

SpVgg Unterhaching: Schromm bestätigt Gespräche mit mehreren Trainer-Kandidaten

Mal naiv gefragt: Fällt in Ihren neuen Aufgabenbereich auch die Suche nach Ihrem Nachfolger?

Dem ist so, ja (lacht).

Was das für ein Typ sein soll, hat Schwabl bereits umrissen: Eine Mischung aus autoritärem Trainer und Kumpeltyp. Sehen Sie das auch so?

Absolut. Er muss aber natürlich auch zu uns passen. Das Anforderungsprofil ist relativ klar: Er muss den Fußballlehrer haben, Erfahrung im Seniorenbereich, Minimum 4. Liga. Optimal wäre auch, wenn er aus der Region kommt und weiß: So ticken die Hachinger, so ist ihre Philosophie. Einfach wird das nicht. Wir sind in Gesprächen mit Kandidaten, aber es gibt noch nichts zu vermelden.

Könnte Manuel Baum noch mal ein Thema werden?

Als Doppelspitze wie damals? (lacht) Nee, ich glaube, der ist gut versorgt beim DFB und hat meines Wissens gerade erst verlängert (als U 20-Nationaltrainer/Anm. d. Red.).

„Das Projekt Haching steht über allem“

Eine Wendung, die vor einem Vierteljahr vermutlich außerhalb Ihrer Vorstellungskraft lag. Damals hatten Sie Ihren Vertrag als Cheftrainer bis 2023 verlängert.

Nein, das war keineswegs abwegig für mich. Ich hab schon in diversen Interviews gesagt, dass wir auch auf der Suche nach einem Nachfolger für mich sind. Offen war nur der Zeitpunkt für einen Wechsel. Natürlich würde man sich einen anderen Rahmen wünschen: Nach dem Aufstieg zum Beispiel, aber das ist ja kein Wunschkonzert. Wir glauben einfach, dass das jetzt der richtige Moment ist und wir künftig mit einem weiteren Mitspieler noch besser aufgestellt sind. Das Projekt Haching steht über allem – und wird auf immer breitere Füße gestellt.

Claus Schromm und Merkur/tz-Redakteur Uli Kellner sprechen über die Zukunft der SpVgg Unterhaching.

Die Mannschaft bleibt weitgehend unverändert, nur auf der Kommandobrücke ändert sich was. Ist es aus Ihrer Sicht möglich, erneut die Aufstiegsplätze als Ziel auszugeben?

Jetzt warten wir mal ab, bis wir das neue Trainerteam aufgestellt haben.

Würden Sie sagen, dass Ihr Nachfolger ein bestelltes Feld vorfindet?

Im Prinzip schon. Der Kader ist breit aufgestellt, wir haben einen guten Mix aus Erfahrung und Jugend. Klar gibt es ein paar Fragezeichen mit verletzten Anker-Spielern. Ich denke aber, man kann auf jeden Fall von einem bestellten Feld sprechen – und weiterhin von einem hochspannenden Projekt.

Interview: Uli Kellner

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